Störfeuer von Donald Trump Zölle bedrohen deutsche Alu-Branche

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Die vom US-Präsidenten Donald Trump eingeführten Importzölle auf Aluminium können einen weltweiten Preisverfall bei dem Leichtmetall auslösen. Experten schließen Pleiten in der deutschen Branche nicht aus.

Innerhalb von nur zehn  Jahren hat  China die  Aluminiumproduktion  vervierfacht und  seinen  Marktanteil   massiv ausgebaut. Foto: AFP
Innerhalb von nur zehn Jahren hat China die Aluminiumproduktion vervierfacht und seinen Marktanteil massiv ausgebaut. Foto: AFP

Stuttgart - Den 11. April 2018 werden die Autohersteller und Zulieferer so schnell wohl nicht vergessen. Innerhalb kürzester Zeit schnellte der Preis für Aluminium an der Londoner Rohstoffbörse um 13 Prozent auf mehr als 2266 US-Dollar pro Tonne in die Höhe. Es war der höchste Preisanstieg innerhalb einer so kurzer Zeit in den vergangenen 30 Jahren. Für kurze Zeit war überhaupt kein Aluminium mehr auf dem Markt zu haben, erinnert sich Peter Kasimir, Geschäftsführer der Curef GmbH, die im Bereich Metall- und Kunststoffhandel tätig ist. Wenige Tage später ist der Kurs wieder eingebrochen.

Hinter der Berg-und-Tal-Fahrt an der Börse steckt keine Naturkata­strophe. Vielmehr handelt es sich um „politische Störmanöver“, wie es ZF-Vorstandschef Wolf-Henning Scheider im Interview mit unserer Zeitung nannte. Die Störfeuer kommen aus den USA, initiiert von US-Präsident Donald Trump. Sie haben das Potenzial, den Weltmarkt durcheinanderzuwirbeln, Insolvenzen nicht ausgeschlossen.

Bann über Rusal

Verunsichert werden die Marktteilnehmer zum einen durch den Bann gegen den Rusal-Konzern. Unternehmen, die in den USA aktiv sind, dürfen keine Geschäfte mit dem russischen Aluriesen machen, hat Trump verfügt. Ursprünglich sollte das Verbot sofort in Kraft treten, jetzt ist der Termin auf Oktober verschoben. Vielleicht fällt das Thema auch ganz, nachdem der Oligarch und Rusal-Gründer Oleg Deripaska, der Trump ein Dorn im Auge war, seinen Posten aufgegeben hat. Zu Verunsicherung führt zudem, dass die USA Aluminium mit einem Importzoll von zehn Prozent und Stahl mit 25 Prozent belegt haben. Unter anderem für die EU gilt derzeit noch eine Übergangsfrist, die am 1. Juni ausläuft. Übrigens erhebt die EU auch Importzölle auf Aluminium, die je nach Produkt zwischen drei und sechs Prozent liegen und auch für die USA fällig werden.

Aluminium ist aus der Industrie nicht wegzudenken. Dank Aluminium werden Autos leichter. Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor stoßen dann weniger Abgase aus, bei elektrisch angetriebenen Autos erhöht sich die Reichweite. Züge, Flugzeuge, Getränkedosen, Schiffe, Sportgeräte, Haushaltsgeräte und Verpackungen benötigen Aluminium. Knapp 50 Prozent des hierzulande verarbeiteten Aluminiums wird im Verkehrssektor verarbeitet. Wie wichtig der Rohstoff im Auto ist, zeigt ein Beispiel: Leichtmetalle wie Aluminium machen 19 Prozent des Fahrzeuggewichts beim Daimler-Modell E220d aus. Verglichen mit dem Vorgängermodell sind das sieben Prozent mehr Leichtmetalle.

Weltweit werden 60 Millionen Tonnen produziert

Weltweit wurden im vergangenen Jahr gut 60 Millionen Tonnen Aluminium produziert, hat die Düsseldorfer IKB-Bank ausgerechnet, Tendenz steigend. 54 Prozent der Weltproduktion stammen aus einem einzigen Land: China. Die EU bringt es auf einen Weltmarktanteil von sieben Prozent. Wie massiv sich der Markt verändert hat, zeigen folgende Zahlen: Während China seine Produktion innerhalb von zehn Jahren mehr als vervierfacht hat, ist die der Vereinigten Staaten eingebrochen. Im Jahr 2013 wurden in den USA noch gut zwei Millionen Tonnen Aluminium hergestellt, vier Jahre später waren es nur noch 740 000 Tonnen. In der Aluminium- und der Stahlindustrie zusammen arbeiten noch 200 000 Menschen.

Gleichzeitig sind die US-Einfuhren gestiegen: Aus China sollen in diesem Jahr 365 000 Tonnen importiert werden, aus Russland 610 000 Tonnen und aus den Golfstaaten sogar 855 000 Tonnen, geht aus eine Studie hervor, die Marcus Taube, von der Universität Duisburg-Essen erstellt hat. Deutschland liefert pro Jahr 80 000 Tonnen Aluminium in die USA.

Niedergang der US-Aluminiumindustrie

Den Niedergang der Aluminiumindustrie will US-Präsident Trump stoppen. Er nimmt dafür in Kauf, die US-Aluminiumverarbeiter zusätzlich zu belasten. Dass Einfuhrzölle – aus US-Sicht – zu sinkenden Importen führen, daran haben Experten keinen Zweifel. Taube, Inhaber des Lehrstuhls für Ostasienwirtschaft/China an der Universität Duisburg-Essen, erwartet, dass die deutschen Aluminiumexporte in die USA in diesem Jahr um knapp sieben Prozent und 2019 um 20 Prozent einbrechen werden. China dürfte sogar 20 und 25 Prozent weniger in die USA liefern, schätzt Taube. Diese dann vagabundierenden Mengen werden sich neue Märkte suchen – ein Drittel davon, schätzt der Universitätsprofessor, werden in der EU landen. Kein Wunder, dass in der Branche bereits die Alarmglocken schrillen, schließlich gibt es bereits weltweit Überkapazitäten. Erinnerungen an die Stahlschwemme werden wach. Vor einigen Jahren hat Brüssel Strafzölle auf Billigstahl aus Russland und China verhängt, der den EU-Markt quasi überschwemmt hat. Bis jetzt gibt es keine Erkenntnisse, ob es bereits zu Verschiebungen gekommen ist, sagt André Wolf, Leiter der Forschungsbereiche Weltwirtschaft, Konjunktur und internationaler Handel sowie Energie, Klima und Umwelt beim Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI).

„Wir rechnen damit, dass der Preisverfall im zweiten Halbjahr einsetzen wird“, nennt Kasimir, der auch Vorstandsmitglied des Verbands Deutscher Metallhändler (VDM) ist, eine Folge dieser Entwicklung. Und er kommt für viele Unternehmen zu einem falschen Zeitpunkt. „Die Unternehmen sind nicht fit“, sagt Maik Köhler, Prokurist bei Curef und zuständig für Metallmanagement und -controlling. Er redet von der wirtschaftlichen Lage der Firmen und davon, wie schwer es für die Unternehmen sei, an Bankkredite zu kommen. In Deutschland gibt es 600 Unternehmen (Stand 2015) mit zusammen 74 000 Beschäftigten in der Aluminiumindustrie sowie 224 Unternehmen mit 25 000 Mitarbeiter im Bereich Metallhandel. Bereits bei der weltweiten Finanzkrise 2008 und 2009 hätten etliche Unternehmen Insolvenz anmelden müssen. Dies könnte nun wieder geschehen, befürchtet Kasimir. Er will nicht ausschließen, dass Produktion gen Osten abwandern könnte – dorthin, wo die Umweltstandards geringer sind.

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