InterviewUwe Hück Das Ende der bisherigen Steinkühlerpause

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken
Jetzt sei nicht die Zeit der Angsthasen, haben Sie gesagt. Worin bestehen die Ängste?
Es kommt immer die Furcht auf, dass die Beschäftigten ihre Errungenschaften abgeben müssen. Nehmen wir mal die Steinkühlerpause: Eine Pause wird es künftig noch geben, aber in einer anderen Konstellation. Wenn der Roboter dem Menschen Last abnimmt, braucht dieser auf Dauer andere Erholungsphasen als heute. Die digitale Welt kennt keine Pause mehr – sie kann Menschen zerstören, weil man praktisch rund um die Uhr arbeiten kann. Wir benötigen dann zeitgemäße Spielregeln. Das Stichwort für mich heißt Humanergonomie, die die bisherigen Konzepte ersetzt.
Die Produktion soll rund um die Uhr laufen?
Porsche baut keine Massenprodukte, daher wird die Produktion nicht rund um die Uhr laufen können. Aber bei den anderen Herstellern, die auf Massenabsatz setzen, könnte das so sein.
Wäre Porsche Vorreiter im VW-Konzern?
Dieser Schluss wäre falsch. Matthias Müller und Martin Winterkorn haben uns gesagt: Wenn Sie dieses Modell haben wollen, müssen Sie ein Angebot machen. Bisher mussten in solchen Fällen immer nur die Produktionsmitarbeiter etwas beisteuern. In unserem Konzept müssen sogar Vorstand, Hauptabteilungsleiter und Ingenieure einen Beitrag leisten, damit wir das hier bauen können. Darüber verhandeln wir gerade.
Woher kommt Ihr Vorwärtsdrang?
Nur durch die extreme Produktivitätssteigerung konnten wir von 2011 bis 2015 in der Produktion 1600 befristete in unbefristete Verträge umwandeln. Sonst wären die Leute heute in Hartz IV. Ich stelle mich der Realität. Wer heute gegen Produktivität ist, ist auch gegen den Gewinn. Aber wir brauchen Gewinne, um das Soziale abzusichern.
Ist das mal etwas, das dem Standort Stuttgart und nicht Leipzig zugutekommt?
In Leipzig ist die Entwicklung extrem. Dort haben wir für einen Karosseriebau, eine Montage und eine Lackiererei gesorgt. Das war vor fünf Jahren noch undenkbar. Wir müssen aufhören, die Standorte gegeneinander auszuspielen. Ich liebe die Leipziger genauso wie die Stuttgarter. Wir sind eine Familie. Bei Porsche in Zuffenhausen und Weissach hat Zukunft Tradition.
Haben Sie in Zuffenhausen genügend Platz für die Fabrik 4.0?
Wir wollen mit der Stadt reden und die Bevölkerung einbeziehen, auch wenn wir ohnehin niemanden stören. Wir haben genügend Flächen, um dieses Projekt jetzt angehen zu können.
Der Porsche-Chef beklagt, dass die Regierung die Elektromobilität zu wenig fördere – stimmen Sie zu?
Die Politiker brauchen dringend ein Seminar bei den Entwicklungschefs der Industrie, denn sie sind weit entfernt vom Elektroauto und müssen sich mehr für das Thema öffnen, um zu verstehen, was wir machen. Wir sind bei der Technik viel weiter, als die Infrastruktur es zulässt. Von 2020 an werden die Elektroautos weltweit spürbar zulegen. Schon jetzt wird der Fahrzeugverkehr in Metropolen eingeschränkt. Wenn Deutschland da erfolgreich bleiben will, müssen wir daran dringend arbeiten.
Für den Nutzer sind die Autos zu teuer.
Wir müssen aufhören, immer zu sagen, was nicht geht. Wir haben zu viele Bedenkenträger. Die Konkurrenz rund um Deutschland wird nicht auf uns warten.

Unsere Empfehlung für Sie