US-Kriegsheimkehrer Geschönte Statistiken im Krankenhaus

Die Arbeit des Veteranenhospitals in Phoenix ist in die Kritik geraten. Foto: Getty
Die Arbeit des Veteranenhospitals in Phoenix ist in die Kritik geraten. Foto: Getty

Im Bundesstaat Arizona sollen 40 ehemalige Soldaten gestorben sein, weil sie nicht rechtzeitig behandelt wurden. Präsident Obama sei „stinksauer“ und möchte solche Zustände nicht dulden.

Korrespondenten: Damir Fras (fra)
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Phoenix - US-Präsident Barack Obama betont bei jeder Gelegenheit, wie sehr ihm das Schicksal der Kriegsheimkehrer am Herzen liegt. Doch seine Behörden gehen mit den inzwischen 22 Millionen Veteranen eher rüde und nachlässig um. Jüngstes Beispiel: in Phoenix im Bundesstaat Arizona sollen 40 ehemalige Soldaten gestorben sein, weil sie nicht rechtzeitig behandelt worden seien. Der Präsident sei „stinksauer“, sagten seine Berater. Obama selbst trug seine Kritik nach wochenlangem Schweigen etwas höflicher vor. „Ich werde das nicht tolerieren. Punkt“, sagte er.

Wenn es zutrifft, was aus dem Veteranenhospital in Phoenix an die Öffentlichkeit drang, dann hatte die Sache System. Die Krankenhausverwaltung wollte offenbar ihre Behandlungsstatistiken schönen und manipulierte Wartelisten für Tausende von Ex-Soldaten, die so monatelang auf einen Arzttermin warten mussten. Starben die Veteranen in der Zwischenzeit, wurden ihre Namen von der Liste gestrichen. Fall erledigt. Ähnliches wurde aus Texas und Colorado berichtet.

Die American Legion fordert Rücktritt eines Ministers

John McCain, der republikanische Senator für Arizona und frühere Präsidentschaftsbewerber, war erbost. „Wenn diese Anschuldigungen wahr sind, dann wurden Gesetze gebrochen. Dann geht es nicht um Rücktritte, sondern dann muss jemand ins Gefängnis“, wetterte McCain, der mehrere Jahre in nordvietnamesischer Gefangenschaft war und deswegen unter US-Veteranen Kultstatus besitzt. Die American Legion, mit 2,5 Millionen Mitgliedern eine der größten Veteranen-Vereinigungen in den USA, hatte zuvor den Rücktritt von Veteranen-Minister Eric Shinseki gefordert.

Klagen über das Ministerium für die Angelegenheiten der Veteranen und seine nachgeordneten Behörden, die über das ganze Land verstreut sind, sind seit vielen Jahren im Umlauf. 15 Prozent aller Kriegsheimkehrer sind nach Schätzungen obdachlos. Wer Geld oder Sachleistungen beantragt, muss oft Monate auf die Bewilligung warten. Allenthalben klagen Verbände über fehlende oder unzureichende psychosoziale Betreuung der Männer und Frauen, die in Afghanistan und im Irak stationiert waren. 

Ein riesiger bürokratische Apparat

Das Ministerium von Eric Shinseki ist nach dem Pentagon der zweitgrößte bürokratische Apparat in den USA. Mehr als 300 000 Menschen sind dort angestellt, das Jahresbudget beträgt derzeit etwa 150 Milliarden US-Dollar. „Veterans Affairs“ (VA), wie das Ministerium genannt wird, unterhält 152 eigene Krankenhäuser, 800 Ambulanzen und 130 Friedhöfe. Weil auch die direkten Angehörigen von ums Leben gekommenen Soldaten betreut werden, hat fast jeder vierte US-Amerikaner in irgendeiner Weise mit den Mitarbeitern von Veterans Affairs zu tun.

Noch weiß Minister Shinseki, der das Amt seit 2009 leitet, den Präsidenten hinter sich. Obama erklärte, Shinseki sei als ehemaliger Soldat mit ganzem Herzen bei der Sache. Allerdings sagte der Präsident auch, dass die Vorwürfe gegen das Veteranenministerium so schnell wie möglich aufgeklärt müssten, damit die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden könnten. Solche Sätze sind auch in Washington eine Chiffre, dass möglicherweise schon bald personelle Veränderungen anstehen könnten.




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