Urlaubsparker in Plieningen und Degerloch Alle Ferien wieder

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Im Rahmen unserer Parkserie haben sich einige Leser gemeldet, die über Urlaubsparker in ihren Wohngebieten klagen. Dies war bisher vornehmlich in Plieningen ein Problem, nun wohl aber auch in Degerloch.

Ob dieser Autobesitzer wohl in Plieningen wohnt oder derzeit im Urlaub ist? Foto: Sägesser
Ob dieser Autobesitzer wohl in Plieningen wohnt oder derzeit im Urlaub ist? Foto: Sägesser

Plieningen/Degerloch - Die Plieninger sind das Leid bereits gewohnt: nämlich die Krux mit den Urlaubsparkern, die ihr Auto während der Ferien im Wohngebiet abstellen, um sich die Gebühren fürs Parken am Flughafen zu sparen, und dann mit dem Bus zum Airport fahren. Zwar gibt es mittlerweile neben den Parkhäusern auch viele kleinere Firmen, auf deren Flächen man sein Auto abstellen und sich dann zum Flughafen fahren lassen kann. Trotzdem scheint es immer noch genügend Sparfüchse zu geben, für die es gar nichts kosten soll.

Dennis Mayer, gebürtiger Plieninger und Kommandant der Plieninger Feuerwehr, kann davon viel erzählen. „In den vergangenen Jahren ist es immer schlimmer geworden“, sagt er, „natürlich am massivsten zur Ferienzeit, in den Sommerferien“. Mayer ist es sogar schon einmal passiert, dass ein Taxifahrer ihn nachts um vier Uhr aus dem Schlaf geklingelt hat. „Der wollte Urlauber abholen und zum Flughafen fahren – weil es gerade geregnet hat, saßen die aber in ihrem Auto und haben das Taxi gar nicht gesehen.“ Was Lösungsansätze angeht, so sagt Mayer: „Es ist zwar sehr ärgerlich, wenn die Anwohner keinen Parkplatz finden. Aber irgendwie ist man auch machtlos.“ Er will sich mit der Problematik dennoch noch einmal an den Bezirksbeirat wenden.

Die Urlaubsparker sind jetzt auch in Degerloch

Mittlerweile hat sich das Problem bis nach Degerloch ausgeweitet. Heike Klett, die in der Nähe der Reutlinger Straße, also im Ortszentrum Degerlochs, wohnt, beobachtet in ihrem Wohngebiet regelmäßig Autos mit fremden Kennzeichen , die dort über mehrere Wochen lang stehen. „Momentan steht ein Auto mit Heilbronner Kennzeichen seit zweieinhalb Wochen vor unserem Haus“, erzählt sie. Nicht nur das: Weil der Fahrer auch noch recht ungeschickt geparkt hat, benötigt er die Stellfläche von zwei Parkplätzen – und nimmt den Anwohnern damit noch mehr Platz weg. Besonders in den Sommerferien ist das kein Einzelfall. „Es ist wirklich sehr nervig“, sagt Klett. „Am Flughafen gibt es auch Parkplätze. Da gehören die Autos hin – nicht ins Wohngebiet.“ Etwa 11 000 Parkplätze gibt es am Flughafen. Auf der Internetseite des Flughafens wirbt die Firma Apcoa, die die Parkhäuser betreibt, mit Angeboten ab 34 Euro pro Woche. Am Flughafen gebe es genügend Parkplätze – man könne eben niemanden zwingen, sie auch zu benutzen, sagte ein Flughafensprecher 2014 zum selben Thema. Daran hat sich wohl nichts geändert.

Ein Anwohnerparksystem müsste der Gemeinderat auf den Weg bringen

In Leinfelden-Echterdingen gibt es in einigen betroffenen Wohngebieten eine Anwohnerparkregelung: Die Anwohner haben einen Parkausweis. Ohne einen solchen darf man sein Auto nur zwei Stunden hier abstellen – für Urlauber also nicht geeignet. Für Plieningen und Degerloch sind solche Modelle bisher nicht vorgesehen. Anwohnerparksysteme wie das Parkraummanagement in der Innenstadt müssten vom Gemeinderat auf den Weg gebracht werden. Allerdings stellen sich die Probleme für die Verwaltung wohl nicht so dringlich dar wie für die Anwohner: „Bei uns gab es den ganzen Sommer keine Beschwerden über Urlaubsparker“, sagt die Bezirksvorsteherin Andrea Lindel. Auch der Plieninger Betreuungsstadtrat Carl-Christian Vetter hält die Lage für „nicht so dramatisch“. Große Probleme könne er nicht beobachten.

Nach wie vor gibt es die Internetseiten, auf denen sparwilligen Flughafenbesuchern geraten wird, in Plieningen im Wohngebiet zu parken, statt im teuren Parkhaus. Das hat auch Andrea Lindel jüngst unserer Zeitung berichtet. Unter den Plieningern scheint aber auch der Frust zu wachsen, was diese Unsitte angeht: Auf dem Internetportal www.geizkragen.com schrieb etwa vor zwei Monaten der User JotZet: „Ich hatte letztens mein Auto in Plieningen eine Woche lang abgestellt. Als ich zurückkam, war ein Reifen platt gestochen und der Kotflügel zerkratzt. Eine Anzeige hat nichts gebracht. Nächstes Mal parke ich lieber auf einem überwachten Parkplatz und zahle ein paar Flocken.“ Darauf erwidert ein User namens 8848: „Wundert es dich? Auch wenn ich Kratzer als Rache nicht befürworte, noch weniger befürworte ich kostenloses Parken während des Urlaubs auf eh schon knappen Parkplätzen in der Flughafenumgebung. Wer schon mit dem Auto zum Flughafen fährt, soll auch fürs Parken bezahlen.“

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