Urlaub in Deutschland 5 Geheimtipps für die Sommerferien

Die Saarschleife bei Mettlach ist fast so beeindruckend wie der berühmte Horseshoe Bend am Colorado River in Arizona. Foto: /Susanne Hamann

Seit Corona boomt Urlaub im eigenen Land. Auch diesen Sommer sind in populären Ferienorten an der Nord- und Ostsee oder in den Alpen die Quartiere knapp. Wir stellen fünf sehenswerte Regionen vor, die man nicht unbedingt auf dem Zettel hat.

Leben: Susanne Hamann (sur)

Stuttgart - Wohin in den Sommerferien? Angesichts steigender Preise und Lebenshaltungskosten bietet es sich an, die Auszeit in der Nähe zu verbringen. Außerdem ist Urlaub in Deutschland wegen der kurzen Anreise besonders nachhaltig. Dabei müssen es nicht immer die Alpen oder die norddeutschen Küstenregionen sein. Auch abseits bekannter Attraktionen lässt es sich prima Urlaub machen: Fünf Geheimtipps für jeden Geschmack.

 

Für Entdecker: das Saarland

Schornsteine recken sich gen Himmel, rostige Rohre verknoten sich zu einem bizarren Labyrinth. Was aussieht wie die Kulisse eines Katastrophenfilms, ist ein stillgelegtes Industriegelände. Ab 1873 schufteten hier Arbeiter, um Kohle zu Koks und Erz zu Eisen zu verhütten. 1994 wurde die Völklinger Hütte von der Unesco zum Weltkulturerbe geadelt und ist seither ein spannendes Ausflugsziel. In Ensdorf steht die Halde Duhamel, ein 150 Meter hoher Berg aus Förderabfall. Ein Weg führt hinauf zum Saarpolygon. Das Denkmal aus Stahl symbolisiert den Wandel der Region. Mettlach punktet mit Natur: hier windet sich die Saar um 180 Grad. Und wer Kaiser Wilhelms Nachttopf sehen will, besucht die Firma Villeroy und Boch.

www.urlaub.saarland, www.voelklinger-huette.org, https://tourist-info.mettlach.de/

Für Geschichtsinteressierte: Das Eichsfeld in Thüringen

Zu DDR-Zeiten lag die Region Eichsfeld direkt an der Mauer. Gleich zwei Museen erinnern an ein trauriges Kapitel der deutsch-deutschen Geschichte. Beste Aussichten bietet die Ruine der Burg Hanstein. Rennsportfans dürften den Namen kennen: Fritz Huschke von Hanstein fuhr für Porsche. Im nahen Mühlhausen findet man ein sehr gut erhaltenes mittelalterliches Stadtensemble. Hier stehen allein zehn gotische Kirchen – in einer davon wirkte Johann Sebastian Bach als Organist. In St. Marien predigte der Reformator Thomas Müntzer. Wem nach so viel Historie der Sinn nach Grün steht, besucht den Nationalpark Hainich. Im Baumkronenpfad kann man dem Unesco-zertifizierten Urwald buchstäblich aufs Dach steigen.

www.thueringen-entdecken.de, www.grenzmuseum.de, www.nationalpark-hainich.de

Für Seeleute: Das Emsland

Im Westen Niedersachsens kann man was erleben: Birkenwälder, Blumenwiesen, wollgrasgesäumte Tümpel und mittendrin ein Kreuzfahrtschiff. In Papenburg im Emsland steht die Meyer Werft. Dort kann man zusehen, wie ein Luxusliner entsteht – nämlich scheibchenweise vertikal, als spielte man mit riesigen Legosteinen. Dass Papenburg überhaupt einen Hafen hat, verdankt die Stadt Dietrich von Velen. Der Gesandte des Hochstifts Münster holte einst Siedler, um das Moor abzubauen, aus dem Brennstoff hergestellt wurde. Holzkähne übernahmen den Abtransport. Bald bauten die Papenburger ihre Schiffe selbst. Um 1850 gab es mehr als 20 Werften, heute ist noch die eine übrig. Das hübsche Städtchen erinnert mit seinen Kanälen und Klappbrücken an die Niederlande. Im Stadtpark gibt es eine Windmühle. Erkunden kann man das platte Land auf stolzen 3500 Kilometern Radwegen.

www.papenburg-marketing.de, www.emsland.com, www.meyerwerft.de/de/index.jsp

Für Bewegungsfreudige: Das Chiemgau

In der Luft liegt der Duft von blühenden Bergwiesen, den Soundtrack liefern Kuhglocken und Murmeltierpfiffe. Der Blick schweift weit über die Chiemgauer Alpen. Der 1808 Meter hohe Geigelstein gilt als „Gipfel der Biodiversität“, denn hier wachsen und gedeihen seltene Tiere und Pflanzen wie Türkenbund und Schnee-Enzian, Steinadler und Bergsalamander. Dem Berg liegen die Dörfer Sachrang und Schleching zu Füßen. Hier kann man „echt“ Urlaub machen: Gastgeber tischen auf, was Bauern, Jäger und Müller von nebenan liefern. In alle Richtungen führen Touren für Senioren und Familien, für Kletterfexe und Genusswanderer. Wasserfälle laden ein zum Abkühlen, Almen zum Einkehren, Kapellen zum Innehalten.

www.chiemsee-chiemgau.info, www.chiemsee-alpenland.de, www.bergsteigerdoerfer.org

Für Naturverbundene: Biosphärengebiet Schwäbische Alb

Vom Albvorland über den Albtrauf und die Hochfläche bis an die Donau erstreckt sich das Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Das rund 850 Quadratkilometer große Unesco-zertifizierte Gebiet umfasst 29 Städte und Gemeinden und glänzt mit Streuobstwiesen, Hang- und Schluchtwäldern. Manufakturen, Museen und Ausstellungen empfangen Besucher. Wanderwege führen durchs Gelände, zu Urviechern, die den alten Steinbruch Gerhausen beweiden, in den Garten von Albschnecken-Retterin Rita Goller und zu Hüteschäferin Johanna von Mackensen, Gründerin der Marke „Albgemacht“.

www.schwaebischealb.de, www.biosphaerengebiet-alb.de, www.albgemacht.de

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