US-Wahl US-Experte: „Mehrheit der Amerikaner ist unzufrieden“

Trump-Anhänger feiern den Wahlsieg Donald Trumps in West Palm Beach, Florida. Foto: dpa/Evan Vucci

Die US-Bürger geben Donald Trump eine zweite Chance, weil er Besserung bei Themen verspricht, die ihnen wichtig sind, sagt US-Demoskop Chris Borick.

Die hohen Preise, die Migration und die Sicherheit brennen den Amerikanern auf den Nägeln, konstatiert der Politikwissenschaftler Chris Borick. Auch hätten es die Republikaner verstanden, die Demokratin Kamala Harris mit der unpopulären Biden-Präsidentschaft in Verbindung zu bringen, so der Umfrageexperte vom Muhlenberg College in Pennsylvania.

 

Wieso wurde der Wählerzuspruch für Donald Trump nach 2016 und 2020 in den Umfragen wieder unterschätzt?

Trumps Unterstützung fiel größer aus, als es nach den Umfragen zu erwarten war. Aber nicht sehr viel. Die Gesamtdaten sahen Trump zuletzt in Schlüsselstaaten wie Pennsylvania, Georgia oder North Carolina mit einem kleinen Vorsprung. Sein Sieg fiel dann nur ein klein wenig größer aus.

„Für ländliche Wähler keine perfekte Kandidatin“: US-Umfrageexperte Chris Borick über die Demokratin Kamala Harris. /Privat

Was waren landesweit die entscheidenden Faktoren für Trumps Sieg?

Politik verläuft nicht nur in den USA zyklisch. Der amtierende Präsident Joe Biden und seine Partei, die Demokraten, haben derzeit nur niedrige Zustimmungswerte. Wenn das der Fall ist, erleidet die Partei des Präsidenten normalerweise Einbußen. Auch die Themen halfen den Demokraten nicht. Eine Mehrheit der Amerikaner ist unzufrieden mit dem Kurs des Landes. Sie sind nicht glücklich über die Wirtschaft und die Lage an der Südgrenze. Das verschaffte den Republikanern einen Vorteil. Es war an ihnen zu gewinnen. Und das haben sie getan.

Und was war ausschlaggebend im wichtigsten Wechselwählerstaat, ihrer Heimat Pennsylvania?

Ganz ähnliche Faktoren. Deshalb ist Pennsylvania ja so ein wichtiger Swing State. Trump und die Republikaner blieben ziemlich gut bei ihren Kernbotschaften, insbesondere mit ihrer Werbung in Sachen Inflation, Grenze und Sicherheit. Sie brachten Kamala Harris mit dem unpopulären Präsidenten Joe Biden in Verbindung. So hat Trump es geschafft, in fast allen Regionen und bei fast allen Wählergruppen kleinere Gewinne einzufahren. Aber es bleibt ein knapper Sieg.

Welche Bedeutung kommt der immer wichtiger werdenden Zahl der Latino-Wähler zu?

Die Demokraten sind von dieser Gruppe diesmal viel weniger unterstützt worden, als das bisher der Fall war. Das ist auch in den Gegenden in Pennsylvania so gewesen, wo Latinos in großer Zahl leben. Sie sind zu einer viel stärker umworbenen Gruppe der amerikanischen Politik geworden. Trumps Republikaner erringen in dieser Wählergruppe klare Zugewinne. Sie machen einen großen Teil seines Erfolgs aus.

Was bedeutet es, wenn Trump in ohnehin konservativen Staaten wie Florida 13 Prozentpunkte zulegt, in Texas zehn und selbst im demokratisch dominierten New York noch 13?

Das hängt eng mit dem Wahlverhalten der Latinos zusammen. In all diesen großen, eigentlich nicht umkämpften Einzelstaaten lebt eine große Zahl spanischsprachiger Einwanderer. Entscheidend für deren Hinwendung zu den Republikanern sind wirtschaftliche, aber auch kulturelle Fragen, insbesondere die Kluft zwischen Frauen und Männern in dieser am schnellsten wachsenden ethnischen Wählergruppe in den USA. Sie ist keineswegs aus einem Guss. Aber Trump konnte dort klare Zugewinne erzielen. Und insgesamt sind diese Staaten dadurch auch nach rechts gerückt.

Mit dem Vizepräsidentschaftskandidaten Tim Walz aus Minnesota wollten die Demokraten in konservativen ländlichen Gegenden von Wechselwählerstaaten Boden gut machen. Warum ging das schief?

Das zeigt nur, wie unwichtig Vizepräsidenten normalerweise sind. In der ländlichen Wählerschaft sind Stimmengewinne nur sehr schwer zu erreichen. Und eine Frau mit indisch-jamaikanischen Wurzeln aus San Francisco ist keine perfekte Kandidatin unter ländlichen Wählern, nicht nur in Pennsylvania.

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