US-Army erhöht Warnstufe Verkehrschaos wegen US-Terroralarm – und am Dienstag wieder?

Berufsverkehr in Wartestellung: Am Montag ging auf den Zufahrtsstrecken zu den Kelley Barracks in Möhringen kaum mehr etwas. Foto: /Gülay Alparslan

Die erhöhte Sicherheitsstufe bei den amerikanischen Militäreinrichtungen hat Verkehrsteilnehmer in der Region Stuttgart am Montag kalt erwischt. Die ebenfalls überraschte Polizei sucht nun nach Auswegen.

Lokales: Wolf-Dieter Obst (wdo)

Plötzlich geht nichts mehr. Rund um Vaihingen und Möhringen, den Sitzen der europäischen und afrikanischen Kommandozentrale der US-Armee, oder in Böblingen im Bereich der Panzerkaserne – kilometerlange Blechkolonnen am Montagmorgen. „Ich wusste, dass es schlimm kommen würde“, sagt ein amerikanischer Militärbeschäftigter, „aber das hätte besser organisiert sein müssen.“ Morgens um sechs, eine Stunde im Stau, crazy. Nicht nur er, der ganze Berufsverkehr im Süden Stuttgarts. Dass das US-Hauptquartier am Sonntag in Europa die Sicherheitsstufe wegen Terrorgefahr erhöht hat, hatte sich am Montagmorgen nicht herumgesprochen.

 

Wie auch: Offiziell wird vom amerikanischen Militärkommando zunächst nicht bestätigt, dass nunmehr die zweithöchste Warnstufe „Charlie“ gilt. Die Alarmstufe bedeutet: Eine terroristische Aktion ist wahrscheinlich. Nun gibt es verstärkte Sicherheitskontrollen an den Einfahrten zu den Kasernen, etwa den Patch Barracks in Vaihingen, den Kelley Barracks in Möhringen, der Panzerkaserne in Böblingen. Dienstleistungen werden eingeschränkt, amerikanische Angehörige der Armee arbeiten drinnen, das einheimische Personal bleibt überwiegend daheim.

Auch das Navigationssystem schlägt Alarm

Mit Polizeihunden, mit Spiegeln und Detektoren werden die Autos an den Zufahrten gefilzt – und das dauert. Die Staus reichen kilometerweit zurück. Das Navigationssystem schlägt am Morgen überall Alarm: Möhringen, Plieninger Straße, 34 Minuten Verzögerung; Vaihingen, Pascalstraße, 28 Minuten, Hauptstraße, 15 Minuten; Böblingen, Panzerstraße, 36 Minuten; die A 81 Richtung Kreuz Stuttgart, 42 Minuten.

Nicht nur der Militärangehörige, der von Alarmstufe „Charlie“ zwar wusste, dann aber doch auf dem Weg nach Möhringen von den Staukolonnen überrascht war, hat eine Verkehrsregelung durch die Polizei an Kreuzungen vermisst. Doch die war auch überrascht. So waren auf den Fildern Streifenbeamte des betroffenen Reviers in Möhringen im Einsatz – dem Verkehrsaufkommen aber deutlich unterlegen. „Für den Dienstag wird man Maßnahmen austüfteln, wie das Verkehrsproblem eingedämmt werden kann“, sagt die Stuttgarter Polizeisprecherin Kara Starke. Allgemein gesagt, könne eine Verkehrsregelung durch Polizeibeamte verhindern, dass Autofahrer eine Kreuzung verstopfen. „Das war auch einer der Gründe für die Staus“, sagt Sprecherin Starke.

Terrormiliz Islamischer Staat im Visier

Ähnliche Planungen für die nächsten Tage gibt es auch beim Polizeipräsidium Ludwigsburg: „Die betroffenen Reviere sind in Absprache mit den Behörden, wie man den Stau vor den Einfahrten der Kaserne in Grenzen halten kann“, sagt Ludwigsburgs Sprecher André Kielneker.

Am Montag haben die Absprachen der deutschen Sicherheitsbehörden mit den US-Streitkräften zur allgemeinen Sicherheitslage begonnen. Wie es heißt, gibt es Videokonferenzen unter Beteiligung des Bundeskriminalamts, der Landeskriminalämter, der Bundespolizei und des Verfassungsschutzes. Seit Wochen sollen US-Behörden vor erhöhten Terrorbedrohungen warnen, die mit dem Krieg in Gaza zusammenhängen sollen. In den letzten Tagen sollen verstärkte Aktivitäten der terroristischen Miliz Islamischer Staat (IS) festgestellt worden sein. Zwar ohne konkreten Hinweise auf ein Ziel in Deutschland – aber für die US-Behörden Grund genug, die Warnstufe auf C wie Charlie zu erhöhen. Bisher galt in der US-Militärgemeinde die Stufe B wie Bravo – mit eher vagem Verdacht auf Bedrohungen.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte am Montag, die Bundesregierung sei „sehr eng“ mit den US-Behörden im Austausch. Laut Innenministerium Baden-Württemberg würden die Maßnahmen ohnehin stets fortlaufend der Gefährdungsbewertung angepasst. „Die für den Objektschutz eingesetzten Kräfte werden anlassbezogen informiert und sensibilisiert“, sagt Innenministeriumssprecherin Katharina Lutz-Schädler. Und das Fußball-Großereignis? Immerhin: „Auswirkungen auf die Sicherheitsmaßnahmen bei der EM ergeben sich bislang nicht“, sagt die Sprecherin.

Verkehrslenkung und Umleitungen gegen Staus

Und der Verkehr? Am Dienstag will die Polizei den Verkehr lenken und neue Staus verhindern. Wie das im Detail aussehen wird, hängt von den örtlichen Gegebenheiten ab. In Stuttgart etwa wollen Revierbeamte die Kreuzungen und Hauptstraßen durch eigene Verkehrsregelung und Verstärkung durch ihre Kollegen von der Verkehrspolizei frei halten. In Böblingen wäre bei zu starkem Andrang beispielsweise eine Umleitung an der Thermalbadkreuzung denkbar. Eine US-Mitarbeiterin fürchtet, dass es die nächsten Tage nicht besser werde – obwohl manche wohl auf die S-Bahn umsteigen würden. Die erhöhte Alarmstufe gelte vorerst bis zum Mittwoch, 3. Juli. Danach ist Feiertag.

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