Urban Gardening in Stuttgart Wo man sich Gemüsebeete mieten kann

Immer mehr Menschen wollen gärtnern. Eine Lösung wäre ein Gemeinschaftsgarten. Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Selbstversorgung ist im Trend. In Stuttgart gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich als Hobbygärtner auszuprobieren. Wir stellen drei Mietäcker vor, auf denen es noch Platz gibt.

Böblingen: Leonie Schüler (lem)

Wenn es immer mehr Städter auf den Acker treibt, dann braucht es pfiffige Ideen, damit sich möglichst viele im Gemüseanbau versuchen können. Wir stellen drei Möglichkeiten vor, bei denen man unkompliziert, aber tatkräftig testen kann, ob einem die Gartenarbeit liegt.

 

Meine Ernte in Stuttgart-Möhringen

Was schmeckt besser als der selbst geerntete Salat oder die eigenhändig ausgebuddelten Karotten? Doch Achtung: Wer selbst gärtnert, muss auch die weniger schönen Seiten hinnehmen. Völlig vermatschte Gummistiefel, Schwitzen in praller Sommersonne oder das Einsammeln und Entsorgen von Kartoffelkäfern – all das gehört genauso dazu. Aber vielleicht schmeckt das Gemüse später auch gerade deshalb so besonders gut.

Um Hobbygärtner beim Gemüseanbauen nicht alleine zu lassen, bietet das Portal „Mein Ernte“ bundesweit Mietäcker an, die der örtliche Bauer bereits mit circa 20 Gemüsesorten bepflanzt hat. Das garantiert einen guten Ernteerfolg. Das freie Drittel können die Mieter selbst gestalten und mit jenen Gemüsesorten experimentieren, die ihnen am besten schmecken.

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In Stuttgart ist der helfende Landwirt der Möhringer Bio-Bauer Klaus Brodbeck. Er kooperiert seit 2012 mit „Meine Ernte“. Brodbeck stellt zwei seiner Ackerflächen zur Verfügung: eine am Onstmettinger Weg und eine an den Dürrlewangäckern. Dort können 45 Quadratmeter große Feldflächen angemietet werden. Das kostet 229 Euro – oder 439 Euro, wer gleich zwei Flächen nimmt. Noch sind einige Ackerflächen verfügbar.

Der Beginn der Erntesaison wird am Sonntag, 1. Mai, ab 15 Uhr an den Dürrlewangäckern gefeiert. Geackert und geerntet werden kann dort bis in den Spätherbst hinein. Gießwasser und Gartengeräte werden vor Ort gestellt, außerdem gibt es einen Newsletter und Lernvideos mit hilfreichen Tipps sowie eine Gemüsehotline.

Stadtacker Wagenhallen

Zwischen Industriegebäuden von einst und Bürokomplexen von heute, zwischen kreativem künstlerischen Chaos und Wohnen in teils prekären Verhältnissen befindet sich der Stadtacker Stuttgart auf dem Gelände der Wagenhallen im Stuttgarter Norden. Das ist kein Gebiet, an dem man eben so mal durchläuft, eher meidet man das, da es dort auch viele grobschlächtige Baustellen-Gewerke für das Projekt Stuttgart 21 gibt.

Und gerade deshalb wissen jene, die den Weg dorthin gefunden haben, das Areal Stadtacker mit seinen vielfältigen Möglichkeiten zu schätzen. Auf etwa 2000 Quadratmeter Fläche gibt es dort zahlreiche Parzellen zwischen vier und zehn Quadratmetern. Die einen gärtnern da aus Freude an selbst Gezüchtetem, andere reizt die Lust am Experimentieren. Was sie verbindet: Gärtnern ist gelebtes soziales Miteinander, ein Lernort der Natur und ein Treffpunkt für den Gedankenaustausch – und einfach für ein geselliges Miteinander.

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Zu tun gibt es genug, deshalb ist immer dienstags und donnerstags von 16 Uhr an ein Treffen der Interessierten ohne Voranmeldung, dann werden anstehende Aufgaben verteilt. Nicht jeder will und muss Verantwortung übernehmen für einen längeren Zeitraum oder für ein komplexes Projekt. Aber jeder kann tatkräftig daran teilhaben im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Ein aktuelles Beispiel für ein ambitioniertes Vorhaben ist der Kräuterkrater. Ein großes kegelförmiges Loch wurde gegraben mit einer Wasserfläche am unteren Ende. Dort am Rand und darüber hinaus werden auf verschiedenen Sand- und Tonböden Pflanzen angebaut, die besser mit wasserarmen Verhältnissen auskommen. Mehr als 100 Aktive gibt es, die sich auch daran erfreuen, wenn das Erarbeitete gemeinsam verkostet wird bei der Küche im Freien.

Ackerhelden in Stuttgart-Riedenberg

Wissen wollen, wo das Gemüse herkommt und was drin ist, das treibt viele an, die selbst ein Stückle bewirtschaften wollen. Dazu entschleunigt die Arbeit auf dem Feld. „Gerade in Pandemiezeiten sind die Mietgärten ein Ausgleich für die Menschen, sie suchen den Kontakt zur Natur, auch mit ihren Kindern“, sagt Tobias Paulert, einer der Gründer von „Ackerhelden“. Der Krieg in der Ukraine habe ebenfalls dazu beigetragen, dass die Nachfrage steigt. „Viele sind verunsichert“, sagt Paulert. Schlagzeilen, dass Lebensmittel teurer werden oder deren Verfügbarkeit sinkt, führten dazu, dass mehr Leute über den Eigenanbau nachdenken.

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Südlich von Riedenberg auf den Flächen des Demeter-Betriebs Hof am Eichenhain der Familie Wais vermietet „Ackerhelden“ 24 und 40 Quadratmeter große Parzellen. Die kleineren seien auch für Einzelpersonen gut geeignet. 170 Parzellen seien in dieser Saison vermietet. „Eigentlich sind wir ausgebucht“, sagt Paulert. Man habe aber noch Saatgut und Jungpflanzen in Reserve, sodass man auf einzelne spontane Anmeldungen noch flexibel reagieren könne. Wer keinen Acker bewirtschaften will, kann über „Ackerhelden“ auch Hochbeete für daheim kaufen.

Auf den Feldern ist bereits einiges Gemüse eingesät. Immer mit Blick auf den Bauernkalender, sagt Paulert. Also: keine Tomaten, weil es noch zu kalt ist, dafür Salate, Zwiebeln oder Mangold – alles, was das launische Aprilwetter besser verkraftet. Dazu Blütengewächse, die nicht nur essbar sind, sondern auch Nützlinge anlocken. Das ist wichtig, denn gespritzt wird nicht. „Wir sind Partner von Bioland und Mitglied bei Demeter, wir bringen Bioqualität auf den Acker“, sagt Paulert. Manche Pflanze bringe vielleicht weniger Ertrag als eine konventionelle. Paulert ist aber überzeugt, dass man den Unterschied schmeckt. „Dafür schlägt unser Herz.“

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