Urteil von Stiftung Warentest Wie gut E-Bikes wirklich sind

Von zz 

Tourenfahrer und Berufspendler steigen zunehmend auf ein Trekkingrad mit Elektroantrieb um. Eine Vielzahl von Modellen steht dabei zur Auswahl. Stiftung Warentest erklärt, worauf es beim Kauf zu achten gilt.

Bei den Pedelecs unterstützt der Elektromotor den Radler beim Treten – aber nur bis zu einer Geschwindigkeit von etwa 25 Kilometer pro Stunde Foto: dpa
Bei den Pedelecs unterstützt der Elektromotor den Radler beim Treten – aber nur bis zu einer Geschwindigkeit von etwa 25 Kilometer pro Stunde Foto: dpa

Berlin/Stuttgart - So ein elektrischer Rückenwind macht einfach Spaß: Statt mühsam den Berg hochzuschnaufen, genügt ein Knopfdruck auf den Turboschalter – und schon geht es flott nach oben. Bei längeren Steigungen hängt man auch sportliche Fahrer ohne Elektrounterstützung ab. Und der Respekt vor hügeligem Gelände schwindet: So muss man bei einer gemütlichen Fahrradtour nicht immer nur am Flüsschen entlangfahren – oder kann als Berufspendler auch steilere Strecken meistern, ohne verschwitzt am Arbeitsplatz anzukommen.

Der Motor beschleunigt das Rad auf rund 25 Kilometer pro Stunde

So verwundert es nicht, dass der E-Bike-Verkauf boomt. Besonders begehrt sind die sogenannten Pedelecs: Dabei unterstützt der Elektromotor den Radler beim Treten – aber nur bis zu einer Geschwindigkeit von etwa 25 Kilometer pro Stunde. Will er schneller unterwegs sein, schaltet sich der Motor ab. Dies hat den Vorteil, dass Pedelecs überall wie Fahrräder fahren dürfen, also etwa auf Fahrradwegen und im Wald.

Erfreulich ist, dass die Hersteller viel dazugelernt haben und die Räder immer besser und vor allem stabiler wurden. Das zeigen auch die jüngsten Prüfergebnisse der Stiftung Warentest. Sie hat im aktuellen Juniheft „Test“ zwölf sportliche Trekking-E-Bikes mit diamantförmigem „Herrenrahmen“ geprüft – ein Fahrradtyp, der „die Kilometermacher wie Tourenradler und Pendler“ anspricht, wie es die Warentester formulieren. Und diese Nutzergruppe lässt sich ihr bevorzugtes Fahrgerät auch etwas kosten: Zwischen 2000 und 2900 Euro sind für die getesteten Modelle zu zahlen.

Der Elektromotor setzt am Tretlager an – das sorgt für Stabilität

Das Ergebnis lässt sich sehen:  „Jedes zweite Pedelec verlässt Praxistest und Prüflabor mit einer guten Gesamtnote“, schreiben die Tester. Besonders löblich ist, dass fast alle Modelle „auch mit Gepäck Fahrstabilität bewiesen“. Das ist wichtig, denn wenn die schweren Räder bei einer flotten Abfahrt oder bei Bodenwellen ins Schlingern geraten, löst dies unnötigen Stress aus. Zu der stabilen Fahrlage trägt sicherlich auch bei, dass bei den Trekkingrädern im Test der Elektromotor am Tretlager ansetzt und damit sowohl in der Mitte als auch am niedrigsten Punkt des Fahrradrahmens. Für die Fahrstabilität ist es auch besser, wenn der vergleichsweise schwere Akku nicht am Gepäckträger sitzt, sondern am Rahmen andockt: meist am Unterrohr, das zum Lenker führt, seltener am Sitzrohr, das den Sattel trägt. Auf die Lage dieser Bauteile sollte man also genau achten, wenn man sich ein E-Bike zulegt.

Im Dauertest bei einer Belastung von 20.000 Kilometern zeigen sich die Mängel

Während die Räder im Praxistest auf Mallorca etwa 500 Kilometer unterwegs waren, wurden sie im Dauertest einer Belastung von 20 000 Kilometer ausgesetzt. Bei dieser Tortur gab es bei einigen der geprüften Modelle Probleme: „Beim Diamant-Pedelec riss der Steg der Sitzstrebe zur Gepäckträger-Befestigung beidseitig an, beim Pegasus die Schweißnaht zum Steuerrohr“, notierten die Tester. Zudem stellten sie fest, dass die Sattelstütze des Winora-Rades in Querrichtung anriss, so dass der Sattel abbrechen kann. Das aber kann bei einem Sturz zu schlimmen Verletzungen führen.

Diamant, Pegasus und Winora wurden deshalb auf die Note Ausreichend abgewertet. Als nicht sicherheitsrelevant wurde dagegen ein Längsriss an der Sattelstütze beim Corratec angesehen.

Lenker wurden vergrößert

Insgesamt ist dieses Ergebnis für die Tester deswegen so erfreulich, weil die neuen Räder konstruktiv gegenüber ihren Vorgängern verbessert wurden. Demgegenüber registrierten die Prüfer bei Pedelecs, die einen nach unten gezogenen Rahmen für einen bequemeren Einstieg haben, sowie bei Trekkingrädern ohne Elektromotor „nicht nur Anrisse, sondern sogar Brüche“. Auch die Lenker wurden im Durchmesser vergrößert, was zu stabileren Fahrverhältnissen führt.

Bei der Akku-Qualität gibt es große Unterschiede

Ein weiteres bedeutungsvolles Kapitel beim E-Bike-Kauf ist der Akku. Der sollte nicht zu klein dimensioniert sein, so dass auch eine ordentliche Strecke möglich ist, bevor nachgeladen werden muss. Zudem sollte das Stromtanken nicht allzu lange dauern. Doch gerade hier gab es deutliche Unterschiede: Während die Modelle von Cube als auch von Kalkhoff wegen eines schwachen Ladegeräts mehr als sechs Stunden zum Volltanken brauchten, war der Akku beim Stevens schon nach drei Stunden und 40 Minuten wieder geladen. Zudem hatte es bei dauerhafter mittlerer Unterstützung mit 87 Kilometer die größte Reichweite.

Gravierende Schwierigkeiten mit der Elektrik gab es beim Raleigh: Weil der Stecker des Ladekabels bei Standardtests zur Brandsicherheit durchfiel, musste sich das immerhin 2500 Euro teure E-Bike mit der Note Mangelhaft begnügen. Dieses Modell war übrigens das einzige im Test, das nicht mit einem Bosch-Antrieb unterwegs war, sondern mit einem ­Impulse-Motor.

So haben die E-Bikes in der Wertung abgeschnitten

Im Test am besten abgeschnitten hat das KTM Macina Fun 9 SI P5I für 2800 Euro. Ebenfalls „gut“ sind die Räder Kettler Traveller E Gold, Kreidler Vitality Eco 6 Edition, Cube Kathmandu Hybrid Pro 500 und Stevens E-Lavena. Mit 2000 Euro erhielt das günstigste Pedelec im Test, das Kalkhoff Voyager Move B8, gerade noch knapp „gut“.