Es ist eine Nachricht, auf die man in Kiew monatelang gewartet hat. Das US-Repräsentantenhaus hat das Hilfspaket für die Ukraine freigegeben. Die Zustimmung des Senats gilt als Formsache. So stehen rund 60 Milliarden Dollar an Unterstützung in Aussicht. „Das ist eine Entscheidung, die uns das Leben rettet“, kommentierte Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj. Mit diesem Hilfspaket wird sich hoffentlich bald der Munitionsmangel der ukrainischen Soldaten an der Front lindern. Erste Lieferungen könnten schon in den kommenden Tagen beginnen.
Es ist ohne Zweifel ein Zeichen der Hoffnung, denn das Geld kann die Finanzierung des ukrainischen Abwehrkampfes bis weit in das nächste Jahr hinein sichern. Doch wer eine Wende in diesem Krieg gekommen sieht, dürfte enttäuscht werden.
Denn noch darf Russlands Machthaber Wladimir Putin darauf hoffen, dass die westliche Unterstützung eines Tages von selbst zusammenbricht. In vielen europäischen Ländern wächst die Kritik an der Ukraine-Hilfe und wenn im November Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt werden würde, könnte es auch mit der amerikanischen Unterstützung schon wieder vorbei sein. Und Putin wäre wieder im Vorteil.
Auch wenn das US-Hilfspaket ein starkes Signal ist, so bleibt doch abzuwarten, ob und wie Putin dadurch seine Kriegsziele anpasst. Bislang hatte er keinerlei Neigung erkennen lassen, seinen Angriffskrieg zu stoppen. Im Gegenteil. Er bekannte kürzlich, er wolle nicht verhandeln, nur weil der Ukraine die Munition ausgehe.
Nur eine langfristige Unterstützungsgarantie des Westens kann das Kalkül im Kreml verändern. Doch diese gibt es bislang nicht, allen wohlmeinenden Äußerungen zum Trotz. So bleiben die US-Hilfen im schlechtesten Fall für die Ukraine nicht mehr als eine Atempause.