Behäbig und mit sonorem Sound setzt sich der Feuerwehrtruck in Bewegung und rollt aus der Garage auf dem Gelände der Feuerwache der US Army Garrison Stuttgart (USAG) im Böblinger Osten. 500 bis 600 Einsätze fahren der Truck und die anderen Feuerwehrfahrzeuge der Garnison im Jahr für die verschiedenen Army-Standorte in der Region Stuttgart. Ihren Stützpunkt hat die USAG-Feuerwehr im Offizierskasino der ehemaligen Wehrmachtskaserne, die nach dem Zweiten Weltkrieg – wie auch die Panzerkaserne – an die Amerikaner ging.
Weit muss der Truck an diesem Tag nicht fahren, schließlich brennt es nirgends. Er wird nur mal schnell vorgeführt. Schnell sind die Schläuche angeschlossen, und dann heißt es auch schon „Wasser marsch!“ – tatsächlich auf Deutsch. „Rund 90 Prozent der Leute, die bei uns im öffentlichen Dienst oder bei der Feuerwehr arbeiten, sind Local Nationals“, wie der Leiter der Feuerwehr, Fire Chief Michael Ambacher, erklärt.
Firefighter ohne Vorkenntnisse
Local Nationals sind Angestellte der Armee der Vereinigten Staaten aus dem Umfeld der Standorte. In diesem Jahr ist erstmals eine Klasse von Quereinsteigern für den Feuerwehrdienst auf den verschiedenen Stützpunkten der USAG ausgebildet worden. Einer davon ist Fotis Chochlakas. Der gebürtige Grieche arbeitet schon länger für die Amerikaner, träumte aber schon in seiner Jugend davon, Feuerwehrmann zu werden. Zunächst sei er jedoch im Sicherheitsdienst der Panzerkaserne tätig gewesen, nachdem er 2015 nach Deutschland kam. Als er die Stellenanzeige gesehen habe, habe er nicht lange gezögert. „Ich habe so viel gelernt“, sagt er bei der Erinnerung an den sechswöchigen Intensivkurs. „Aber es war auch körperlich und mental sehr anstrengend.“
Andere Wege gehen
Anders als etwa bei einer Freiwilligen Feuerwehr, wo der Grundkurs üblicherweise an mehreren Wochenenden stattfindet, haben Chochlakas und seine zehn Mitstreiter jeden Tag acht Stunden lang gebüffelt, Sport gemacht und das Handwerkszeug der Floriansjünger erlernt. Seit Februar ist der 35-Jährige ein Firefighter. „Jetzt will ich hier bleiben“, sagt er.
Mit der Entscheidung, Quereinsteiger nach baden-württembergischen Standards direkt in der Feuerwache auszubilden, bevor sie zum US-Training im Army Region Fire Fighting Training Center nach Ansbach (Bayern) geschickt werden, sagt Ambacher, habe er sich unter den Fire Chiefs in der Umgebung nicht nur Freunde gemacht. „Eigentlich sollen die Feuerwehrleute, die wir einstellen, ihre Grundausbildung in anderen Feuerwehren absolviert haben“, sagt er. In Ansbach werde nämlich zum Beispiel vorausgesetzt, dass der Nachwuchs funken und ein Atemschutzgerät tragen kann. Es sei aber so, dass in der Region Stuttgart Feuerwehrleute heiß begehrt seien und von Großbetrieben wie Mercedes-Benz oder dem Stuttgarter Flughafen abgegriffen würden, ergänzt der Oberstleutnant Michael Zink, der die Emergency Services leitet – dem also beispielsweise Polizei, Feuerwehr und Sicherheitsdienste auf den Stützpunkten unterstellt sind. „Wir haben uns also überlegt, es mal anders zu machen.“
Glücksfall für die Amerikaner: Seit 27 Jahren arbeitet ein Deutscher bei ihrer Feuerwehr, der auch Rekruten ausbilden darf. Hubert Hennemann ist in der vierten Generation Feuerwehrmann. „Das liegt bei mir einfach in der Familie“, sagt der 60-Jährige. Zu den Firefighters sei er durch Zufall gekommen, als er sich mit seinen Kollegen von der Freiwilligen Feuerwehr die Flughafenfeuerwehr angeschaut habe. „Da meinten die dann, dass es bei den Amerikanern auch eine Feuerwehr gibt, und dass wir die mal besichtigen sollten“, erzählt Hennemann. Da habe ihn dann der stellvertretende Leiter vom Fleck weg abgeworben. Aber es kommen auch noch Feuerwehrleute auf die altbewährte Weise zu den Firefighters. Zu ihnen gehört Florian Schmidt, der seit Februar vergangenen Jahres dabei ist. „Ich bin halt der Meinung, man muss was Gescheites machen“, sagt der 26-Jährige. Er sei ohnehin schon als Teenager in die Jugendfeuerwehr eingetreten, da habe es für ihn nahe gelegen, sich nach seiner Ausbildung auch beruflich dahingehend zu orientieren. „Ich habe durch einen Kollegen in der Freiwilligen Feuerwehr davon erfahren“, sagt er.
Es gebe einige Dinge, die ihm an der amerikanischen Feuerwehr aufgefallen seien: „Das ist zum einen, wie die Leute auf einen reagieren“, sagt Schmidt. „Wenn man hier einen Einsatz abschließt, danken einem die Leute für den Einsatz, während die Leute nach einem Einsatz in Deutschland sich nur fragen, wann sie zurück in ihr Haus gehen und zu Mittag essen können.“ Überhaupt sei die Wertschätzung für Einsatzkräfte in der US-Community größer, meint Chochlakas.
„Die Leute bedanken sich für den Einsatz“
„Wir knoten alle die gleichen Knoten“
Es mag komisch klingen, aber beide führen auch die Arbeitszeiten als einen Punkt an, den sie an ihrem Beruf schätzen. „Wir arbeiten in 24-Stunden-Schichten von 7.30 Uhr bis 7.30 Uhr am nächsten Morgen“, sagt Schmidt. Sechs Leute sind pro Tag in der Feuerwache auf Standby. „Am Abend ziehen wir uns aber schon mal unsere Crocs an, setzen uns vor den Fernseher und gehen irgendwann auch ins Bett“, beschreibt Schmidt so eine lange Schicht. Drei solcher Schichten folgten aufeinander, dann habe man einige Tage frei. „In der Zeit gehe ich dann auch noch zur Freiwilligen Feuerwehr“, sagt er mit einem Schmunzeln.
Große Unterschiede gibt es bei den beiden Feuerwehren ansonsten nicht. „Der größte Unterschied ist die Taktik“, sagt Chief Ambacher. So seien in den USA und Kanada, seinem Heimatland, die Einsatzwagen mit vier Leuten besetzt – in Deutschland hingegen mit neun. „So wird von jedem Einzelnen natürlich mehr verlangt“, sagt Schmidt über die USAG-Feuerwehr. „Ansonsten knoten wir alle die gleichen Knoten und tragen die gleichen Schläuche.“
Feuerwehr-Event Ende Oktober
Trotz des Gegenwinds wegen seiner Rekrutierungsmethoden will Ambacher die Feuerwehrtruppe im Firehouse an der Waldburgstraße weiter ausbauen. „Als ich im Februar 2022 hier anfing, gab es weniger als 30 Firefighter. Jetzt sind es 52“, sagt er. Sein Ziel sei es, die Truppe auf insgesamt 77 Leute aufzustocken. Die zusätzlichen Räume habe er schon bewilligt bekommt. Doch es fehlen noch die Leute. Um sie anzulocken, hat Chief Ambacher schon eine Idee: eine Firefighter-Combat-Challenge mit Feuerwehrleuten aus der ganzen Region Stuttgart. Die soll vermutlich Ende Oktober zeitgleich mit dem traditionellen Herbst-Basar in der Panzerkaserne stattfinden.
Jobs für Deutsche
Neuerung
Die US Army Garrison Stuttgart hat kürzlich eine Webseite erstellt, die Deutschen dabei helfen soll, sich auf freie Stellen auf den amerikanischen Stützpunkten zu bewerben. Dort stehen auch Informationen zu den Einstellungsvoraussetzungen und Arbeitsbedingungen. Die Adresse ist https://home.army.mil/stuttgart/index.php/jobs-bei-uns.
Die Webseite
Die Seite wird als MNRS (Multi-National Recruitment System) bezeichnet. Dort können Interessierte ein Profil anlegen und die offenen Stellen nach Land und nach Ort filtern – zum Beispiel Böblingen (Boeblingen im MNRS). Andernfalls werden alle offenen Stellen in ganz Europa und Fernost angezeigt.