US-Army in Böblingen Einkaufen wie in Amerika - US-Militär baut XXL-Supermarkt

, aktualisiert am 18.06.2025 - 10:59 Uhr
Beim Spatenstich: Kommandant Oberstleutnant Kirk Alexander, Oberstabsfeldwebel Christopher Melendez, Dirk Frey von Bundesbau Baden-Württemberg, Günther Seher vom Bauunternehmen Züblin, Gisa Gaietto vom Böblinger Ordnungsamt, Justin Wetherwax vom US Army Corp of Engineers, Tracie Russ von der Defense Commissary Agency und Master Gunnery Sergeant Anthony Polk. Foto: Eibner-Pressefoto/Max Vogel

Das US-Militär baut in Böblingen einen neuen Supermarkt für seine Streitkräfte. 47 Millionen Dollar soll das Projekt kosten, das auf deutscher Seite umstritten ist.

Böblingen: Julia Theermann (the)

Dass beim Spatenstich für eine Baustelle der christliche Gott um Beistand ersucht wird, das dürfte hierzulande wohl nicht allzu häufig vorkommen. Von den Anwesenden bei den Feierlichkeiten zum Baubeginn des Militär-Supermarkts auf dem Gelände der Panzerkaserne in Böblingen lässt sich das jedoch niemand anmerken.

 

Der sogenannte Commissary, ein Vollsortimenter, in dem die Soldaten und ihre Familien mit ordentlich Rabatt einkaufen können, wird voraussichtlich 2028 eröffnen.

Die Gästeliste ist lang und hochrangig

Die Mittagssonne brennt auf das Sträßchen zwischen dem Panzer Exchange und der riesigen Baugrube, als die rund 50 geladenen Gäste aus Militär, Böblinger Stadtverwaltung und Landesverwaltung die Köpfe beugen und Master Gunnery Sergeant Anthony Polk aus dem Marine Corp seine Anrufung spricht. Polk ist bei der Defense Commissary Agency (DeCA) für die aktuell 57 Militär-Lebensmittelgeschäfte in Europa zuständig – und wird außerdem als Militär-Kaplan eingesetzt. Auch weitere DeCa-Führungskräfte sind für die Zeremonie angereist.

Eine Blechlawine wird auf Böblingen zurollen

Das Bauprojekt ist in Böblingen nicht unumstritten. Eigentlich hatte das Militär schon vorgehabt, den Supermarkt 2018 zu bauen. Es gab aber Widerstand von deutscher Seite. Ein Großteil der Bedenken hing an der Panzerstraße, die zur Kaserne führt. Da der Commissary die bestehenden Lebensmittelläden mehrerer Stützpunkte in der Region Stuttgart ersetzen soll, rollt auf Böblingen nach der Eröffnung gewissermaßen eine Blechlawine zu. Mehr als 27 000 Menschen aus der Region sollen später einmal in dem Supermarkt einkaufen.

In ihrem Zustand von 2017 hätte die Panzerstraße dem Verkehrsaufkommen nicht standhalten können. Bis 2022 wurde die Straße darum ausgebaut und mit Abbiegespuren sowie Ampeln versehen, um den Verkehr zur Kaserne besser leiten zu können. Das US-Militär beteiligte sich damals maßgeblich an den Kosten für die Bauarbeiten.

Nun hat es die Planungen für seinen Soldaten-Supermarkt wieder aufgenommen. Und nach einer Verschiebung des Spatenstichs von April auf Juni soll es nun auch schnell gehen. Während der gesamten Zeremonie sind Lastwagen zu beobachten, die die Baustelle vorbereiten. Eine Pause macht von den Arbeitenden keiner.

Bisherige Läden werden geschlossen

Für den Spatenstich stehen der Kommandant der US Army Garnison Stuttgart (USAG), Colonel Kirk Alexander, sowie Gisa Gaietto vom Böblinger Ordnungsamt, Dirk Frey von Bundesbau Baden-Württemberg, Günther Seher von Züblin und die restlichen Beteiligten nämlich nicht wie üblich auf einem leeren Baufeld – hinter ihnen klafft bereits die riesige Baugrube, in der das 6200 Quadratmeter große Gebäude mit 3500 Quadratmetern Verkaufsfläche entstehen soll. Auch ein Parkhaus mit mehr als 300 Stellplätzen ist geplant – für die anwesenden Amerikaner ein Grund zum Jubeln. Offenbar herrscht Parkplatzmangel auf dem Stützpunkt.

Mit dem Bau des Commissary auf dem Gelände der Panzer Kaserne soll sich am bisherigen Netzwerk von Lebensmittelgeschäften des US-Militärs in der Region Stuttgart einiges ändern.

Die meisten kleineren Läden werden geschlossen

Bislang gibt es in der Böblinger Kaserne sowie in den Kelly Barracks in Stuttgart jeweils kleine Läden sowie auf den Patch und Robinson Barracks größere Geschäfte für den täglichen Bedarf. „Die meisten davon werden geschlossen werden, wenn der Commissary in Böblingen in Betrieb geht“, sagt Peter Faber vom Pressebüro der USAG, die all diese Stützpunkte betreut.

Um die Gemüter zu beruhigen, würden einige der Läden allerdings vorübergehend noch geöffnet bleiben. Immerhin, sagt er, liegen die Stützpunkte teilweise weiter von Böblingen entfernt, als dass ein Wocheneinkauf dort eben schnell bewältigt werden könne.

Doch warum überhaupt eigene Supermärkte? Für den noch amtierenden Kommandanten in Böblingen, Colonel Kirk Alexander, ist es unter anderem eine Frage der Lebensqualität. „Es sind teilweise die einfachen Freuden, die den Streitkräften und ihren Familien die Zeit im Ausland erleichtern können“, sagt er.


Etwas Heimat in Übersee

Zumal beispielsweise das Erfrischungsgetränk Dr. Pepper in Deutschland einfach anders schmecke als in der Heimat. Sowohl für die Soldatinnen und Soldaten als auch für ihre mitgereisten Familien sei ein Commissary ein Ort, an dem sie verlässlich die Dinge vorfinden, an die sie gewöhnt sind. Das soll dem Hochhalten der Moral dienen.

47 Millionen Dollar lässt sich die US-Regierung das Projekt in Böblingen nach aktuellen Schätzungen kosten. Dem deutschen Steuerzahler, wird beteuert, entstehen keinerlei Kosten. Insgesamt wolle das United States Army Corp of Engineers, das beim Militär sämtliche Bautätigkeiten ausführt, 200 Millionen Dollar in ihre Standorte in der Region stecken.

Das sei, sagte Justin Wetherwax aus dessen Europa-Büro, ein Zeichen dafür, wie sehr die USA hinter dem Standort Deutschland stünden.

Versorgung von Soldaten

Geschäfte
Für US-amerikanische Soldaten gibt es vom Militär eigens errichtete Läden. Hier können Befugte steuerfrei einkaufen. Es werden allerdings fünf Prozent aufgeschlagen, um Neubauten und Modernisierungen zu finanzieren. Die Läden sollen Soldaten und ihren Familien den Alltag erleichtern – besonders, wenn sie im Ausland eingesetzt sind.

Exchange
Ein Exchange bietet in der Regel Waren und Dienstleistungen an. Es gibt aber auch beispielsweise Fast-Food-Läden in den Märkten.

Commissary
In einem Commissary gibt es vieles zu kaufen, was man auch in einem regulären amerikanischen Supermarkt erwarten würde. Haushaltswaren, Lebensmittel, frisches Obst und Gemüse sowie Fleisch kann dort in der Regel gekauft werden.

Kundschaft
In einem US-Commissary oder einem Exchange kann einkaufen, wer mit dem Militär zu tun hat, wer als Veteran beispielsweise bestimmte Orden bekommen hat, oder wer in der Vergangenheit in Kriegsgefangenschaft war. Auch Mitglieder der Nationalgarde können dort einkaufen.

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