US-Verteidigungsminister Pete Hegseth wegen zweitem Chat auf dem Schleudersitz

Pete Hegseth dementiert Spekulationen über sein vorzeitiges Ende an der Spitze des Pentagon. Foto: AFP/Oliver Contreras

Der Pentagon-Chef ist nach dem Auftauchen eines zweiten Signal-Chats mit geheimen Informationen über einen Militärschlag in Jemen in der Kritik. Sein Ministerium versinkt nach Aussagen von Insidern im Chaos.

Surrealer könnte die Szene kaum sein. Während ein überdimensionierter Stoffhase auf dem Südrasen des Weißen Hauses freundlich den Kindern beim Ostereierrollen zuwinkt, dementiert Verteidigungsminister Pete Hegseth mit grimmiger Miene Spekulationen über sein vorzeitiges Ende an der Spitze des Pentagon. „Es gab keine klassifizierten Informationen in irgendeinem Signal-Chat, egal, wie oft sie versuchen, die Geschichte umzuschreiben“, erklärte Hegseth gegenüber anwesenden Journalisten. Bisher hat der ehemalige FOX-Moderator eines Sonntagsmagazins noch die Rückendeckung von Donald Trump. „Er macht einen großartigen Job – fragt die Huthis, wie er sich macht“, verteidigte der Präsident seinen Verteidigungsminister bei derselben Veranstaltung. Später nannte Trump auf seiner Social-Media-Plattform Spekulationen über einen möglichen Austausch Hegseth „Fake News“. Diese brächten „unzufriedene Mitarbeiter“ in Umlauf, weil der Pentagon-Chef „viele schlechte Menschen“ in seinem Ministerium feuere.

 

Neue Anschuldigungen wiegen schwer

Laut New York Times teilte Hegseth sensible Informationen über den Jemen-Angriff vom 15. März in einem zweiten Signal-Chat mit dem Namen „Defense | Team Huddle“. In dieser Gruppe waren neben mehreren hochrangigen Mitarbeitern auch seine Ehefrau Jennifer, sein Bruder Phil und sein langjähriger persönlicher Anwalt Tim Parlatore. Der jetzige Skandal kommt nur vier Wochen nach „Signal-Gate 1.0“, als Hegseth und Trumps Nationaler Sicherheitsberater Michael Waltz versehentlich den Chefredakteur des Magazins „The Atlantic“, Jeffrey Goldberg, in eine Signal-Gruppe aufgenommen hatten. In dieser Gruppe teilten die beiden ebenfalls sensible Militärinformationen über den bevorstehenden Angriff auf Ziele im Jemen.

Gemäß Sicherheitsprotokollen müssen Gespräche über geheime Militäroperationen in einem sogenannten SCIF stattfinden, einem speziellen Raum, der gegen elektronische Überwachung abgeschirmt ist. Der Generalinspekteur des Pentagon untersucht auf Drängen des Senats die Vorfälle seit dem 3. April. Ein Sprecher lehnte einen Kommentar zu den neuen Enthüllungen mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen ab. Während beim ersten Mal die Brandmauer noch hielt, fordern nun die ersten Republikaner im Kongress Konsequenzen. „Er benimmt sich, als stünde er über dem Gesetz“, sagte der Republikaner Don Bacon, Mitglied des Verteidigungsausschusses im Kongress, gegenüber der US-Zeitung „Politico“. „Das zeigt, dass wir es mit einem Amateur zu tun haben.“

Führungsteam im Pentagon entlassen

Anders ist dieses Mal auch die Situation im Pentagon selbst. Dort feuerte Hegseth praktisch sein gesamtes Führungsteam ohne klare Begründung. Darunter finden sich sein Berater Dan Caldwell, der stellvertretende Stabschef Darin Selnick und Colin Carroll, der Stabschef von Hegseths Vize. Seinen Bürochef Joe Kasper schob der Minister auf einen anderen Posten ab. Die Entlassenen behaupten, ihnen sei nicht einmal mitgeteilt worden, was genau ihnen vorgeworfen wird. „Man sieht, wie der Verteidigungsminister praktisch sein gesamtes Führungsteam um sich herum entlässt“, analysiert die ehemalige Sprecherin im Pentagon unter Joe Biden, Sabrina Singh, die Dramatik der Situation in „The Atlantic“. „Das ist wirklich besorgniserregend“.

Am Sonntag prangerte der vor wenigen Tagen zurückgetretene Kommunikationsdirektor des Pentagon, John Ullyot, in der Zeitung „Politico“ die Zustände an. „Der letzte Monat war ein kompletter Zusammenbruch im Pentagon.“ Analysten in Washington vermuten, dass Hegseth bislang durch Trumps Weigerung gerettet wird, die Fehlbesetzung im Pentagon einzugestehen. Die demokratische Senatorin Tammy Duckworth fragte auf X, wie oft der Minister noch geheimdienstliche Informationen durchsickern lassen dürfe, „bevor Donald Trump und die Republikaner verstehen, dass er nicht nur ein verdammter Lügner ist, sondern eine Bedrohung für unsere nationale Sicherheit.“

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