US-Wahl und Techno-Milliardäre Silicon Valley als Steigbügelhalter für Trump

Tesla-Gründer Elon Musk als Einpeitscher auf einer Wahlveranstaltung von Donald Trump. Foto: AFP/Angela Weiss

Trumps fanatischer Unterstützer Elon Musk steht für ein neues Netzwerk rechter Sympathisanten. Andere, wie Amazon-Gründer Jeff Bezos, ducken sich weg.

Stadtentwicklung & Infrastruktur: Andreas Geldner (age)

Der reichste Mann der Welt ist in der Schlussphase des US-Wahlkampfes nicht zu übersehen: Der Techno-Milliardär Elon Musk wirft alles in die Waagschale, um Donald Trump zur Präsidentschaft zu verhelfen. Das reicht von bizarren Auftritten auf Wahlkampfveranstaltungen über eine rechtlich fragwürdige Millionenprämie für die Wählerregistrierung und einer aus eigener Tasche bezahlten Wahlkampfarmee bis zu Musks Medienkanal X, ehemals Twitter, wo alle Schleusen für die Verleumdung von Trumps Konkurrentin Kamala Harris geöffnet sind.

 

Der Unternehmer schielt bereits auf eine Rolle als „Effizienzbeauftragter“ für die Bundesbürokratie in einer künftigen US-Regierung. Das berge viel Potenzial für Korruption, schreibt der Kolumnist Adam Lashinsky in der „Washington Post“: „Der Techno-Entrepreneur steht in der langen Reihe von Pseudo-Freiheitlichen aus dem Silicon-Valley, die über den Staat jammern – und doch eifrig dessen Gaben akzeptieren.“

Eine Fußnote scheint zu sein, dass Trump ein erklärter Feind der E-Mobilität ist, mit der Tesla-Gründer Musk sein Geld verdient. Doch er hat offenbar kein Problem, wenn Trump alle Hilfen für die E-Mobilität streichen würde. Musk hält Tesla wohl für stark genug.

Frühere Hippies nähern sich Trumps Weltbild

Ist er ein Außenseiter? Lange haben die Techno-Innovatoren der USA mit liberalen Ideen geliebäugelt. Das Lebensgefühl der Westküste, mit seinen Wurzeln in der toleranten Hippie-Kultur, war weit weg vom reaktionären Universum von Trumps Anhängern. Es gab schon immer Investoren wie den deutschstämmigen Mitgründer von PayPal, Peter Thiel, die Trump unterstützten. Doch lange gingen die meisten Wahlkampfspenden an die Demokraten. Die Kalifornierin Kamala Harris pflegte zum Silicon Valley enge Kontakte- so sehr, dass es Befürchtungen gibt, sie könnte die Branche an einer zu langen Leine lassen.

Doch die US-Innovationskultur war immer auch Ellbogen-Kapitalismus. Da ist der Weg nach rechts nicht weit. „Wie Techno-Milliardäre die neue Spender-Kaste der Republikaner wurden“, betitelte die New York Times eine Analyse, die ein wachsendes, rechtes Netzwerk sieht.

Eine weitere Taktik könnte sich für die US-Demokratie aber als ebenso problematisch herausstellen. Denn anderswo regiert wachsende Vorsicht. Ein augenfälliges Beispiel hat jetzt Jeff Bezos geliefert. Der Amazon-Gründer besitzt seit 2013 die Washington Post und pflegte bislang das Image, die Reporter frei arbeiten zu lassen. Doch wenige Tage vor der Wahl hat er entschieden, dass die Zeitung entgegen der üblichen Gepflogenheit, keine Wahlempfehlung geben soll. Dass diese nicht zu Gunsten von Donald Trump ausgefallen wäre, liegt auf der Hand.

Empörung über Entscheidung der Washington Post

Die Welle der Empörung bei den Leserinnen und Lesern, aber auch bei den Journalisten des Blatts war groß. Warum jetzt so kurz vor der Wahl? Der Sicherheitsexperte Robert Kagan, bisher Kolumnist für die Washington Post, trat umgehend zurück: „Die Post hat immer betont, dass Donald Trump eine Bedrohung für die Demokratie ist – und das ist jetzt die Wahl, das ist die Zeit, wo wir uns für Neutralität entschieden haben?“

Trump hat seinen Kritikern insbesondere in den Medien nach einem Wahlsieg Rache geschworen. Und Jeff Bezos hängt mit seinem Hauptgeschäftszweig Amazon auch von der Politik ab. Trump hat etwa angedeutet, dass er die Steuerbehörde bei seinen Gegnern gründlich nachschauen lassen will. Auch Mark Zuckerberg von Facebook hält sich inzwischen auffallend mit politischen Aussagen zurück. Apple-Chef Tim Cook soll bei Trump immerhin protestiert haben. Nicht wegen dessen Attacken auf die Demokratie, sondern wegen dessen Plänen für Schutzzölle.

Geld ist wichtiger als Demokratie

Am Ende, so war es im Silicon Valley immer, regiert das Geschäft. Wenn es einen Zweig der US-Wirtschaft gegeben hat, der von der Polarisierung der US-Gesellschaft profitiert, dann war es hier. Je mehr Emotion, je mehr Verachtung für klassische Medien, umso mehr Interaktion auf den sozialen Plattformen. Mit seinem Engagement bei der Washington Post hat der Amazon-Gründer hingegen bisher nur Geld verloren. Abwarten heißt es deshalb. Harris wird es sich nicht mit den IT-Riesen verscherzen, so das Kalkül. Doch ein rachsüchtiger Trump ist ein unberechenbares Risiko.

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