Freiburg - Nüchtern betrachtet ist die vor dem Freiburger Landgericht verhandelte Tat eine Sexualstraftat, von denen die Kriminalstatistik für 2018, das Jahr der Tat, 9234 auflistet. 2017 waren es noch 11282. Für das zurückliegenden Jahr 2019 listet die Statistik des Bundeskriminalamtes 9426 Vergewaltigungen und schwere sexuelle Nötigungen auf. Es mag zynisch klingen, aber es ist Alltagsgeschäft für deutsche Gerichte, über Taten, die wie diese zu Anklagen führen, Recht zu sprechen. Aber um es auch deutlich zu sagen: Jede Tat ist eine zu viel. Denn es geht dabei nie um sexuelle Lust. Es geht darum, Frauen zu erniedrigen, Macht über sie auszuüben und nicht selten, eine falsch verstandene Männlichkeit auszuleben.
Die Tat ist monströs
Die Gruppenvergewaltigung von Freiburg hat die Stimmung im Land aufgeheizt. Und es fällt ja auch schwer, sich dem Geschehen nüchtern anzunähern. Es mutet monströs an. Und es war nicht das erste aufsehenerregende Verbrechen, das Freiburg erschüttert. 2016 war eine Studentin von einem Asylbewerber ermordet worden. Die Herkunft der Täter macht es leicht, die Taten zu instrumentalisieren.
Denn was in der Debatte stets mitschwingt, ist die Frage: Begehen jugendliche Asylsuchende mehr Sexualstraftaten als deutsche Jugendliche? Wie sicher ist Deutschland? Manchem geht es nicht um einen angemessenen Urteilsspruch, sondern um eine Abrechnung mit der Asylpolitik und der Migrationsbewegung des Sommers vor fünf Jahren. Freiburg ist da nur Mittel zum Zweck.
Strafe und Prävention
Aber gerade weil die Stimmung so aufgeheizt ist, ist es notwendig, den Fall nicht emotional sondern nüchtern zu betrachten und klar zu analysieren, was an ihm über die konkrete Tat hinausweist. Ja, jugendliche Flüchtlinge sind häufiger unter den Tatverdächtigen bei Sexualstraftaten vertreten als deutsche Jugendliche. Kriminologen weisen jedoch darauf hin, das liege daran, dass es unter den Asylsuchenden deutlich mehr Jugendliche gibt als unter der deutschen Wohnbevölkerung. Es wäre also vermessen, auszublenden, dass es eine Form toxischer Männlichkeit gibt, die mit der Sozialisation in einer patriarchalen, in Deutschland nicht mehr gesellschaftsfähigen Kultur zusammenhängt. Das zu thematisieren und dagegen schon allein aus Gründen der Prävention anzukämpfen, ist wichtig, um die Debatte nicht den Rechten zu überlassen.
Keine pauschale Verurteilung
Eine Untersuchung des Bundeskriminalamtes sagt übrigens, dass es sich bei Gruppenvergewaltigung nicht um ein neues Phänomen handelt. Die Zahl der Fälle schwankt seit den 1990er Jahren zwischen 300 und 600. Die Täter sind zu Hälfte Deutsche. Das macht solche Taten nicht weniger abstoßend. Es hilft den Opfern kein bisschen. Aber es könnte helfen, die Tat einzuordnen. Denn die Zahlen sagen auch, dass 99,98 Prozent der Flüchtlinge keine Sexualstraftat begehen. Die Wut muss sich also auf die konkreten Straftäter richten, nicht aber pauschal auf eine Bevölkerungsgruppe. Zugegeben: nicht immer ist das eine leichte Übung.