US-Präsident Donald Trump Krypto und Korruption
Donald Trump hat die Welt der Kryptowährungen als ideale Plattform entdeckt, um den Wohlstand seiner Familie zu mehren.
Donald Trump hat die Welt der Kryptowährungen als ideale Plattform entdeckt, um den Wohlstand seiner Familie zu mehren.
Ein Gala-Dinner mit dem Präsidenten, eine persönliche Begegnung auf dem Golfplatz oder eine Führung Donald Trumps durch das Weiße Haus – das sind die Hauptpreise für die größten Investoren in $TRUMP-Coins. So heißt die digitale Spaßwährung, die Trump kurz vor Beginn seiner zweiten Amtszeit erfand. Ein Sammlerstück, hinter dem kein realer Wert steht, wie die Website im Kleingedruckten selbst feststellt. „Der $TRUMP-Token ist kein Wertpapier und sollte nicht als Anlage erworben werden.“
Doch Trump heizte den Hype durch eine Auktion an, in der er private Interessen und sein öffentliches Amt verknüpfte. „Kommen Sie zum Dinner mit Präsident Trump und der $TRUMP Community!“, wirbt das Unternehmen hinter der digitalen Meme-Währung. „Lassen Sie den Präsidenten wissen, wie viele $TRUMP-Coins SIE besitzen!“ Die Botschaft ist unmissverständlich. Je mehr Coins jemand kauft, desto größer die Chance auf direkten Zugang zum mächtigsten Mann der Welt. Die digitale Währung erlebte nach ihrer Einführung eine beispiellose Wertsteigerung. Der Gesamtwert aller Coins stieg zunächst auf fast 14 Milliarden Dollar, bevor er auf aktuell etwa 2,5 Milliarden Dollar zurückging.
Hinter dem $TRUMP-Token steckt ein komplexes Firmengeflecht. Fight Fight Fight LLC, als Sponsor des Meme-Coins eingetragen, wird von Bill Zanker geleitet, einem langjährigen Geschäftspartner Trumps. Die Einnahmen aus den Transaktionsgebühren fließen zu einem unbekannten Anteil an CIC Digital LLC, die laut Trumps letzter Finanzoffenlegung vollständig in seinem Besitz war. Die Trump-Familie besitzt 80 Prozent aller Coins – 800 Millionen Token mit einem theoretischen Wert von zwei Milliarden Dollar. Die Investoren machen kein Geheimnis daraus, was sie sich von der Geldausgabe erhoffen. Der Gründer der australischen Kryptofirma Infinex, Kain Warwick, sagte der New York Times, auf diesem Weg zu einer Begegnung mit dem US-Präsidenten zu kommen, sei eine Gelegenheit, um über eine Lockerung der Kryptoregulierung zu sprechen.
Der mexikanische Transportunternehmer Javier Selgas meinte, er hoffe mit dem Erwerb von $TRUMP im Wert von 20 Millionen Dollar die Möglichkeit zu bekommen, „den Präsidenten für eine Senkung der Mexiko-Zölle zu gewinnen.“
Für Aufsehen sorgte zudem die chinesische GD Culture Group, die ankündigte, bis zu 300 Millionen Dollar in $TRUMP zu investieren. Das Geld für den Kauf sei von „einem unbekannten Investor“ gekommen, bestätigt das Unternehmen. Der Zeitpunkt ist bemerkenswert, da die Trump-Administration ein TikTok-Verbot berät. Wer zu den glücklichen Gewinnern der Auktion gehört, blieb bis zum Schluss offen. Sicher ist, dass der größte Profiteur der Präsident der Vereinigten Staaten selbst und dessen Familie ist.
Die Einnahmen aus den Transaktionsgebühren belaufen sich laut Analysen des Finanzdienstleisters Chainalysis bereits auf 320 Millionen Dollar. Das ist jedoch nur ein Bruchteil des potenziellen Gewinns: Die 800 Millionen Token, die sich im Besitz der trumpnahen Unternehmen befinden, könnten jederzeit verkauft werden, wenn der Preis günstig erscheint. Viel lukrativer noch sind die Investitionen der Trumps in World Liberty Financial, ein Unternehmen, das anstrebt, so etwas wie die JPMorgan Chase Bank der Krypto-Welt zu werden. Möglich machen es Milliarden-Investitionen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Eric und Donald Jr. sitzen im Management von World Liberty Financial (WLF), zusammen mit Zach Witkoff, dem Sohn von Steve Witkoff, Trumps Nahostbeauftragten. Die Trump-Organisation hält 60 Prozent an WLF. Anfang Mai gab ein Investmentunternehmen aus Abu Dhabi bekannt, zwei Milliarden Dollar in World Libertys Stablecoin USD1 zu investieren – ein Deal, der aus dem im Oktober gegründeten Startup über Nacht einen der größten Stablecoin-Anbieter der Welt macht.
Stablecoins wie USD1 sind digitale Währungen, deren Wert an den US-Dollar gekoppelt ist. Für jeden USD1-Token muss ein echter Dollar hinterlegt werden. Die Zinseinnahmen fließen an die Herausgeber, in diesem Fall an World Liberty Financial und damit an die Trump-Familie.
Daneben haben die Trumps noch weitere Ausflüge in die Kryptowelt unternommen. Donald Trump Jr. kündigte erst kürzlich die Gründung eines börsennotierten Bitcoin-Mining-Unternehmens an. Auch Melania Trump hat ihren eigenen Meme-Coin herausgegeben, wenn auch mit deutlich weniger Erfolg als der ihres Mannes.
Experten sehen einen direkten Zusammenhang zwischen Trumps Krypto-Geschäften und seinen regulatorischen Entscheidungen. Kurz nach Amtsantritt ließ seine Regierung eine Klage gegen das Krypto-Unternehmen Ripple fallen, das 4,9 Millionen Dollar für seine Inaugurationsfeier gespendet hatte. Das Justizministerium löste die Abteilung für Krypto-Kriminalität auf.
Unter früheren republikanischen und demokratischen Regierungen hätte dies definitiv eine Untersuchung ausgelöst“, erklärte John Reed Stark, ehemaliger Leiter der Cyber-Kriminalitätseinheit der SEC. „Die Vermischung von persönlichen Geschäftsinteressen und Regulierungsentscheidungen ist beispiellos.“ Die Bedenken teilen auch viele im Kongress, wo die Kritik an Trumps Krypto-Geschäften wächst. „Es sieht sehr korrupt aus“, sagte der demokratische Senator Ron Wyden aus Oregon, während der Anhörung zu einem neuen Gesetz, das Trumps World Liberty Financial zugutegekommen wäre. Selbst republikanische Senatoren, wie Senatorin Cynthia Lummis, teilen die Bedenken. „Die Optik ist schwierig.“ Das Gesetz liegt nun auf Eis.