US-Wahl und deutsche Autoindustrie Der US-Automarkt wird zum Problem
Mit und ohne Donald Trump müssen sich die deutschen Autohersteller nach der US-Präsidentschaftswahl auf ihrem wichtigsten Exportmarkt auf schwierige Zeiten einstellen.
Mit und ohne Donald Trump müssen sich die deutschen Autohersteller nach der US-Präsidentschaftswahl auf ihrem wichtigsten Exportmarkt auf schwierige Zeiten einstellen.
Der „Zoll-Mann“, diesen Titel trägt Donald Trump stolz auf der Brust. „Zoll ist das schönste Wort im Lexikon“, sagte er vor kurzem auf einer Wahlveranstaltung: „Schöner als die Worte Liebe oder Respekt.“
Inzwischen gibt es auch konkrete Schätzungen, wie teuer die von ihm für europäische Exporteure angekündigten Schutzzölle die deutsche Wirtschaft zu stehen kommen könnten. „Die deutsche Autoindustrie würde mit einem Minus von 32 Prozent besonders hart betroffen“, schreibt das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo. Das wäre doppelt so heftig wie der deutsche Export in die USA insgesamt.
Immerhin haben aber Mercedes, Volkswagen und BMW teils seit vielen Jahren Produktionsstätten in den USA. Und hier hat Donald Trump vor kurzem auf einer Wahlveranstaltung in Georgia geradezu den roten Teppich ausgerollt: „Ich will, dass deutsche Autofirmen amerikanische werden“, sagte er: „Ich möchte, dass sie hier ihre Werke bauen.“ Er lockte dabei mit niedrigen Steuern und Energiekosten.
Schon in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten haben deutsche Autofirmen und Zulieferer ihre Produktion in den USA systematisch ausgebaut. Zuletzt hat etwa der Zulieferer ZF solche Pläne vorgestellt. Aus Sicht der Hersteller ist es also durchaus eine Option, die Produktion vor Ort weiter zu steigern. Trump würde darüber triumphieren – und wohl durchaus dafür sorgen, dass die entsprechenden Firmen aus Deutschland belohnt würden. Doch bei solchen Produktionsverlagerungen würde der sowieso schon vorhandene Druck auf deutsche Werke steigen, zumal dies dann eine längerfristig folgenreiche Entscheidung wäre. Schwieriger wird es für Hersteller wie Porsche, die bisher in den USA nicht produzieren. Aber im Premiumsegment dürften Kunden die Kosten durch Zölle eher hinnehmen. Allerdings ist es nicht so einfach, den US-Markt vor allem aus den dortigen Werken zu bedienen. Manche Modelle kommen bisher allein aus Deutschland – oder aus deutschen Werken in Mexiko, die Trump ebenfalls durch massive Zölle benachteiligen will.
Doch auch bei einem Sieg von Kamala Harris warten einige Probleme. Schon unter dem bisherigen Präsidenten Joe Biden mussten deutsche Firmen erleben, wie rasch ihre bisherigen Lieferketten durch amerikanischen Protektionismus unter Druck kommen. Joe Biden hat das mit seiner Abwehrpolitik gegen China und bei seiner Förderung von E-Autos durchexerziert.
Schon jetzt mussten Hersteller wie BMW bei der Produktion für den US-Markt umplanen, um zu vermeiden, dass ihre in den USA verkauften Modelle bestimmte chinesische Bauteile enthalten, wenn die entsprechenden Unternehmen auf der Verbotsliste der USA stehen. Kompliziert wird es auch, wenn Unternehmen aus anderen Ländern chinesische Besitzer haben.
Das hat bisher wegen der in diesem Bereich heute größeren Rolle von chinesischen Zulieferern vor allem Elektromodelle betroffen. Zudem war eine Bedingung der E-Auto-Förderung unter Biden, dass ein relevanter Teil der Fahrzeugkomponenten in den USA hergestellt wurde. Auch Porsche liebäugelte angesichts der amerikanischen Förderpolitik damit, ein künftiges Batteriewerk in den USA zu errichten.
Zumindest die Fußangeln für E-Autos dürfte Trump mit einem Federstrich beenden – indem er solche Subventionen samt der an sie geknüpften Bedingungen einfach abschafft. Aber auch daraus könnte ein strategisches Dilemma für die deutsche Autoindustrie entstehen. Denn in diesem Fall dürften die USA vor allem ein Exportmarkt für Verbrenner bleiben, total gegenläufig zur Entwicklung in China.
In einer Zeit, in der auch die EU chinesische Autos mit Schutzzöllen belegt, dürfte Trump also lediglich einen Prozess radikalisieren und beschleunigen, der sich schon länger abzeichnet. Die Zeiten des „Weltautos“ sind vorbei, die Märkte in Europa, China und den USA entwickeln sich unter anderem wegen des wachsenden Protektionismus auseinander – was die Produktion insgesamt teurer und schwieriger macht.
Die Deutschen können nur hoffen, dass an bestimmten Punkten die US-Autoindustrie, zu der ja auch die in europäischem Besitz befindlichen Marken Chrysler und Dodge gehören, aus eigenem Interesse alles tun wird, um die Regelungen zu entschärfen. Das betrifft insbesondere die von deutschen Herstellern forcierte Produktion in Mexiko für den nordamerikanischen Markt. Hier würden hohe Zölle am Ende das gesamte nordamerikanische Freihandelsabkommen aushebeln.
Zoll-Pläne
Donald Trump hat angekündigt, die bisher bei etwa zwei bis drei Prozent liegenden amerikanischen Zölle auf Produkte aus Europa auf zehn bis 20 Prozent zu erhöhen. Das wäre zwar weniger als die 100 Prozent, die er für chinesische Importe anvisiert, aber dennoch eine Vervielfachung.
Markt
Die USA waren 2023 vor Großbritannien und China der wichtigste Exportmarkt für die deutsche Autoindustrie. Mit 400 138 Fahrzeugen und elf Prozent Wachstum entwickelte sich laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) der US-Markt deutlich besser als China, wohin der Export um 15 Prozent auf 216 299 Autos zurückging.