US-Army 20 Jahre Schießlärm und kein Ende in Sicht

In Böblingen entsteht  die neue  Highschool für Soldatenkinder der Region. Foto: factum
In Böblingen entsteht die neue Highschool für Soldatenkinder der Region. Foto: factum

Die Bürgerinitiative gibt nicht auf: Sie fordert einen Schallschutz für die Schießanlage der US-Army bei der Panzerkaserne. Doch die US-Army will dies nicht zahlen.

Böblingen: Gerlinde Wicke-Naber (wi)
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Böblingen - Sie ist nicht zu übersehen: die riesige Baustelle an der Panzerstraße direkt gegenüber dem Areal der US-Army. Für 60 Millionen Euro bauen die Amerikaner hier eine zentrale Highschool für die Kinder der US-Soldaten aus der gesamten Region Stuttgart. Mehr als 1200 Jugendliche sollen dort von September nächsten Jahres an den Unterricht besuchen. Besonders beeindruckend ist die breite Unterführung, die momentan gebaut wird. Sie soll unter der Panzerstraße hindurchführen. Denn die Schulbusse, die die Kinder künftig in der gesamten Region einsammeln, sollen statt direkt von der Straße zur Schule abzubiegen unter der Panzerstraße hindurch zur Schule fahren.

„Die US-Army hat den Nord-Osten Böblingens als Gaststreitmacht erobert und besetzt“, kommentiert Ulrich Durst bissig. Knapp 300 Meter Luftlinie trennen sein Eigenheim im Böblinger Wohngebiet Rauher Kapf von dem Areal der Amerikaner. Es sind genau solche Details wie die extrabreite Unterführung, die die deutschen Nachbarn der Panzerkaserne auf die Palme bringen. Mit dem Geld, das dort in die Unterführung gesteckt wird, könnte die Army locker den Lärmschutz für die beiden offenen Schießbahnen finanzieren, meinen Durst und seine Mitstreiter von der Bürgerinitiative (BI) Rauher Kapf, die sich seit dem Jahr 1995 dafür einsetzt, dass der Schießlärm reduziert wird.

„Dieses Jahr haben wir Jubiläum: 20 Jahre Schießlärm“, sagt Eberhard Knoblauch, einer der Akteure, sarkastisch. Im Jahr 1994 waren die Schießbahnen vier und fünf zur bereits bestehenden Schießanlage der Amerikaner in Betrieb gegangen. Diese sind im Gegensatz zu den Bahnen eins bis drei offen – keine Decke dämpft den Lärm. Die Folge: wenn die amerikanischen Soldaten dort für ihre Einsätze im Nahen Osten trainieren, fühlen sich die Anwohner wie auf dem Schlachtfeld. „Zuhause arbeiten ist nicht möglich“, klagt der selbstständige Steuerberater Philipp Graupe, seit kurzem Mitglied der Bürgerinitiative. Der 42-Jährige ist mit dem Schießlärm groß geworden. „Man gewöhnt sich ja an einiges. Aber in den letzten Jahren ist es schlimmer geworden und unberechenbarer.“

Vor drei Jahren schien man endlich eine Lösung gefunden zu haben. Die US-Army bezahlte ein Gutachten, das bestätigte, dass der Lärmpegel der Schießanlage alle zulässigen Werte überschreitet. Ein Konzept wurde daraufhin erstellt. Die offenen Schießbahnen sollen eine schallschluckende Decke erhalten. Kostenpunkt: drei Millionen Euro. Seither hat sich nichts mehr getan. Denn nun geht es ums Geld. Die US-Army erwartet, dass sich die Deutschen an den Kosten für den Lärmschutz beteiligen. Für die Verantwortlichen auf deutscher Seite ist das unakzeptabel. Hier beruft man sich auf das Verursacherprinzip.




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