US-Forscher Resistente Bakterien auf dem Vormarsch

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Keime, die sich nicht mehr mit dem Notfall-Antibiotikum Colistin behandeln lassen, breiten sich weltweit aus. Colistin kommt zum Einsatz, wenn andere Antibiotika nicht mehr helfen.

Eine Kultur mit gegen Antibiotika resistenten Keimen. Foto: dpa
Eine Kultur mit gegen Antibiotika resistenten Keimen. Foto: dpa

USA - Die Aufregung ist groß: In den USA sind Bakterien aufgetaucht, die gegen das Notfall-Antibiotikum Colistin resistent sind. Das dafür verantwortliche Gen mcr-1 sei in einer Bakterienprobe einer 49-Jährigen aus Pennsylvania entdeckt worden, schreiben Forscher im Fachblatt „Antimicrobial Agents and Chemotherapy“. Colistin kommt zum Einsatz, wenn andere Antibiotika nicht mehr helfen, weil die betreffenden Krankheitserregen resistent geworden sind.

Nachgewiesen wurde das resistente Bakterium in der Urinprobe einer Patientin, die in einer Militäreinrichtung behandelt worden war. Nun sind die US-Gesundheitsbehörden alarmiert: Dass dieses Gen gefunden wurde, sei „extrem beunruhigend“, betonte Patrick McGann vom US-Netzwerk zur Überwachung multiresistenter Organismen, das am Walter Reed Armee-Forschungsinstitut angesiedelt ist.

Erstmals in Südchina aufgefallen

Erstmals bekannt wurden Colistin-resistente Bakterien Ende 2015 in China. Damals war in Südchina bei Routinekontrollen aufgefallen, dass in Schweinen und Hühnern auffällig oft eine besondere Form des Darmbakteriums Echerichia coli vorkam: Das Antibiotikum Colistin konnte ihm nichts anhaben. Und es beherbergte das Gen mcr-1. Dies ist kein normales Gen, sondern ein sogenanntes Plasmid, also eine Art mobile Erbsubstanz DNA. Damit kann das ringförmige Gen leicht kopiert und an andere Bakterienarten weitergegeben werden. Es habe daher eine Art „Epidemie-Potenzial“.

Seit dieser beunruhigenden Entdeckung wurde weltweit nach dem Resistenz-Gen gefahndet. Anfang dieses Jahres berichtete das Deutsche Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR), dass das mcr-1-Gen auch in Darmbakterien von Nutztieren in Deutschland weit verbreitet sei – und das wohl schon seit einigen Jahren. Nun müssen im Zuge weiterer detaillierter Untersuchungen diverse Fragen geklärt werden. In Deutschlandhabe Colistin eine „erhebliche Bedeutung“. Es werde vor allem in der Nutztierhaltung eingesetzt, um Darmkrankheiten zu behandeln. In der Humanmedizin kommt Colistin nur selten zum Einsatz.