US-Army in Böblingen Ein Campus mitten im Wald

Von wi 

Rasend schnell wächst der Bau der zentralen Highschool für die Kinder der US-Army-Soldaten aus der Region bei der Panzerkaserne. Die Schule kostet 65 Millionen Euro.

Die Gebäude stehen bereits im Rohbau. Foto: Friedrich Stampe
Die Gebäude stehen bereits im Rohbau. Foto: Friedrich Stampe

Böblingen - Während sich die US-Army anderswo in Deutschlang zurückzieht – zuletzt vor wenigen Wochen aus Heidelberg –, baut sie in der Region Stuttgart ihre Standorte kräftig aus. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Böblinger Panzerkaserne. Hier ist die Verwaltungszentrale für die 23 000 US-Amerikaner in der Region Stuttgart, die bei der Armee als Soldaten oder Zivilisten beschäftigt sind oder als Familienangehörige hier leben. Ein Supermarkt entstand vor einigen Jahren auf dem Kasernenareal, in dem Amerikaner aus dem weiten Umkreis Spezialitäten aus ihrer Heimat einkaufen. Ein 218-Zimmer-Hotel wurde gebaut – als erste Anlaufstelle frisch gelandete Soldaten.

Das waren beides millionenschwere Großprojekte. Doch sie sind nicht zu vergleichen mit der jetzigen Baustelle auf der anderen Seite der Panzerstraße. Zehn Hektar Wald wurden hierfür gerodet. Auf acht Hektar Fläche entsteht ein Campus für knapp 1200 Schüler: mit der neuen zentralen Highschool für die Soldatenkinder der fünf Standorte in der Region. Außerdem wird die Elementary School für die Erst- bis Fünftklässler – eine von dreien im Raum Stuttgart – vom jetzigen Standort auf dem Gelände der Panzerkaserne auf die andere Straßenseite verlegt. Hinzu kommen ein großzügiges Sportgelände, zwei Sporthallen sowie ein großer Busparkplatz. Die Arbeiten gehen voran. Vor zehn Monaten war Spatenstich, jetzt stehen bereits alle Gebäude im Rohbau, und auch die 50 Meter lange und zwölf Meter breite Unterführung, die den Campus mit dem Panzerkasernen-Gelände verbindet, ist fast fertig.

Neubau kostet den US-Staat 65 Millionen Euro

65 Millionen Euro lässt sich der US-Staat dieses Großprojekt kosten. Diese enorme Summe stößt bei vielen Nachbarn auf völliges Unverständnis. „Dieser Bau ist eine unverschämte Provokation für uns“, sagt Ulrich Durst von der Bürgerinitiative Rauher Kapf, die seit 20 Jahren für eine Reduzierung des Schießlärms der US-Army kämpft. Drei Millionen Euro würde es kosten, zwei offene Schießbahnen zu dämmen. Doch von US-Seite heißt es stets: „Dafür haben wir kein Geld.“

Das Bauprojekt selbst ist jedoch ein Musterbeispiel für deutsch-amerikanische Kooperation. Wie bei allen US-Militär-Bauvorhaben im Land ist das Bauamt der Oberfinanzdirektion Karlsruhe verantwortlich. Die konkrete Planung hat es an das Staatliche Hochbauamt Reutlingen abgegeben. Dieses arbeitet dabei eng zusammen mit dem Auftraggeber, dem US-Army Corps of Engineers.

„Wir müssen beim Bau die deutschen und die amerikanischen Vorschriften erfüllen“, sagt Bernhard Schmidt, der stellvertretende Leiter des Hochbauamts. So legen die Amerikaner größten Wert auf Sprinkleranlagen, die Deutschen vor allem auf Fluchtwege. Groß ist das Sicherheitsbedürfnis der Amerikaner auch bei den Baugrenzen. Aus Angst vor Terroranschlägen müssen die Gebäude 25 bis 45 Meter von der Straße entfernt stehen. Eine solche Vorschrift gibt es im deutschen Baurecht nicht. Bei den Standards würden die jeweils höheren gelten, sagt Schmidt. Auch bei der Umwelttechnik punkten die Amerikaner, die ja häufig als Umweltfrevler beschimpft werden. „Das ist ein ökologisches Vorzeigeprojekt mit hohen Standards“, berichtet der deutsche Bauleiter. Das gilt vor allem für die verwendeten Materialien.

Die Innenausstattung sei genormt. Das Department of Defends Dependend Schools (DoDDS), das Schulamt der Armee, habe ein einheitliches Design für Army-Schulen entwickelt, damit die Kinder, die alle paar Jahre umziehen, weltweit die gleichen Schulen vorfinden, sagt Schmidt. Regelmäßig kontrolliert Darrik Godfrey vom DoDDS, ob alles nach Plan läuft.

Ökologisches Vorzeigeprojekt

Die Dimensionen der US-Einrichtung ist im Vergleich zu deutschen Schulen sehr großzügig. Zu den 14 500 Quadratmetern Nutzfläche gehören zwei Sporthallen: eine große für die Neunt- bis Zwölftklässler, eine kleinere für die Grundschüler. Jede Schule erhält ein Theater, die Highschool ein großes mit professioneller Bühne und aufsteigenden Zuschauerrängen. Zudem gibt es noch einen extra Raum für das Schulorchester mit einer „tollen Akustik“, so Schmidt. Zentraler Punkt auf dem leicht nach unten abfallendem Gelände soll die Mensa werden. Von zwei Seiten verglast und somit lichtdurchflutet. Beeindruckend sind die langen unterirdischen Gänge für die Luft- und Heiztechnik. wie man sie sonst nur in Kliniken und Firmen findet.

Etwa 200 Arbeiter sind momentan auf der Baustelle beschäftigt. Sobald mit dem Innenausbau begonnen wird, werden es bis zu 500 sein. Ihre Zielvorgabe ist ehrgeizig: Bis nächstes Jahr Ende Juni muss alles fertig sein. Bereits im August sollen dann mit dem neuen Schuljahr die Jungen und Mädchen einziehen. Wie sehen das die Amerikaner? Sind sie überzeugt davon, das alles rechtzeitig fertig wird? Darrick Godfrey von der US-Schulbehörde hat größtes Vertrauen in seine deutschen Partner: „Die Bauleitung versichert uns, dass sie es schafft. Das gilt für uns.“