27 Strecken stellt Zabel-Lehrkamp darin vor: Wanderungen und Erlebnispfade wie den Stuttgarter Sinneswandelpfad oder den Baumwipfelpfad im Schwarzwald. Jede Route beschreibt sie lebendig und markiert darin übersichtlich die wichtigsten Fakten für Eltern: Ist der Weg kinderwagentauglich? Gibt es einen Spielplatz oder eine Grillstelle? Dabei sind die Strecken ebenso für Erwachsene ohne Kinder geeignet – auch die freuen sich womöglich über einen Wasserfall oder einen Badesee auf dem Weg.
Nörgeln vermeiden durch Highlights
Zabel-Lehrkamp erzählt, dass sie und ihr Mann auch schon vor der Familiengründung regelmäßig mit Freundinnen und Freunden wandern waren. Als der Sohn (heute 10) und die Tochter (heute 7) auf der Welt waren, wollten sie das gerne fortsetzen. Wer sich kilometerlange Wanderungen mit Kindern eher anstrengend als erholsam vorstellt, wird von ihr eines Besseren belehrt: „Natürlich gibt es auch in unserer Familie mal Stress, wenn wir unterwegs sind – zum Beispiel, als meine Tochter von einer Wespe gestochen wurde. Es kommt aber fast nie vor.“
Wie sie das macht? Die Sozialpädagogin und Kita-Erzieherin hat einige Tricks auf Lager. Es fange schon dabei an, wie man die Unternehmung nenne: „Wir gehen nicht wandern, sondern machen ein Abenteuer oder erleben etwas.“ In der Vorbereitung sollten Eltern die Kinder einbeziehen, sie selbst die Wege aussuchen lassen und ihnen zum Start der Wanderung die Karte in die Hand geben. Das Wichtigste jedoch: Highlights auf dem Weg. „Wenn ich sage ‚Da vorne ist der Wasserfall‘, dann heißt es nicht ‚Ich kann nicht mehr‘, sondern ‚Wer als erstes da ist!‘“, erzählt sie aus eigener Erfahrung.
Barfuß Klettern und Duschen im Wasserfall erlaubt
Fünf bis sieben Kilometer könnten die meisten Kinder gut schaffen, meint die 39-Jährige. An dieser Länge sind auch ihre Vorschläge im Buch orientiert. „Vor allem bei Erlebnispfaden merken die Kinder oft gar nicht, wie weit sie eigentlich gehen“, sagt sie. Wenn Tiere auf dem Weg zu sehen sind, wie beim Alpaka-Trekking in Untertürkheim, dürfte das einen ähnlichen Effekt haben. Auch zu besonderen Übernachtungen rät sie, zum Beispiel im Baumzelt: „Mein Sohn war davon so begeistert, dass er immer darüber spricht, wenn wir am Bärenbachtal vorbeifahren, wo wir das gemacht haben.“
Wichtig findet Susanne Zabel-Lehrkamp auch, den Kindern nicht zu viel zu verbieten. Ihr Sohn sei schon barfuß Felsen hochgeklettert, ihre Kinder dürften sich dreckig machen und sogar unter Wasserfällen duschen – auch wenn keine Wechselkleidung im Rucksack sei. Eltern, die in dieser Hinsicht sehr vorsichtig sind, sagt sie: „Solche Erlebnisse stärken die Kinder und starke Kinder kommen im Leben besser durch.“ Wer immer schützend die Hände über seine Kinder halte, ziehe sie zu ängstlichen Erwachsenen heran. „Nach einer Wanderung muss man dreckig sein, gelacht haben und hundemüde ins Bett fallen“, findet sie.
Urlaub wird nicht vermisst
Die Mutter sagt, dank der vielen Erlebnisse im Alltag fehle ihren Kindern nichts, obwohl die Familie letztes Jahr nicht in den Urlaub gefahren sei und es auch dieses Jahr nicht vor habe. „Nächstes Wochenende übernachten wir in einer Burg“, erzählt sie, „und letztes waren wir in einem Iglu“. Das führt wohl zum einzigen möglichen Kritikpunkt an Zabel-Lehrkamps Wanderbuch: Im Zusammenhang mit einer Esel-Wanderung auf der Schwäbischen Alb empfiehlt sie die Übernachtung im Tipi, wobei man aus antirassistischer Sicht von kultureller Aneignung sprechen würde – ebenso wie beim Iglu.
Neben ihrem Buch und ihrer Arbeit als Erzieherin betreibt Susanne Zabel-Lehrkamp einen Blog und eine Instagram-Seite unter dem Titel „Ludwigsburg mit Kind“. Hier gibt es neben Wanderungen auch Tipps für Kindergeburtstage, Veranstaltungen, Spielplätze in der Stadt und einiges mehr. Darüber hinaus arbeitet sie zurzeit an ihrem nächsten Projekt mit dem Belser-Verlag. Künftig würde sie gerne Kommunen zur Einrichtung von Erlebnispfaden beraten, erzählt sie auf dem Rückweg vom Wald zur Bushaltestelle. Es wird wohl noch von ihr zu hören sein.