Urteil zum Musiksampling Klauen? Ja! Aber bitte mit Stil!

Zwei Sekunden für die Ewigkeit: Aus einem Musikschnipsel des Stücks „Metall auf Metall“ von Kraftwerk (Foto) hat Mosel Pelham Sabrina Setlurs Lied „Nur mir“ gemacht. Foto: AFP/Mike Coppola

Der EuGH erlaubt jetzt das Musiksampling? Das ist Quatsch! Das Sampeln war nämlich nie verboten. Wer aber wie Moses Pelham Hits aus den Songs anderer Musiker bastelt, sollte – unabhängig von der Rechtslage – den Anstand haben, diese zu fragen und zu bezahlen, findet Gunther Reinhardt.

Freizeit & Unterhaltung : Gunther Reinhardt (gun)

Stuttgart - Kennen Sie „Right down here“ von Asha Puthli? Nein? Aber „Die da!?!“ von den Fantastischen Vier kennen Sie schon, oder? Dann kennen Sie auch Asha Puthlis „Right down here“. Den Groove für ihren ersten Hit haben die Stuttgarter Hip-Hop-Veteranen nämlich bei der Disconummer der Inderin geklaut, beziehungsweise – wie es die Juristen des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) ausdrücken würden – sie haben in Ausübung ihrer Kunstfreiheit aus einem Tonfragment ein neues Werk geschaffen.

 

Hip-Hop ist eine großartige Recyclingkunst

Zu behaupten, der EuGH habe in seinem Urteil jetzt das Sampling erlaubt, ist Quatsch. Sampeln war nie verboten. Hip-Hop war immer schon eine großartige Recyclingkunst. Die besten Nummern der Beastie Boys, von Dr. Dre, Kendrick Lamar oder eben den Fantastischen Vier bauen auf Samples auf, auf Musikfetzen, die man sich aus anderen Liedern geborgt hat. Die große Kunst des Hip-Hop besteht darin, aus diesen Schnipseln etwas Neues, Einzigartiges zu erschaffen. Produzenten mit Ehre und Anstand haben dabei immer schon offengelegt, aus welchen Musikstücken sie ihren Hit gebastelt haben, bei den eigentlichen Urhebern um Erlaubnis gefragt und diese (beziehungsweise die Rechteinhaber) bezahlt. Dass der EuGH jetzt sagt, dass man das nicht immer tun muss, wenn das Original so verändert wurde, dass es beim Hören nicht wiedererkennbar ist, ist ärgerlich. Denn wer will wie entscheiden, wann genug verfremdet wurde und wann nicht?

Hip-Hop ist ein Milliardengeschäft

Der Hip-Hop, den das hauptsächlich betrifft, ist längst keine arme Subkultur mehr, sondern ein Milliardengeschäft. Produzenten wie Moses Pelham sind mit den Ideen anderer reich geworden. Und wer jetzt behauptet, dass es doch nur zwei Sekunden sind, die Pelham bei „Metall auf Metall“ von Kraftwerk für Sabrina Setlurs „Nur mir“ geklaut hat, der sollte sich beide Lieder einmal hintereinander anhören. Er wird dann schnell feststellen, dass von dem Setlur-Song ohne das Kraftwerk-Sample nur heiße Luft übrig bliebe.

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