Beim Independence Day am 4. Juli 2025 feierten Deutsche und Amerikaner gemeinsam in der Panzerkaserne. Foto: Stefanie Schlecht
Bundeskanzler Merz kritisiert vor einer deutschen Schulklasse den Irankrieg, US-Präsident Trump zieht daraufhin Truppen ab. In Böblingen wartet man noch ab.
Von „Schmetterlingseffekt“ spricht man, wenn der Flügelschlag eines Falters auf der einen Seite der Erde theoretisch auf der anderen einen Wirbelsturm auslöst. Ähnlich verhält es sich derzeit mit der Weltpolitik, wo eine mehr oder minder bedachte Äußerung von Kanzler Friedrich Merz zum Irankrieg vor einer deutschen Schulklasse jenseits des Atlantiks US-Präsident Donald Trump dazu veranlasst, aus Trotz mal eben so neue Strafzölle anzukündigen, die geplante Stationierung von Tomahawk-Marschflugkörpern zu stoppen und ein paar Tausend Soldaten aus Deutschland abzuziehen. In Böblingen, wo die amerikanische Militärpräsenz eine wichtige Rolle spielt, verfolgt man diese Entwicklung mit großem Interesse.
Nach bisherigem Stand beschränken sich die konkreten Abzugspläne auf 5000 im bayrischen Vilseck stationierte US-Soldaten. Donald Trump hatte zuletzt jedoch deutlich höhere Zahlen angedroht. Ob davon die Region Stuttgart und damit auch die Böblinger Panzerkaserne betroffen sind, ist bislang unklar. Das Stuttgarter Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa (Eucom) hält sich mit verbindlichen Aussagen ebenso zurück wie das ebenfalls in Stuttgart angesiedelte Afrika-Kommando (Africom).
Change of Command auf dem Paradeplatz der Panzerkaserne: Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz (Mitte) und Erster Bürgermeister Tobias Heizmann (links) begrüßen den neuen Garnisonskommandanten Colonel Edward J. Sanford. Foto: Stefanie Schlecht
Abzug der US-Truppen aus Deutschland kommt nicht überraschend
Ganz überraschend kommt die Truppenreduzierung nicht. Bereits 2020 wollte Trump 12 000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen. Das Vorhaben wurde nach dem Wahlsieg des Demokraten Joe Biden aber nicht umgesetzt. Stattdessen investieren die Amerikaner weiterhin kräftig in die beiden Stuttgarter Hauptquartiere und auch in die zuständige Standortverwaltung der US-Garnison Stuttgart in Böblingen. Dort, auf dem Gelände der Panzerkaserne, entsteht derzeit für 47 Millionen Euro ein 6900 Quadratmeter großer Supermarkt. Spatenstich war im Juni 2025, die Fertigstellung ist für das Frühjahr 2028 geplant.
Auf der anderen Seite gibt es durchaus auch Abgänge – die allerdings wohl bereits längerfristig geplant waren. Wie unsere Zeitung im März recherchiert hatte, verlassen nämlich die „Green Berets“, eine Eliteeinheit der US Army, wohl aus Platzgründen den Standort Böblingen. Die Spezialtruppe wird nach Baumholder in Rheinland-Pfalz verlegt, wo den Soldaten 11 000 statt wie bisher in Böblingen 600 Hektar zur Verfügung stehen. Betroffen sind 1500 Personen, darunter Soldaten, ihre Familien und zivile Kräfte. Vor zwei Jahren bezifferte der damalige Standortkommandant Colonel Kirk Alexander die Zahl der Militärangehörigen in der US-Garnison Stuttgart auf 28 000 – darin sind neben Soldaten auch Familien und zivile Kräfte mit eingerechnet.
US-Truppen für Böblingen ein enormer Wirtschaftsfaktor
Für die Region und den Landkreis Böblingen bedeutet die US-Präsenz einen enormen Wirtschaftsfaktor – sei es in der Gastronomie, im Einzelhandel oder auf dem Wohnungsmarkt. Allerdings wird dabei auch Kritik laut, weil viele den Eindruck haben, die Amerikaner würden die Mietpreise hochtreiben. Nach Auskunft der Militärverwaltung wohnen rund 70 Prozent der hier stationierten Amerikaner außerhalb der Kasernen. Bei einem bereits einige Jahre zurückliegenden „Media Day“ hatte eine damalige Pressesprecherin der US-Garnison Stuttgart gesagt, dass die hier stationierten Amerikaner jährlich rund 250 Millionen Euro außerhalb der Kasernen ausgeben.
US-Präsenz habe Böblingen geprägt
Sowohl im Stuttgarter als auch im Böblinger Rathaus hofft man deshalb auf den Verbleib der Amerikaner. Wie Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne) dieser Zeitung mitteilte, lägen ihm noch „keine belastbaren Informationen vor“, ob der Standort Panzerkaserne konkret von Abzugsplänen betroffen wäre. „Böblingen steht in engem, vertrauensvollem und freundschaftlichem Austausch mit der U.S. Army Garrison Stuttgart“, betonte Belz die Bedeutung der amerikanischen Präsenz. Diese habe Böblingen „über Jahrzehnte historisch, gesellschaftlich und durch viele persönliche und partnerschaftliche Begegnungen geprägt“, so der Stadtchef.