USA Warum Trumps Stabschefin Interna ausplaudert

Offenbar unverzichtbar: Trumps Stabschefin Susie Wiles. Foto: dpa/AP/Evan Vucci

Die Analyse des Machtzirkels um den US-Präsidenten ist erschreckend. Die gezielten Indiskretionen sollen wohl Trumps Niedergang stoppen.

Endlich dringt mal was nach draußen, endlich bekommt man mal einen Einblick ins Innenleben des Weißen Hauses. Anders als in der ersten Amtszeit Trumps, als die Leaks förmlich durch die Türritzen tropften, ist Trumps Regierungszentrale heute eine Festung der Verschwiegenheit. Das hat Trump auch seiner Stabschefin Susie Wiles zu verdanken, die ihm die Geschäfte mit eiserner Disziplin, Kompetenz und hoher Widerstandskraft führt.

 

Ausgerechnet sie, die Trump-Vertraute und Gatekeeperin mit Schlüsselgewalt zum Oval Office, ist jetzt zur Plaudertasche geworden. Ein Betriebsunfall? Wohl kaum. Zweifellos ist ihr psychologisches Urteil zum Personal des inneren Machtapparates interessant, weil ziemlich erschreckend: Trump mit der Persönlichkeitsstruktur eines Alkoholikers. Der Haushaltsdirektor ein Rechtsextremer. Vizepräsident Vance ein Verschwörungstheoretiker. Der geschasste Musk ein Drogenabhängiger. Interessanter jedoch ist die offene Kritik der Stabschefin an der ideologie- und feindbildgetriebenen Agenda des Präsidenten und seines Umfelds. Wiles ließ durchblicken, wie ihr politischer Rat konsequent überhört wird und ins Leere geht: Von den Zöllen riet sie ab. Sie kamen. Vor dem Rachefeldzug gegen Trumps politische Widersacher warnte sie. Der Präsident ließ sich nicht bremsen. Das brutale Vorgehen der ICE-Greifkommandos kritisierte sie. Sie gehen weiter. Die Massenentlassungen, die Schließung von Ämtern und Behörden, der Krieg gegen die Medien: Wiles ahnt, dass das vermutlich nicht gut gehen kann.

Trumps Umfragewerte befinden sich auf einem Tiefpunkt

Tatsächlich steht Trump mit dem Rücken zur Wand. Seine live übertragene Selbstbeweihräucherung in der Rede zur Nation konnte nicht vergessen machen, wie dünn seine politische Bilanz nach dem ersten Amtsjahr ist, wie brüchig der Rückhalt in zunehmend entfremdeten Wählergruppen und wie schlecht die Aussichten im nächsten Wahljahr sind. Trumps Umfragewerte befinden sich auf einem Tiefpunkt.

Vor diesem Hintergrund könnte man die unverhohlene Kritik der Stabschefin auch als Akt der Loyalität durch die Hintertür verstehen: Wenn ihr noch etwas reißen wollt, müsst Ihr euch zusammenreißen. Anders ist kaum zu erklären, warum es nach den Interviews in „Vanity Fair“ keinen Aufschrei der Empörung im Weißen Haus und kein Entlassungsschreiben des Präsidenten gab. Wiles ist schlicht und einfach unverzichtbar. Sie ist den Weg der gezielten Indiskretion gegangen, um das Ruder für Trump noch herumzureißen.

Einstichstellen über den Lippen der Sprecherin

Eine ebenfalls in „Vanity Fair“ veröffentlichte Nahaufnahme der Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, sorgte zusätzlich für Aufsehen. Besonders im Fokus dabei die Lippen der 28-Jährigen. Der Fotograf Christopher Anderson hatte für den Artikel über das Weiße Haus unter Trump und seiner Stabschefin Porträts gemacht, bei denen er sehr dicht an die Personen heranging. Besonders auffallend das Foto der 28-jährigen Karoline Leavitt, auf der nach Ansicht von Beobachtern klar mehrere Einstichstellen über den Lippen zu erkennen sind. 

In der „Washington Post“ sagte Anderson zu Vorwürfen, dass seine Bilder unfair seien: Die Leute seien offenbar schockiert, dass er Hautunreinheiten und Leavitts Einstichstellen nicht wegretuschiere. „Ich finde es schockierend, dass jemand von mir erwartet, solche Dinge zu retuschieren.“

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