Topökonom Joseph Stiglitz und 15 weitere Wirtschaftsnobelpreisträger fürchten, dass Donald Trumps Wirtschaftspolitik die Teuerung erneut in die Höhe treiben könnte. In einem offenen Brief warnten die Wirtschaftsforscher vor einer Wiederwahl des ehemaligen US-Präsidenten. „Wir glauben, dass eine zweite Amtszeit Trumps negative Auswirkungen auf das wirtschaftliche Ansehen der USA in der Welt und eine destabilisierende Wirkung auf die Binnenwirtschaft haben würde“, heißt es in dem Schreiben.
Zu den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern zählen unter anderem Claudia Goldin, Professorin der renommierten US-Eliteuniversität Harvard, die im vergangenen Jahr den Wirtschaftsnobelpreis erhielt, und Robert Shiller, der die Auszeichnung 2013 bekam, und als einer von wenigen Experten frühzeitig die Probleme am US-Häusermarkt erkannte, die zur weltweiten Finanzkrise ab 2007 führten. Die Wirtschaftswissenschaftler sehen Trumps Pläne besonders mit Blick auf Preisrisiken und Staatsverschuldung kritisch.
Der Ausgang der Präsidentschaftswahlen werde jahrelange, möglicherweise jahrzehntelange wirtschaftliche Auswirkungen haben, warnen die Ökonomen. „Es besteht zurecht die Sorge, dass Donald Trump die Inflation mit seinen fiskalisch unverantwortlichen Haushaltsplänen wieder anheizen wird.“ Studien unabhängiger Analysefirmen wie Oxford Economics oder dem Peterson Institute seien zu dem Schluss gekommen, dass Trumps Agenda die Verbraucherpreise wieder hochtreiben werde.
Außerdem steht die Frage im Raum, ob und inwieweit Trump die Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed im Fall einer Wiederwahl anerkennen würde. Bereits während seiner ersten Amtszeit hatte er die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell in nahezu beispielloser Art wegen angeblich zu hoher Leitzinsen attackiert. Das US-Finanzblatt „Wall Street Journal“ berichtete bereits, dass Trumps Berater Pläne schmiedeten, um ihm bei einer zweiten Präsidentschaft größeren Einfluss auf die Geldpolitik zu verschaffen.
US-Defizit wurde unter Trump massiv ausgeweitet
Niedrigere Zinsen können die Konjunktur stützen und durch erhöhte Liquidität an den Finanzmärkten die Börsen anschieben. Gerade in den USA, wo die wirtschaftliche Verfassung des Landes traditionell als wahlentscheidend gilt, ist das im Interesse der Regierung. Die Kehrseite lockerer Geldpolitik ist jedoch die Inflationsgefahr. Auch die von Trump zum vermeintlichen Schutz heimischer Industrien und Arbeitsplätze geplanten Einfuhrzölle bergen Teuerungsrisiken, da sie von Unternehmen häufig über höhere Preise auf Kunden abgewälzt werden.
Allerdings muss auch erwähnt werden, dass es schon vor Trumps erster Amtszeit eindringliche Warnungen von Wirtschaftsexperten gab. 2016 beteiligten sich 370 US-Ökonomen an einem Appell. Doch obwohl Trump das Defizit massiv ausweitete, trauen ihm die Amerikaner laut Umfragen mehr in Wirtschaftsfragen zu als Joe Biden. Dessen Amtszeit ist zwar von Konjunkturstärke und Vollbeschäftigung geprägt – aber auch von hoher Inflation.