Urteil in Stuttgart Drei Jahre Haft für Millionendiebin

Am Landgericht ist das Urteil gegen die Millionendiebin gefallen. Foto: IMAGO//TOBIAS STEINMAURER

Eine Frau packt bei einer Geldtransportfirma Geld in eine Sporttasche und flüchtet damit. Tat sie das alles aus Liebe?

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Wegen besonders schweren Diebstahls hat das Stuttgarter Landgericht am Montag eine 42 Jahre alte Frau zu drei Jahren Haft verurteilt. Sie hatte ein umfassendes Geständnis abgelegt und den Behörden geholfen, den Fall ganz aufzuklären – dadurch konnten zwei mutmaßliche Komplizen gefasst werden. Hätte sie das nicht getan, wäre sie wohl für fünf bis sechs Jahre im Gefängnis gelandet, betonte der Richter.

 

Die Flucht führt über Wien nach Serbien

Mit 1,25 Millionen Euro im Gepäck verließ die heute 42-Jährige ihren Arbeitsplatz, die Stadt, das Land. Von Wien aus wurde sie für 5000 Euro auf den Balkan geschleust. Dort packte sie das schlechte Gewissen. Sie flog heim, stellte sich und packte aus. Daher konnte der Prozess gegen sie auch an einem Tag abgehandelt werden.

Sie habe alles getan, weil ihr ein Mann die große Liebe versprochen habe. Ihn und einen weiteren Komplizen habe sie in einem Stuttgarter Lokal kennengelernt. Er habe der Frau ein Luxusleben in Serbien in Aussicht gestellt, mit schicken Immobilien und teuren Autos. Das – und seine Liebesschwüre, die wohl nicht ganz ernst gemeint waren – habe sie zu der Tat bewogen.

Nach ein paar Wochen ist das Geld weg – und die Liebe verflogen

Gemeinsam hatte sie mit dem vermeintlichen Lover und einem weiteren Mann, der als Mitläufer bezeichnet wurde, ausbaldowert, wo rund um den Sitz der Geldtransportfirma keine Kameras installiert waren. Dann sei sie am Tattag im Oktober 2022 bewusst eine halbe Stunde zu spät gekommen. Für die anderen Mitarbeitenden war es dadurch plausibel, dass sie auf die halbstündige Kaffeepause am Nachmittag verzichtete. In dieser Zeit war sie allein – wenn auch durch Kameras unter Beobachtung. Sie packte 1,25 Millionen Euro ein und verließ die Firma.

Mit ihrem Wagen fuhr sie zum Treffpunkt, außerhalb des überwachten Bereichs rund um den Betrieb. Dann ging die Reise ins vermeintliche Luxusleben los. Nach wenigen Wochen hatte die Frau jedoch den Großteil des ihr zunächst nur überlassenen Anteils von 20 000 Euro verbraucht. Außerdem wurde öffentlich mit Foto nach ihr gefahndet, was einen gewissen Druck aufbaute. Im Dezember 2022 kam sie zurück und wurde festgenommen. Die 1,25 Millionen Euro – plus Zinsen – muss sie zurückzahlen.

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