Urban Gardening in Waiblingen Ein Quadratmeter Gartenglück

So sieht der Prototyp des noch nicht befüllten Hochbeets aus. Im Sommer sollen darin   Gemüse und Kräuter gedeihen. Foto: Gottfried Stoppel
So sieht der Prototyp des noch nicht befüllten Hochbeets aus. Im Sommer sollen darin Gemüse und Kräuter gedeihen. Foto: Gottfried Stoppel

Auf Wunsch etlicher Bürger stellt die Stadt Waiblingen eine Fläche für gemeinschaftliches Gärtnern, für Urban Gardening, zur Verfügung. Wer mag, darf erst ein Hochbeet bauen – und dann pachtfrei gärtnern.

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Waiblingen - Nicht jeder, der gerne gärtnert, hat auch die Möglichkeit dazu. Die Stadt Waiblingen gibt Bürgern nun die Chance auf ein kleines Stück Gartenglück: Auf dem Gelände der Jugendfarm auf dem Finkenberg, einer ehemaligen Erddeponie, schafft sie eine Fläche, die für gemeinschaftliches Gärtnern genutzt werden kann. Das Material für den Bau und die Befüllung der Hochbeete, die dort künftig stehen und als Minigärten dienen sollen, stellt sie ebenfalls bereit. Den Zusammenbau und die anschließende Bewirtschaftung der Beete sollen die Hobbygärtner dann selbst übernehmen.

Am Donnerstagabend haben Michael Seeger und Werner Boßler, bei der Stadt für die Bereiche Infrastruktur und Grünflächen zuständig, auf dem Finkenberg einen vom städtischen Betriebshof gebauten Prototyp des Gartens im Kleinformat vorgestellt: Eine Palette dient als Basis und gibt die Maße vor: exakt 1,20 Meter auf 80 Zentimeter, knapp ein Quadratmeter Fläche, stehen pro Beet zur Verfügung.

Projekt soll ein Selbstläufer werden

Im Bodenbereich der Hochbeete dienen etwas Maschendraht sowie eine Lage Kies als Drainageschicht. Die Seitenwände werden aus wetterbeständigen Lärchenholz-Brettern zusammengeschraubt und mit Vlies ausgekleidet. Befüllt wird der Behälter mit Häckselmaterial, einer Laubschicht sowie Kompost – und dann können die Hobbygärtner auch schon loslegen.

Das gemeinschaftliche Gartenprojekt unter dem Stichwort Urban Gardening solle ein Selbstläufer werden, wünscht sich Michael Seeger: „Wir träumen davon, dass jede Gruppe sich einen Gartensheriff sucht und selbst organisiert.“ Was auf den Hochbeeten wächst, entscheiden die Gärtner nach eigenem Gusto: Kräuter, Gemüse, bunte Blumen oder gar ein kleines Obstbäumchen – all das könnte dort gedeihen.

Für Michael Seeger ist der pachtfreie Gemeinschaftsgarten auch ein soziales Projekt: „Das kann soweit gehen, dass man auch mal gemeinsam kocht und isst, was man erzeugt hat.“ Der Standort der Beete auf dem Gelände der Jugendfarm sei passend, schließlich sei auch deren Ziel, ein Bewusstsein für die Natur zu schaffen. Sogar äußerlich passten sich die Hochbeete an die künftigen Ställe der Jugendfarm an, für die wohl demnächst eine Baugenehmigung vorliege: „Wir haben uns da mit dem Architekten abgesprochen.“ Noch in Arbeit sei eine Lösung dafür, wie die Gärtner außerhalb der Öffnungszeiten aufs Jugendfarmgelände gelangen können. Vermutlich werde ein Drehtor eingebaut, das mittels Chip den Weg frei gibt.

Zunächst sind 15 Hochbeete geplant

„Wenn Gärten komplett offen sind, gibt es häufig Vandalismus“, sagt die Landschaftsarchitektin Ute Grüber, die das Projekt im Auftrag der Stadt betreut. Derzeit seien 15 Beete vorgesehen, „aber es gibt noch Erweiterungsmöglichkeiten“.

Der Waiblinger Martin Dreiling hat sich bereits ein Beet für seine Familie gesichert. „Wir haben einen Garten, aber wenn man Gelegenheit bekommt, das in Gemeinschaft zu tun, bleibt man eher dran“, glaubt der zweifache Vater, der das Beet auf alle Fälle mit Essbarem bepflanzen will. Auch Renate Czurda gehört zu den Urban Gardenern der ersten Stunde. „Ich habe vor dem Haus nur einen Handtuchgarten“, sagt die 73-Jährige. Dort wachsen Blumen und Küchenkräuter. Im Hochbeet will sie auf jeden Fall Gemüse anbauen: „Zucchini, Gurken und so etwas. Nur keine Tomaten, die muss man zu oft gießen.“




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