Der Präsident der Kanareninsel verbreitet Optimismus: Nach dem Vulkanausbruch erwartet er für dieses Jahr mehr Touristen als 2019 – trotz vieler noch geschlossener Hotels.

Korrespondenten: Martin Dahms (mda)

Der Vulkan hat auch sein Gutes gehabt. „Jetzt werden wir nicht mehr mit Palma de Mallorca verwechselt,“ sagt Mariano Zapata, „oder mit Las Palmas de Gran Canaria.“ Zapata ist der Präsident der Inselverwaltung von La Palma, einer kleinen Insel im Atlantischen Ozean, die sich selbst La Isla Bonita nennt: Die Schöne Insel. Ganz zurecht.

Sie ist aber auch eine etwas unpraktische, bergige Insel, mehr für Natur- als für Strandliebhaber, eine Vulkaninsel, das macht sie so bezaubernd. Im September brach nach fünfzig Jahren wieder ein Vulkan aus, der La Palma in aller Welt in die Schlagzeilen brachte und nun auch einen neuen Namen bekommen hat: Tajogaite. Das soll der Insel jetzt zugutekommen.

Mehr Flugverbindungen nach Europa

„Wir haben mehr Flugverbindungen denn je“, sagt Inselpräsident Zapata. Nicht nur zu den kanarischen Nachbarinseln oder nach Madrid, sondern nach halb Europa. Condor fliegt einmal die Woche von Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München zum Flughafen von Santa Cruz de La Palma; auch von Zürich, Paris, Manchester, London, Brüssel und Amsterdam gibt es wöchentliche Direktflüge. 2019 fertigte der kleine Flughafen knapp 1,5 Millionen Passagiere ab. Dann kam die Coronapandemie und danach der Vulkan. Im vergangenen Jahr, in dem der Vulkan fast drei Monate lang Asche und Lava spuckte, verzeichnete der Flughafen 760 000 Passagiere. Dieses Jahr, glaubt Zapata, werden es mehr als 2019 sein.

Wenn es so käme, wäre das ein kleines Wunder. Denn die Vulkanlava hat nicht nur Wohnhäuser und Bananenplantagen unter sich begraben, sondern auch etliche Hotels und Pensionen. Vor dem Vulkanausbruch hatte La Palma ein Bettenangebot von 16 000, sagt Zapata. Davon steht jetzt ein Viertel nicht mehr zur Verfügung. Ein herber Schlag für die Inselwirtschaft.

Zapata leistet sich trotzdem Optimismus. „Wir haben Tourismuszahlen, wie wir sie uns nicht vorgestellt hatten“, sagt er. „In der Semana Santa, der Karwoche, waren wir beinahe voll, und für den Sommer kündigt sich eine hohe Belegung an. Wobei man bedenken muss, dass unsere Hauptsaison der Winter ist.“ Nun kommen plötzlich Leute in der Nebensaison, im Mai, Juni, Juli.

Vulkan zieht Neugierige an

Vulkantourismus hat es auf der Insel immer gegeben, aber jetzt kann man sich einen eben erst erloschenen Vulkan anschauen und das beeindruckende Lavafeld, das er hinterlassen hat. Vor wenigen Wochen ist eine Piste durch dieses immer noch bis zu 300 Grad heiße Lavafeld geschlagen worden, womit der Nord- und der Südwesten der Insel wieder miteinander verbunden sind; von August an soll diese Piste dann rund um die Uhr befahrbar sein.

La Palma braucht die Touristen. Sie sind, neben den Bananen, die Haupteinnahmequelle. Es sind noch viel zu wenige, findet Präsident Zapata. Noch leben 230 Bewohner, denen der Vulkan ihr Haus genommen hat, in Hotels und ungezählte Andere bei Freunden oder Verwandten. Ihnen wieder ein Heim zu geben, bleibt die dringendste Aufgabe.

Nicht nur die Lava belästigt die Menschen

Gase
Den größten Schaden für den Fremdenverkehr richten bis heute die Gase an, die ausgerechnet in einem der Haupttouristenorte, Puerto Naos, aus dem Untergrund aufsteigen.

Betten
Die Lava hat den Ort, in dem eines der größten Hotels La Palmas steht, zwar verschont, aber Kohlendioxid und Kohlenmonoxid, machen ihn zur Geistersiedlung. 3400 Hotel- und Pensionsbetten sind auf der Insel deshalb nicht in Betrieb. 600 weitere, vom Vulkan zerstörte, sind als „verloren“ registriert.