Die Investorenlegende Warren Buffett engagiert sich immer stärker im lokalen US-Zeitungsmarkt. Mit den etablierten Marken will er auch online richtig Geld verdienen.

Wirtschaft: Andreas Geldner (age)

Stuttgart - Das „Orakel von Omaha“ hat gesprochen. Und es gibt einer Branche eine Zukunft, die viele in den USA bereits abgeschrieben haben. Reihenweise hat die Investorenlegende Warren Buffett in jüngster Zeit kränkelnde US-Regionalzeitungen aufgekauft. Begonnen hat es mit dem „Omaha World Herald“, dem Blatt aus Buffetts Heimatstadt.

Das konnte noch als Sentimentalität eines ansonsten äußerst nüchternen Investors durchgehen. Buffett begann sein Erwerbsleben als Zeitungsjunge in Omaha und ist seit vielen Jahrzehnten ein treuer Abonnent des Blattes. Auf seiner jüngsten Jahreskonferenz veranstaltete er sogar einen Zeitungswurfwettbewerb, um zu beweisen, dass er seine Fertigkeiten von damals nicht verlernt hat.

Zuletzt 63 Zeitungen übernommen

Doch inzwischen geht es Schlag auf Schlag: Buffett griff dem kriselnden Verlagshaus Lee Enterprises unter die Arme, dem Zeitungen von Oregon bis Pennsylvania gehören. Zuletzt übernahm er 63 Zeitungen der Mediengruppe Media General. Aber hinter der Verwandlung zum Medienmogul steht kühles Kalkül. Noch 2009 hatte Buffett, dem schon seit 1973 Anteile an der „Washington Post“ gehören, in einem viel beachteten Aufsatz geschrieben, dass er Zeitungen für ein Auslaufmodell halte.

Doch nun differenziert er. Ihm geht es um Blätter, die ein kleines, fest etabliertes Verbreitungsgebiet haben. Seine jüngsten Erwerbungen heißen „Lake City News & Post“, „The Messenger“ oder „Greene County Record“. „In großen und kleinen Städten, in denen es ein starkes Gemeinschaftsgefühl gibt, findet man keine wichtigere Institution als die örtliche Tageszeitung“, sagte Buffett nach seinem jüngsten Coup.

Der Multimilliardär will Geld verdienen – und traditionell wählt er deshalb für den Einstieg in bestimmte Branchen einen Zeitpunkt, zu dem sie darniederliegen. „Habe Angst, wenn andere gierig sind, und sei gierig, wenn andere Angst haben“, so lautet ein Leitspruch von ihm.

Auch online soll Geld fließen

Buffett hat sich gezielt Blätter herausgepickt, die fest etablierte lokale Marken sind. Er hält es für unwahrscheinlich, dass Internetangebote sie ablösen können, sondern setzt im Gegenteil darauf, dass diese lokalen Zeitungen auch Online ein Quasi-Monopol etablieren können.

Damit stünde der Weg offen, auch für die Inhalte im Internet Geld zu verlangen. Die Printausgaben soll es weiter geben, aber die Vernetzung der Blätter soll Rationalisierungseffekte bringen. Bei Technik, Vertrieb und überregionaler Berichterstattung sieht Buffett Einsparpotenzial. Anzeigenkunden sollen ihre Annoncen flexibel in verschiedenen Zeitungen der Gruppe schalten können.

Einsatz wird teuer bezahlt

Der Investor lässt sich allerdings seinen Einsatz teuer bezahlen. So verlangt er für einen Kredit von 445 Millionen Dollar, den er neben dem Kaufpreis von 142 Millionen Dollar der Mediengruppe Media General gewährt hat, einen anfänglichen Jahreszins von 10,5 Prozent.

Trotz angekündigter Sparmaßnahmen ist der Einstieg Buffetts von vielen betroffenen Mitarbeitern und Journalisten mit Erleichterung zur Kenntnis genommen worden. Ein Plakat in der Zeitung „The Richmond Times-Dispatch“ begrüßte Buffetts Emissäre beispielsweise mit dem Slogan „Feuert die Zukunft an!“

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