US-Schießlärm Endlich mehr Lärmschutz für US-Kaserne

US-Spezialkräfte wie diese im Einsatz in Jordanien üben auf den Schießständen  der Böblinger Panzerkaserne für Einsätze in aller Welt. Foto: AP
US-Spezialkräfte wie diese im Einsatz in Jordanien üben auf den Schießständen der Böblinger Panzerkaserne für Einsätze in aller Welt. Foto: AP

Seit 20 Jahren klagen die Nachbarn der Böblinger Panzerkaserne über den Schießlärm des US-Heeres. Doch laut US-Militär naht in Kürze Besserung – durch ganz einfache Baumaßnahmen.

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Böblingen - Am Ende klingt die Lösung für den langjährigen Streit zwischen den Anwohnern des Böblinger Wohngebietes Rauher Kapf und der US-Army kinderleicht: Mitte August werden US-Pioniere des 15. Pionierbataillons in Grafenwöhr an den beiden offenen Schießbahnen mit Erde befüllte, mannshohe Plastikfässer aufbauen. Außerdem sollen am Ende der Schießbahnen vier und fünf zusammenklappbare Tore zusätzlich für Schallschutz sorgen. Damit solle der belastende Schießlärm erheblich gesenkt werden, und zwar unter die zulässige Obergrenze von 60 Dezibel.

Auch weil die Army das vorher mit Hilfe der Bundeswehr bereits gemessen hat, ist sie optimistisch: „Wir sind zuversichtlich, dass wir dieses Ziel erreichen werden“, sagt Mike Anderson, beim Hauptquartier des US-Heeres in Wiesbaden zuständig für die Beziehungen zu Deutschland. Nach Abschluss der Baumaßnahmen wolle man aber im September sicherheitshalber noch einmal nachmessen, sagt Anderson.

Rund 88000 Euro für den Lärmschutz

Die Kosten für den Lärmschutz belaufen sich demnach auf umgerechnet rund 88 000 Euro, die alleine vom US-Militär getragen werden. Die nun angestrebte Lösung bringt zwar keinen so guten Schallschutz wie ein Deckel. Mit einem solchen hatte die Army vor ein paar Jahren bereits drei weitere Schießbahnen gedämmt. Doch der Deckel für die beiden letzten offenen Schießbahnen hätte mehr als drei Millionen Euro gekostet. Das wollten die US-Streitkräfte nicht bezahlen, zumal sie nicht wissen, wie lange sie den Schießstand der Panzerkaserne überhaupt noch nutzen werden.

So gebe es Überlegungen, die Schießübungen der in Böblingen stationierten US-Spezialkräfte – das Erste Bataillon der 10. Spezialkräfte-Gruppe, Army Rangers, und die Spezialkräfte der Marine Einheit Zwei – auf den US-Stützpunkt Baumholder in Rheinland-Pfalz zu verlegen, berichtet Anderson. Das könne aber frühestens im nächsten Haushaltsjahr ab September 2016 entschieden werden. Immerhin heißt es aus US-Militärkreisen, der zuständige US-Heeres-Kommandeur Ben Hodges befürworte die Umzugspläne.

Bundeswehr-General Laubenthal treibt die Dinge voran

Die Anwohner in dem betroffenen Böblinger Wohngebiet mit rund 1000 Bewohnern reagieren erleichtert auf die neuen Nachrichten: „Wir sind sehr optimistisch, da wird sehr ernsthaft an einer Lösung gearbeitet“, sagt Ulrich Durst, der Sprecher der rund 150 Mitglieder zählenden Bürgerinitiative Rauher Kapf gegen den Schießlärm der US-Army. Experten seien mehrfach vor Ort gewesen und hätten untersucht, wie mit weniger aufwendigen Maßnahmen ein besserer Schallschutz zu erreichen sei, berichtet der Rentner. Allerdings will er erst die Messungen nach der Umsetzung der neuen Baumaßnahmen abwarten, bevor er Entwarnung gibt. „Im Augenblick kann niemand sagen, wie das ausgeht“, sagt Durst.

Der Böblinger Oberbürgermeister Wolfgang Lützner freut sich: „Wir sind einer tatsächlichen Reduzierung des Schießlärms naher gekommen.“

Verworrene Zuständigkeiten verlängern den Zwist

Viele, die sich mit der Sachlage auskennen, schreiben die jetzigen Fortschritte dem deutschen Brigadegeneral Markus Laubenthal zu, der als Stabschef im Wiesbadener Hauptquartier des US-Heeres in Europa seit dem Jahreswechsel 2014/15 Bewegung in den Dauerstreit zwischen den Deutschen und der US-Seite brachte. Laubenthal hält die jetzt angestrebte Lösung für „erfolgversprechend“: „Wir hoffen, dass wir den betroffenen Menschen mit kleinem Geld eine deutliche Entlastung verschaffen können“, sagt er auf Anfrage.

Aber warum dauert ein solcher Streit überhaupt 20 Jahre? Ein Teil der Antwort liegt sicher bei der verworrenen Zuständigkeit: Die Kaserne liegt auf einem Grundstück, das dem Bund gehört und von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) verwaltet wird. Zuständig sind je nach Aufgabe Karlsruhe, Reutlingen, Bonn, Berlin, Wiesbaden sowie das Pentagon und der Kongress in Washington mit vielen, ständig wechselnden Ansprechpartnern. Gemeinderat oder Stadtverwaltung in Böblingen und Schönaich, auf deren Gemarkung die Panzerkaserne liegt, werden über Absichten der Amerikaner bestenfalls informiert. Hinzu kommt der Streit zwischen deutschen und US-Stellen, wer was zu bezahlen hat.




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