Urnengräber für Weil der Stadt Eine neue Bestattungskultur zieht ein

Susanne Widmaier und Margit Dürr (von links) sind dabei, als die neuen Urnenwände ­aufgestellt werden. Foto: factum/Granville
Susanne Widmaier und Margit Dürr (von links) sind dabei, als die neuen Urnenwände ­aufgestellt werden. Foto: factum/Granville

Die Stadt schafft fünf weitere Urnenwände an. Bald könnten außerdem die Gebühren steigen.

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Weil der Stadt - In der „allertrauervollsten Nacht“ der Stadtgeschichte finden die Bürger Weils dennoch einen Ort der Ruhe, des Friedens, der Stille. Es ist der 19. Oktober 1648 – vier Tage, bevor die Unterschriften für den Westfälischen Frieden den grauenvollen Dreißigjährigen Krieg beenden – stürmen französische Truppen das freie Reichsstädtchen und zünden die komplette Stadt an. Rauchende Trümmer, verkohltes Gebälk, beizender Brandgeruch, die Bürger verbringen die folgende Nacht unter freiem Himmel auf dem Friedhof vor der Stadt.

Ursprünglich hatte sich dieser Gottesacker direkt neben der großen Stadtkirche St. Peter und Paul befunden. Aber die ­großen mittelalterlichen Pestepidemien machten es notwendig, den Friedhof nach außerhalb, vor die Stadttore, zu verlegen. Und die Bestattungskultur ändert sich ­weiter. Fünf weitere Urnenwände lässt die Stadt derzeit an der Südmauer aufstellen. „Wir beobachten einen Trend zu Urnenbestattungen“, erklärt die Erste Beigeordnete Susanne Widmaier, als sie die große Aufstellaktion begutachtet. Drei Tage lang hatte die Stadt die Südumfahrung halbseitig ­gesperrt, damit ein Kran die fertigen, bis zu acht Tonnen schweren Elemente über die Mauern auf den Friedhof ­lupfen konnte. Fünf solcher Wände hat die Stadt angeschafft, jeweils 40 Kammern sind darin untergebracht. Drei bis fünf Urnen finden in jeder Kammer Platz.

Die ersten Urnenwände kamen 2002

Schon seit 2002 gibt es in Weil der Stadt diese Art der Bestattung. Wände mit 232 Kammern hatte die Stadt damals angeschafft, die seitdem fast vollständig belegt sind. „Voll sind sie noch nicht, aber ein ­weiteres halbes Jahr hätten wir nicht mehr warten können“, berichtet Margit Dürr, die das Projekt im Stadtbauamt leitet.

Schon im vergangenen Jahr hatte daher der Gemeinderat eine Besichtigungsfahrt zu Anbietern solcher Urnenwände unternommen. Die bisherigen Wände von 2002 waren nämlich relativ teuer, erklärt Susanne Widmaier. „Wir haben uns daher alternative Angebote angeschaut“, sagt sie. „Am Ende war der Gemeinderat so mutig, einen anderen Anbieter zu nehmen.“

147 000 Euro kosten die fünf Wände, die aus Beton gegossen fertig angeliefert werden. „Das ist eingefärbter ­Beton“, erklärt Margit Dürr. „Es war uns wichtig, dass sich die Wände an den Bestand anpassen.“ ­Darauf kommen dann Granitplatten, allesamt aus Fair-Trade-Produktion.

Genau 1123 Euro muss dann berappen, wer eine Kammer für bis zu drei Urnen für eine Zeitspanne von 30 Jahren mieten will. „Wobei wir die Friedhofsgebühren derzeit neu kalkulieren“, gibt die für die Stadtkasse verantwortliche Erste Beigeordnete Widmaier bei dieser Gelegenheit bekannt. Denn derzeit kann die Stadt nur etwa die Hälfte der Kosten, die die fünf Friedhöfe aktuell verursachen, durch die Gebühren decken. Für die Stadtverwaltung ist das ­offenbar deutlich zu wenig.

Rat entscheidet über Gebührenerhöhung

Nahezu alle städtischen Steuern und Gebühren hat der Gemeinderat in den ­vergangenen Jahren erhöht, nun sind ­demnächst die Bestattungsgebühren dran. Eine externe Firma ermittelt derzeit in städtischem Auftrag eine neue Gebührentabelle, der Gemeinderat muss diese dann beschließen.

Aber nicht nur die Gebühren werden sich dann verändern. Denn die Urnenwände in Weil der Stadt sind nicht die einzige Antwort der Stadt auf die sich wandelnde Bestattungskultur. „Für den Merklinger Friedhof wollen wir Urnenstelen anschaffen“, verkündet Widmaier, und wird dann noch grundsätzlicher: „Der Gemeinderat möchte sich auch ganz neuen Bestattungsformen öffnen“, sagt sie.

Dabei denkt sie an eine Art Friedwald, also die Urnenbestattung unter den zahlreichen Bäumen auf den Weil der Städter Friedhöfen. Oder Rasen-Urnengräber, bei denen dann nur der Grabstein zu sehen bleibt. „Wir hoffen, dass wir das im kommenden Jahr umsetzen können“, sagt die Erste Beigeordnete.




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