Urteil in Ludwigsburg Gefängnis für nächtliche Diebestouren

Von Susanne Mathes 

Zwei Männer gehen nachts von Korntal-Münchingen aus auf Tour und stehlen Paletten und Gitterboxen von ungesicherten Firmengeländen in der ganzen Region. Die Weiterverwertung übernehmen andere. Doch dann kommen ihnen die Ermittler auf die Schliche.

Die Diebe stahlen Paletten von Betriebsgeländen. Auch Gitterboxen waren begehrte Beute. Foto: dpa/Felix Kästle
Die Diebe stahlen Paletten von Betriebsgeländen. Auch Gitterboxen waren begehrte Beute. Foto: dpa/Felix Kästle

Ludwigsburg - Tränenreich bat der 27-Jährige, als er nach dem Urteilsspruch in Handschellen abgeführt werden sollte, die Richterin am Ludwigsburger Amtsgericht, noch einmal kurz seine zwei und drei Jahre alten Kinder sehen zu dürfen. Er durfte nicht – seine Familie muss ihn im Gefängnis besuchen. Der Mann aus Korntal-Münchingen muss wegen gewerbsmäßigen Diebstahls in mehreren Fällen für zwei Jahre und zwei Monate hinter Gitter. Ein 30-Jähriger, der an den meisten der Taten beteiligt war, muss noch einen Monat länger in Haft.

Beide Männer stammen aus Bulgarien. Der 27-Jährige zog aber schon als Jugendlicher mit seiner Familie nach Frankreich, 2016 dann nach Deutschland. Der 30-Jährige lebte zuvor in Italien. Die Suche nach Arbeit war in beiden Fällen der Beweggrund für den Weggang aus der Heimat. Der 27-Jährige hatte, seit er hier lebt, tatsächlich fast durchgehend Beschäftigung – auf dem Bau, in der Automobil-Zulieferindustrie und bei einer Reinigungsfirma. Der 30-Jährige spricht kein Deutsch und blieb ohne Job. Unterschlupf fand er bei seinem Kumpel in Korntal-Münchingen.

Der Wert des Diebesgutes ging oft in die Tausende

Um ihre Finanzen aufzubessern, gingen die beiden – manchmal auch mit weiteren Tätern, denen gesondert der Prozess gemacht wird – seit November 2019 auf nächtliche Diebestour. Die Vorgehensweise war immer ähnlich: Sie fuhren nahe an Autobahnen oder Bundesstraßen gelegene, ungesicherte Firmengelände ab und stahlen Europaletten und Gitterboxen. Der Wert des Diebesgutes ging in die Hunderte, oft in die Tausende – etwa bei einer Firma in Neuendau, wo die Männer Ware im Wert von rund 8200 Euro aufluden.

Die Paletten und Gitterboxen brachten sie zu einem alten Ziegeleigelände am Markgröninger Stadteingang. Dort fand die Beute Abnehmer – für vier Euro pro Palette und bis zu 40 Euro pro Gitterbox – „und ist dann mutmaßlich in den Palettenhandel eingeflossen“, wie der Kriminalhauptkommissar, bei dem in der Ermittlung die Fäden zusammenliefen, sagte. Ein Kollege aus Schwieberdingen hatte ihn über die Serie von Palettendiebstählen informiert; bei einer Schwieberdinger Firma hatten Überwachungskameras den Klau dokumentiert. Den Tätern kam die Polizei schließlich durch verdeckte Observationen auf die Schliche.

Seit März in Untersuchungshaft

Am 15. März 2020 ließen die Ermittler die Diebe hochgehen: Sie verfolgten einen Diebstahl verdeckt und nahmen die Täter danach fest. Seitdem saßen sie in Untersuchungshaft. Die beiden Angeklagten räumten die Taten ein und baten um Verzeihung. Er sei so dankbar, dass er in Deutschland arbeiten und leben dürfe, und er habe schon die Zusage, wieder einen Job zu bekommen, beteuerte der 27-Jährige. „Ich habe nie etwas mit der Polizei zu tun gehabt, es war ein einmaliger Fehler.“ Seine Frau und seine Kinder bräuchten ihn, und er brauche seine Familie. Er wolle alles wieder gut machen.

Die Anwälte der Männer hatten auf Strafen unter zwei Jahren plädiert, sie hätten dann zur Bewährung ausgesetzt werden können. Doch das, da waren sich Staatsanwalt, Richterin und Schöffen einig, kam nicht in Betracht. Dazu seien die Taten zu schwerwiegend und dreist gewesen – und der Schaden zu groß. „Der Schaden ist groß, aber der Gewinn war klein. Den meisten Reibach haben wohl die Hehler gemacht, die sich der Freiheit erfreuen, während unsere Mandanten in Haft sitzen“, kommentierte der Verteidiger des 30-Jährigen. „Es war wenig Ertrag, keine Frage“, sagte die Richterin in der Urteilsbegründung. Doch die Männer hätten die Taten sehenden Auges begangen – und sich der Konsequenzen bewusst sein müssen. Reue, Geständnisse und bisherige Unbescholtenheit könnten das nicht aufwiegen.




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