Selbst in der Großstadt können Obst, Nüsse und Kräuter legal geerntet werden. Die Plattform mundraub.org zeigt auf, welche Nutzpflanze an welchem Ort wächst. Wildpflücker sollten aber auch Einiges beachten.
Die digitale Karte von mundraub.org zeigt auf, wo in einer Stadt Mundraub begangen werden darf. Eine Strafanzeige fürchten muss man dabei jedoch nicht – mit Mundraub gemeint ist das Naschen von Früchten von öffentlich zugänglichen Bäumen und Sträuchern.
Gegründet wurde die soziale Plattform im Jahr 2009 von Kai Gildhorn und Freunden. Den Grundstein hierfür legte die Freundesgruppe bei einer Paddeltour, bei der sie ungenutzte Fruchtbäume und -sträucher für sich entdeckten. Ihre Idee: Die Obstfunde könnten Sie auf einer Website kartieren, um ihre Erfahrungen der essbaren Natur auch anderen Mitmenschen zugänglich zu machen.
In einem Video auf seiner Webseite erklärt Gründer Gildhorn, was mundraub.org ist – nämlich ein Pflück- oder Genussatlas für öffentliches Obst. Doch Mundraub will nicht nur zur Ernte anregen, sondern auch zum Nachpflanzen. Das Pflücken von öffentlichen Bäumen und Sträuchern (engl.: Urban Foraging) soll laut eigenen Angaben ein Bewusstsein für Regionalität und Saisonalität schaffen.

Foto: Daniel Karmann/dpa
Wildpflücken unterliegt mehreren Regeln
So geht’s : Wer selbst auf Früchte-Jagd gehen möchte, ruft die Karte auf und guckt sich in seiner Umgebung um. Auf einer Schaltfläche lässt sich das bevorzugte Obst auswählen, welches angezeigt werden soll. Dann kann es auch schon losgehen. Die Website betont: Nur für den Eigenbedarf pflücken. Bei größeren Mengen bedarf es einer Genehmigung.
Gleichzeitig lebt mundraub.org auch davon, dass Nutzer eigenständig neue Bäume und Sträucher eintragen, die noch nicht auf der Karte zu sehen sind. Findet man also eine Nutzpflanze, die niemandem gehört, erstellt man ein Benutzerkonto und trägt diese ein. Die gemeinschaftliche Plattform bietet selbst allerlei Fachwissen zu den essbaren Pflanzen, etwa Anleitungen zur fachgerechten Baumpflege oder einen Erntekalender zum Download.
Damit beim Kartieren alles gesittet zugeht, stellt die Plattform für ihre Nutzer einige Regeln auf: Besonders wichtig ist es, nur von öffentlichen Grundstücken zu sammeln, auch Naturschutzgebiete sind tabu. Zweifeln andere Nutzer einen vermerkten Standort an, muss dieser von der Karte gelöscht werden. Auch die Plattformbetreiber können sich einschalten. Weitere Regeln betreffen den behutsamen Umgang mit Pflanze und Natur oder Engagement bei der Pflege der Obstbäume.
Hier gibt es in Stuttgart Mirabellen, Kirschen und Co.
Selbst im urbanen Kessel finden sich zahlreiche Fundstellen für vielfältiges Naschen: Rund um die Karlshöhe im Stuttgarter Süden gibt es zum Beispiel Weißdorn und Mirabellen. Der Westen wartet vor allem am Leipziger Platz mit einigen Obstbäumen auf. Im Zentrum gibt es rund um die Uni Stuttgart mehrere Kirschbäume, so auch im Schlossgarten. Der Norden wiederum bietet unter anderem Brombeeren und Esskastanien. Am Kräherwald soll an mehreren Stellen Bärlauch wachsen. In der Nähe der Villa Berg im Stuttgarter Osten gibt es laut Karte diverse Apfelsorten zum Pflücken. In Bad Cannstatt wachsen vor allem entlang des Neckars mehrere Holundersträucher, informiert die Website.
Achtung bei stark befahrene Straßen wegen Schadstoffbelastung
Was die Schadstoffbelastung von Obst in Städten angeht, verweist die Plattform auf eine Studie der Technischen Universität Berlin aus dem Jahr 2013. Diese meint, dass die Konzentration von Blei und Cadmium in Stadtobst vergleichbar mit dem aus dem Supermarkt sei. Dabei gilt: Je näher am Boden die Früchte wachsen und je höher die Verkehrsbelastung am Standort, desto höher die Konzentration der Schwermetalle. Daraus leitet mundraub.org folgende Daumenregeln ab:
•Baumobst und Nüsse können überall in der Stadt geerntet werden.
•Bei Beerenobst und Kräutern auf mindestens zehn Meter Abstand zur Straße achten.
•Bei stark befahrenen Straßen sogar einen Abstand von mindestens 20 Metern wählen.
•An idealen Orten wächst zusätzlich eine Hecke zwischen der Straße und dem Erntestandort.
Die Karte von mundraub.org finden Sie hier.