KommentarUrteil zur Eventus-Genossenschaft Gütesiegel für einen Betrüger

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Der Fall Eventus ist ein Debakel für die Genossenschaftsaufsicht. Nicht nur der zuständige Prüfverband, auch Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut muss viele Fragen beantworten, kommentiert StZ-Autor Andreas Müller.

Mit seinem Urteil hat das Landgericht Stuttgart den Prozess um einen bundesweit beachteten  Millionenbetrug beendet. Foto: dpa
Mit seinem Urteil hat das Landgericht Stuttgart den Prozess um einen bundesweit beachteten Millionenbetrug beendet. Foto: dpa

Stuttgart - Niemand ist dagegen gefeit, Opfer eines Betrugs zu werden. Wenn die kriminelle Energie so hoch ist wie im Fall des Gründers der sogenannten Wohnungsgenossenschaft Eventus, gilt das erst recht. Doch für die insgesamt um etliche Millionen Euro Geschädigten ist es nur ein schwacher Trost, dass er jetzt zu mehrjähriger Haft verurteilt wurde. Ihr Geld werden sie wohl kaum wiedersehen.

Besonders bitter an dem Fall ist etwas anderes: er hätte wohl verhindert werden können, wenn die für die Aufsicht zuständige Institution ihre Arbeit (richtig) gemacht hätte. Denn das Erfolgsrezept des Betrügers war das Etikett „Genossenschaft“. Damit signalisierte er den Opfern eine seriöse, sichere und kontrollierte Geldanlage, bei der eigentlich nichts schiefgehen könne.

Vernichtendes Zeugnis für die Prüfer

Als Garant diente ihm der für die Genossenschaftsaufsicht zuständige Immobilienverband VBW. Ohne dessen Segen hätte die Eventus nicht starten und später ihr Unwesen treiben können. Doch das Urteil stellte den Prüfern, gestützt auf ein vom Wirtschaftsministerium bestelltes Gutachten, ein vernichtendes Zeugnis aus. Bei ihrer Kernaufgabe haben sie danach in fast unfassbarer Weise versagt. Eventus war eigentlich gar keine Genossenschaft und hätte nie zugelassen werden dürfen. Auch danach, als der Gründer mit gleichsam amtlichen Gütsiegel loslegte, wurden die Kontrolleure ihren Pflichten allenfalls teilweise und viel zu spät gerecht.

Mit diesem Befund wird der Fall Eventus vollends zum Politikum. Der Prüfverband, auf den nun weitere Forderungen zukommen, mag sich weiter kleinlaut wegducken. Verlorenes Vertrauen könnte er nur mit absoluter Offenheit zurückgewinnen – und nicht mit kleinlichem Vorgehen gegen die Betrugsopfer. Die Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut aber wird nun daran gemessen, wie sie die Versäumnisse beim VBW aufarbeitet – und ob sie auch ihr eigenes Ressort in den Blick nimmt. Bisher sträubte sich die CDU-Frau noch dagegen. Doch wenn eine Kontrollinstanz derart versagt wie im Fall Eventus, muss auch das für die Aufsicht zuständige Ministerium viele Fragen beantworten.