Urteil der DOSB-Ethikkommission Glattstrich für Alfons Hörmann

Denkt DOSB-Boss Alfons Hörmann über einen vorzeitigen Rückzug nach? Foto: dpa/Ina Fassbender

Nach den schwerwiegenden Vorwürfen aus den Reihen der Belegschaft des Deutschen Olympischen Sportbundes geht auch die DOSB-Ethikkommission mit Alfons Hörmann hart ins Gericht. Unser Autor Jochen Klingovsky ist sicher, dass dies den DOSB-Präsidenten hart treffen wird.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Frankfurt/Main - Es gab durchaus Skeptiker, die befürchtet hatten, Thomas de Maizière könnte seinem langjährigen Weggefährten einen Freundschaftsdienst erweisen. Nachdem die vom früheren Bundesinnenminister geführte Ethikkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) nun ihr Urteil im Fall Hörmann gesprochen hat, lässt sich sagen: Die Bedenken haben sich erübrigt. Weil das Gremium mit dem DOSB-Präsidenten hart ins Gericht gegangenen ist.

 

Gegen Alfons Hörmann waren in einem anonymen Brief im Namen vieler DOSB-Mitarbeiter schwerwiegende Vorwürfe erhoben worden, die darin gipfelten, der Führungsstil des Allgäuers habe im Verband zu einem „Klima der Angst“ geführt. Vier Wochen lang ging die Ethikkommission den Anschuldigungen nach, führte viele Gespräche mit unmittelbar Beteiligten. Mit dem Ergebnis, dass einige detaillierte Beschwerden weitgehend entkräftet worden sind, zum Beispiel die Behauptung, Hörmann habe mit Stiften nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geworfen. Zugleich aber übte auch die Ethikkommission („So kann es nicht weiter gehen“) deutliche Kritik an den Führungsqualitäten von Hörmann. Dieses Defizit habe sich nach innen bemerkbar gemacht – aber auch nach außen.

Lesen Sie hier: So beurteilt die Ethikkommission den Fall Hörmann

So kommt es einem Glattstrich gleich, wenn de Maizière dem DOSB attestiert, zum Internationalen Olympischen Komitee, zum Innenministerium sowie zu Teilen seiner Spitzen- und Landesverbände ein gestörtes Verhältnis zu haben. Für Hörmann muss sich das anhören, als habe er in den siebeneinhalb Jahren an der Spitze des DOSB so ziemlich alles falsch gemacht. Weil das Selbstverständnis des Spitzenfunktionärs ein ganz anderes ist, wird diese Einschätzung der Ethikkommission für ihn nur schwer zu verkraften sein. Es wäre keine Überraschung mehr, wenn Hörmann spätestens jetzt intensiv darüber nachdenkt, vorzeitig abzudanken.

Weitere Themen