Urban Sketchers in Stuttgart Die Stäffele international bekannt machen

Die Stäffele bieten den Sketchern eine Fülle an Motiven. Foto: Susanne Müller-Baji

Beim aktuellen Stäffeles-Projekt der Urban Sketchers Stuttgart ist Mitzeichnen ausdrücklich erwünscht.

S-Ost -

 

Zeichentreff am Eugensplatz: Einmal monatlich verabreden sich die Urban Sketchers Stuttgart (StUSk) an wechselnden Stellen Stuttgarts. Für das September-Zeichnen kam man etwa am bildschönen Galatea-Brunnen zusammen. Doch längst nicht alle Teilnehmer befassten sich mit der vergnüglichen Brunnenzier. Fast noch häufiger tauchten die angrenzenden Stäffele in den Zeichenbüchern auf: Ein aktuelles Projekt lädt dieser Tage dazu ein, sich mit dem typischen Stuttgarter Treppauf-Treppab zu befassen. Und mitmachen ist erwünscht.

Die Idee entstand im Corona-Lockdown: Wo man sonst immer mindestens einmal monatlich zusammen zeichnete und sich austauschte, blieb mit einem Mal nur der Blick aus dem Fenster oder die Motivsuche im heimischen Garten. Auch später, als man wieder paarweise oder in Kleinstgruppen ans Werk gehen durfte, blieben die Zeichentreffen, „Sketch Crawls“ genannt, bis in den Sommer hinein ausgesetzt. Ein Thema muss her, das jeder auch individuell für sich bearbeiten kann, sagte sich die Zeichnerin Riona Kuthe, und initiierte das Stäffeles-Projekt: „Es sollte typisch für Stuttgart sein und etwas abbilden, was wir alle lieben.“

Die Urban-Sketcher-Gruppen sind weltweit vernetzt

Die gescannten Zeichnungen werden auf der Webseite http://urbansketchers-stuttgart.de eingestellt; noch bis mindestens Ende Oktober kann man über die E-Mail-Adresse staeffele@urbansketchers-stuttgart.de einreichen. Ziel soll laut Kuthe sein, die Stuttgarter Stäffele auch auf internationaler Ebene bekannt zu machen. Denn die Urban-Sketcher-Gruppen sind weltweit vernetzt: Ihre Mitglieder wollen der allgegenwärtigen Bilderflut Zeichnungen entgegensetzen, die allein durch Beobachtung und in Handarbeit entstanden sind und dabei Lebenswelt und Alltag einzufangen. Kuthe erzählt von einem Beiruter Zeichner, der derzeit die Folgen der verheerenden Explosionen vor einigen Wochen dokumentiert.

Ungefährlicher wirkt da das Stäffeles-Projekt und mitzeichnen darf jeder, der sich an das Manifest der Urban Sketchers hält: Zulässig sind nur Zeichnungen, die direkt vor dem Motiv entstanden sind – kein Abzeichnen von Fotos! Die Resultate sollen ihre Zeit und ihre Umgebung möglichst originalgetreu widerspiegeln: „Wir zeigen die Welt, Zeichnung für Zeichnung“, heißt es darin. Alle Zeichen- und Malstile sind erlaubt, angesprochen sind Anfänger wie Fortgeschrittene gleichermaßen.

Das Stäffeles-Projekt lädt zu immer neuen Stadt-Erkundungen ein: Riona Kuthe erzählt von Mitzeichnern, die sich systematisch durch die Fülle der Motive arbeiten und so nach und nach ganze Skizzenbücher füllen. An Motiven mangelt es nicht: Kennern zufolge soll es 500 bis 600 öffentliche Treppenanlagen im Stadtgebiet geben, fast alle sind der Kessellage geschuldet: Als sich Stuttgart ab der Mitte des 19. Jahrhunderts die Hänge hinauf ausdehnte, wurden aus den vormaligen Weinbergstaffeln Zugänge zu den höher gelegenen Wohnvierteln. Seither sind „dia steile Stuagerter Stäffele“, wie sie unter anderem Willy Reichert besungen hat, aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken.

Hoffnung auf viele Interessierte

Auf Wikipedia ist das hauptstädtische Auf und Ab unter dem Stichwort „Stuttgarter Stäffele“ gelistet, mit interessanten Information und zum Teil auch mit der genauen Anzahl der zu bewältigenden Stufen. So weiß man schon vor der Zeichenexkursion, ob man sich seinem Motiv besser von oben nähert oder das Zeichnen mit einem sportlichen Aufstieg verbindet. Riona Kuthe hofft, dass ihr Stäffele-Projekt auch möglichst viele Interessierte zur Teilnahme an den StUSk-Zeichentreffen inspiriert.

Gelegenheit dazu gibt es etwa am Sonntag, 4. Oktober. Dann trifft man sich um 14 Uhr, ganz im Zeichen des Stäffeles-Projekts, an der Ecke Elsterstaffel/Ecke Böblinger Straße. Von 16 Uhr an bespricht man die entstandenen Werke und kommt dabei bestimmt über Stuttgart und seine Stäffele ins Gespräch.

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