Uruguays Ex-Präsident Muijca gestorben Tod von Uruguays Ex-Präsident Muijca: Ein Linker mit moralischem Kompass

Ex-Präsident Mujica ist gestorben. Foto: Natacha Pisarenko/AP/dpa

Uruguays Ex-Präsident Jose „Pepe“ Mujica ist tot. Nicht nur in seiner Heimat wird er lagerübergreifend für sein konsequentes Handeln gelobt.

Es passiert nicht oft, dass sich zwei ideologische Lager eines Kontinents vor der Lebensleistung eines Politikers verneigen. Auf Jose „Pepe“ Mujica trifft das zu: Der ehemalige Präsident Uruguays (2010 bis 2015) starb am Dienstag im Alter von 89 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung. Mit ihm verlässt nicht nur eine politische Ikone die Bühne der Weltpolitik, sondern auch ein moralisches Unikat.

 

Legendär ist sein klappriger blauer Volkswagen Käfer mit dem er zur Arbeit und wieder nach Hause auf seinen kleinen Bauernhof fuhr. Staatsgäste versuchten stets einen Schnappschuss auf dem Beifahrersitz zu bekommen, um sich so in der sympathischen Bescheidenheit Mujica zu sonnen. Zu Hause stiegen sie dann wieder in ihre Luxuskarossen. Mujica blieb bei seinem Käfer und bei seinem kleinen bescheidenen Bauernhof, wo er zwischen politischen Debatten in Gummistiefeln durch die Blumenbeete stapfte. Seine größte Lebensleistung ist aber sein moralischer Kompass, der ihn zu einem Ausnahme-Linken machte.

Mujica kritisierte Menschenrechtsverletzungen

Mujica kritisierte Menschenrechtsverletzungen in Lateinamerika auch im eigenen politischen Lager. Folter, Hinrichtungen oder das Wegsperren der Opposition in Venezuela oder in Nicaragua: Das war für ihn ein unerträgliches Unrecht. Und das sprach er als einer der wenigen Linken in Südamerika und in Europa auch offen aus.

Weil er einst selbst wegen seiner Guerilla-Aktivitäten in den 1960er Jahren insgesamt 14 Jahre im Gefängnis saß, gefoltert und um die besten Jahre seines Lebens gebrachte wurde, konnte er sich in die Lage der politischen Gefangenen in den linksextremen Diktaturen Kuba, Venezuela oder Nicaragua hineinversetzen. „Ich mag keine politischen Gefangenen, nirgendwo“, sagte er einmal. Sein Leitmotiv waren demokratische Grundwerte. Bei der Amtseinführung von Brasiliens Präsident Lula da Silva reiste Mujica gemeinsam mit dem uruguayischen Amtsinhaber LaCalle Pou und einem weiteren Ex-Präsidenten des Landes an. Drei Parteien, eine Botschaft: Wir haben unterschiedliche Meinungen, aber uns eint die demokratischen Grundwerte. Einzigartig.

Mit dem Nachbarland Argentinien verband ihn eine besondere Beziehung. Die Linkspopulistin Cristina Kirchner kritisierte er genauso wie den amtierenden libertären Präsidenten Javier Milei. Mit dem kürzlich verstorbenen Papst Franziskus einte ihn der bescheidene Lebensstil, der ihm den Spitznamen „ärmster Präsident“ der Welt einbrachte. Der Amtseinführung von Papst Franziskus 2013 blieb er demonstrativ fern, weil er ein Atheist war und in Uruguay Staat und Kirche streng getrennt sind. Und doch faszinierte ihn Franziskus – vielleicht schaffe es dieser Papst ja doch noch aus ihm einen Christen zu machen. Am Dienstag machten alle große lateinamerikanischen Zeitungen mit dem Bild Mujicas auf – und lobten ihn als ein politisches Vorbild, weil er sich nicht korrumpieren ließ. Weder von links noch von rechts.

Vor kurzem ließ er eine innenpolitische Bombe platzen

Kurz vor dem Ende seines Lebens ließen er und seine Frau Lucia Topolansky eine innenpolitische Bombe platzen. Bei den Prozessen zur Aufarbeitung der Militärdiktatur in Uruguay habe es gezielte Falschaussagen gegen beschuldigte Militärs gegeben, um sicherzustellen, dass sie hinter Schloss und Riegel kämen, sagte Topolansky. Sie schaffte es ebenfalls bis in die Spitzen der uruguayischen Politik. Konkrete Namen nannte Topolansky nicht, sie wolle keine Verräterin sein, aber den Anstoß geben, eine Ungerechtigkeit aufzuklären. Das Wissen um die Falschaussagen belaste ihr Gewissen, erklärte das Ehepaar. Mit ihrem Wissen an die Öffentlichkeit gingen Mujica und Topolansky wohl auch deshalb, weil sie stets auch hart zu sich selbst waren.

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