Urteil im Polizistenmord von Kusel Zwei Menschenleben für 22 Rehe

Das Entsetzen über die grausige Tat ist nach wie vor groß, die Anteilnahme gewaltig. Foto: dpa/Harald Tittel

Die Strafe für den Polizistenmörder von Kusel ist angemessen. Doch die Tat bleibt unbegreiflich – und wirkt wie aus einem vergangenen Jahrhundert.

Kriminalität, Sicherheit und Justiz: Jürgen Bock (jbo)

Es klingt wie eine Geschichte aus einem längst vergangenen Jahrhundert. Wilderer machen einen Wald unsicher, erlegen bei Nacht und Nebel Rehe und Hirsche. Doch das, was dann folgt, hat mit halbromantischen Erzählungen aus alten Heldengeschichten nichts mehr zu tun. Denn bei einer Polizeikontrolle drohen die beiden Männer aufzufliegen. Einer von ihnen schießt – und tötet eine junge Polizistin und ihren kaum älteren Kollegen. Die ganze Nation ist entsetzt über diesen Gewaltausbruch – mit Ausnahme einiger Wahnsinniger, die im Internet noch Beifall klatschen.

 

Version der Notwehr unglaubwürdig

Dementsprechend ist die Strafe, die das Landgericht Kaiserslautern jetzt ausgesprochen hat, konsequent. Der Schütze muss lebenslang hinter Gitter, zudem hat es die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Er wird also nicht nach 15 Jahren oder früher automatisch in die Freiheit entlassen. Seine Version, quasi in Notwehr gehandelt zu haben, war völlig unglaubwürdig. Die Tat kommt einer Hinrichtung gleich und weist diverse Mordmerkmale wie das Vertuschen einer Straftat und Heimtücke auf.

Wieder lebendig werden die beiden Getöteten durch das Urteil nicht. Es bleibt unfassbar, warum 22 geschossene Rehe und Hirsche zwei Menschenleben gekostet haben. Die Entscheidung des Gerichts bringt aber die höchstmögliche Strafe für eine Tat, bei der Polizisten einmal mehr zu Freiwild geworden sind.

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