Ursula-Mathes-Haus in Renningen Auch im Alter immer in Gesellschaft

Von Kathrin Klette 

Das Ursula-Mathes-Haus der Bürgerstiftung ist fertig. Im März ziehen die ersten Mieter ein.

Feierliche Eröffnung: Neben den Wohnungen besitzt das Haus noch einen Gemeinschaftsraum, in dem die Bewohner zusammenkommen können. Foto: factum/Simon Granville
Feierliche Eröffnung: Neben den Wohnungen besitzt das Haus noch einen Gemeinschaftsraum, in dem die Bewohner zusammenkommen können. Foto: factum/Simon Granville

Renningen - Die Mieter sind gefunden, den Gemeinschaftsraum samt Küche schmückt bereits ein hübscher Weihnachtsbaum: Am Mittwochabend hat die Bürgerstiftung Renningen gemeinsam mit Gästen die Fertigstellung des Ursula-Mathes-Hauses an der Alten Bahnhofstraße gefeiert. Die neuen Bewohner werden ab dem 1. März einziehen.

Das Ursula-Mathes-Haus ist in vielerlei Hinsicht ein einzigartiges Projekt. Die Renningerin, nach der das Haus benannt ist, bat eines Tages um ein Gespräch mit der Renninger Bürgerstiftung, die im Ort soziale Projekte, Vereine und Schulen unterstützt. Sie hatte keine Familie und wollte daher ihren Besitz, ihr Haus und ihr Grundstück der Stiftung vermachen, berichtet der Stiftungsvorsitzende und Renninger Alt-Bürgermeister Bernhard Maier. Nur wenige Wochen darauf verstarb sie – und die zu diesem Zeitpunkt gerade mal vier Jahre alte Bürgerstiftung sah sich einer ganz neuen Dimension an Aufgaben gegenüber: vom Antreten des Erbes über die Haushaltsauflösung bis hin zu der Frage, wie dieses große Geschenk im Sinne seiner Spenderin eingesetzt werden könnte.

„Frau Mathes war eine einsame Frau“

„Uns wurde bei unserer Arbeit eines klar: Frau Mathes war eine einsame Frau und mit der Pflege ihres Grundstücks überfordert. Man kann sogar sagen: Sie war verzweifelt“, umschreibt es Bernhard Maier. Die Stiftung beschloss daher, im Andenken an das Schicksal von Ursula Mathes, auf ihrem Grundstück ein neues Haus zu bauen, das in seiner Funktion in der Umgebung einmalig ist: Das Mehrfamilienhaus für neun Parteien ist keine betreute Wohnanlage. Es ist ein Haus, das an Senioren vermietet wird, die noch für sich selbst sorgen können und wollen, die aber zum Beispiel mit der Pflege eines großen Hauses, vielen Treppen oder Hausmeisterpflichten überfordert sind. Und die die Gemeinschaft mit anderen suchen.

„Wir wollen mit diesem Projekt der Vereinsamung im Alter vorbeugen“, so Maier. Aus diesem Grund besitzt das Haus einen großen Gemeinschaftsraum samt Küche, in dem die Bewohner auch mal zusammenkommen können, um gemeinsam etwas zu unternehmen. „Dieses Haus soll von der Gemeinschaft leben.“ Dass dieses Konzept ankommt, zeigt die Zahl der Anfragen. 30 Stück waren es. Und auch wenn einzelne von selbst entschieden, dass das Konzept doch nicht so ganz zu ihnen passt, so musste die Bürgerstiftung am Ende doch einige Bewerber abweisen.

Eigenes Büro für die Bürgerstiftung

Außerdem bietet das Ursula-Mathes-Haus noch Platz für ein Büro für die Bürgerstiftung und deren neue Verwalterin. Das Verwalten dieser großen Erbschaft, dazu die Vermietung, war von den ehrenamtlichen Stiftungsmitgliedern nicht mehr leistbar. Auch die Aktion Notnagel, eine weitere wohltätige Initiative in Renningen, kann das Büro nutzen.

Besonders freut sich der Alt-Bürgermeister, dass beim Bau alles so gut geklappt habe. Die Fertigstellung erfolgte noch vor dem angestrebten Termin, auch die Baukosten, angesetzt auf rund zwei Millionen Euro, sind im vorgegebenen Rahmen geblieben – beides keine Selbstverständlichkeit. „Die Hülle steht. Jetzt hoffen wir natürlich, dass der Geist, der hier einzieht, zu dem passt, was wir uns für dieses Haus vorgestellt haben.“ Und dass so das Vermächtnis von Ursula Mathes gewahrt bleibt.