Urlauber droht Stauwochenende Stillstand in Richtung Süden

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Vor dem Stauwochenende des Jahres gibt der ADAC gute Ratschläge. Fraglich ist, ob sie zu den Autofahrern durchdringen.

Nichts geht mehr: Zum Ferienbeginn werden viele Autofahrer im Stau stehen. Foto: dpa
Nichts geht mehr: Zum Ferienbeginn werden viele Autofahrer im Stau stehen. Foto: dpa

München - Es wird, so warnt der ADAC, das schwärzeste Reisewochenende des Jahres. Die in Baden-Württemberg und Bayern beginnenden Sommerferien lösen aller Erfahrung nach einen unmittelbaren Drang nach Süden aus; praktisch ist nun ganz Deutschland unterwegs, und aus den Niederlanden schwappt auch noch die zweite Reisewelle herüber. Der ADAC rät: Verschieben Sie, wenn Sie fahren und nicht stehen wollen, Ihre Reise auf Montag oder Dienstag.

Wer über die Alpen will, den erwarten in Tirol und in Salzburg seit Anfang Juli einige Fahrverbote. Das heißt praktisch: Die großen Durchzugsrouten (Inntal-, Brenner-, Tauernautobahn) bleiben offen, gesperrt werden aber Nebenstraßen, die bisher bei Navis und allzu ungeduldigen Autofahrern als Ausweichrouten aus der Stauhölle beliebt waren. In den meisten Fällen handelt es sich um schmale, kurvige, steile Ortspassagen und Bergstrecken, die allein von ihrer Kapazität her den Massenverkehr gar nicht aufnehmen können, und die deshalb bei immer noch zunehmendem Verkehr in den vergangenen Monaten und Jahren mindestens genauso zur Staufalle geworden sind wie die Autobahnen.

Ausweichen bringt nur selten einen Vorteil

Ganz allgemein sagt der ADAC: Bei einem Stau auf Landstraßen ausweichen zu wollen, bringe generell nur selten einen Vorteil. Allenfalls ab einem Autobahnstau von zehn Kilometern Länge aufwärts und bei Totalsperre einer Autobahn – aber dann werden Umleitungsstrecken sowieso behördlich ausgewiesen.

Österreich hat es bei offenbar allen Herstellern von internetbasierten Navis inzwischen geschafft, dass die gesperrten Ausweichrouten gar nicht mehr auf dem Display aufblinken.

„Heiße“ Knotenpunkte vor allem für Urlauber aus Baden-Württemberg sind: erstens die Strecke Füssen-Reutte-Fernpass. Hier ist für alle Durchreisenden die Abfahrt von der Bundesstraße und das Ausweichen durch den Markt Reutte verboten. Zweitens: die ohnehin überlastete Inntal-Brenner-Strecke. Baustellen zwischen Innsbruck und Passhöhe (auf der Europabrücke und hinter Matrei) verengen außerdem die Fahrbahn. Als einzige Ausweichstrecke – mautfrei – bleibt die Brenner-Bundesstraße mit allerdings nur einer – kurvigen – Fahrbahn pro Richtung.

Sehr eng wird es auch in Richtung Kroatien

Sehr eng wird es laut ADAC und Bundesland Salzburg auch in Richtung Kroatien: Die Chiemsee-Autobahn ist ab Rosenheim immer noch zweispurig, und dann gibt es bei Salzburg die üblichen Verschlingungen jener Autoschlange, die über den Tauerntunnel nach Süden will, mit der anderen, die in Richtung Linz-Wien vorankriecht. Die Aussichten für die Rückreise sind keineswegs erfreulicher: Am Salzburg-Freilassinger Grenzübergang Walserberg kontrolliert die Bundespolizei. Zwar hat Bayern den Österreichern, bei denen vor allem die Berufspendler unter kontrollbedingtem Ganzjahres-Stau leiden, eine zusätzliche Abfertigungsspur bis Ende Juli versprochen. Es liegt aber bis heute kein Einweihungstermin vor.

ADAC und andere Stauexperten raten zu frühmorgendlichem oder gar nächtlichem Aufbruch, sowie zu fatalistischem Mitschwimmen im Strom. Wenn jeder sein eigenes Tempo fahren will, so zitiert die „Süddeutsche Zeitung“ den Duisburger Verkehrsforscher Michael Schreckenberg, wird der Stau noch schlimmer. Der einzelne Drängler und Spurwechsler meint zwar Meter zu machen, er zwingt aber alle, die nach ihm kommen zum Bremsen, Wiederbeschleunigen, Ausweichen. Es setze, sagt Schreckenberg, ein Schmetterlingseffekt ein.

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