Vaihingen/Möhringen Drehscheibe für rund 150 000 Menschen

Von Götz Schultheiss 

Die Verkehrssituation im Synergiepark Vaihingen und Möhringen lässt sich nicht ohne die Einbeziehung des Umfelds mit Uni-Campus, Step-Areal und Airport-City verbessern, sagt der Experte Günter Sabow.

Mit dem Büroareal  von Daimler keimt die Hoffnung auf Einkaufsmöglichkeiten im Synergiepark Foto: O&O Baukunst/Finest Images
Mit dem Büroareal von Daimler keimt die Hoffnung auf Einkaufsmöglichkeiten im Synergiepark Foto: O&O Baukunst/Finest Images

Vaihingen/Möhringen - Die Verkehrsplanung für den Synergiepark kommt so langsam in die Gänge. Das ist die gute Nachricht. Es gibt aber auch eine schlechte. „Das dauert alles viel zu lange und wächst sich zu einem gewaltigen Image-Schaden für die Landeshauptstadt aus“, sagte Professor Günter Sabow, Verkehrsexperte und Vorsitzender der Wirtschafts- und Industrievereinigung (WIV) Stuttgart, am Donnerstagabend bei den Vaihinger Wirtschaftsgesprächen des Bundes der Selbstständigen im Pressehaus Möhringen.

Die Region Stuttgart, sagte der Experte, sei eine der stärksten Wirtschaftsregionen der Welt und die Landeshauptstadt die stärkste Wirtschaftsmetropole Deutschlands. Dort seien die namhaftesten Firmen präsent und eine bedeutende Firma ziehe die andere an. Durch die Nachfrage würden die Wohnungen teurer, junge Beschäftigte könnten sie sich nicht leisten und zögen deshalb aufs günstigere Umland. Dadurch wiederum würden die Pendlerströme weiter wachsen. „In diesem Kreislauf stecken wir“, sagte Sabow. Dass dies soweit kommen werde, habe jede Regierung bisher gewusst, aber keine habe das Problem angepackt. „Uns fällt hier der wirtschaftliche Erfolg, um den andere Regionen kämpfen, auf die Füße, aber wir bekommen nicht einmal das Verkehrsproblem gelöst.“

Neuansiedlungen als Wachrüttler für Stadt und Gemeinderat

Mit der Ansiedelung von unter anderem Daimler und Allianz in naher Zukunft wachse die Zahl der Mitarbeiter im Synergiepark von rund 20 000 auf mehr als 40 000: „Das ist nicht nur ein Industriegebiet, sondern ein ganzer Stadtteil, dementsprechend muss die Planung sein.“ Die Neuansiedlungen mit dem gewaltigen Wachstumsschub seien „Aufrüttler“ für die Stadt und den Gemeinderat gewesen.

Von in den Bezirksbeiräten geäußerten Stellungnahmen, dass man das Wachstum nicht brauche, solange kein Verkehrskonzept vorliege, hält Sabow nichts: „Ich habe einen 13-jährigen Enkel, er soll auch einmal eine gute Zukunft haben.“ Wenn man mitten im Strukturwandel der Wirtschaft hin zu E-Autos und autonomem Fahren Projekte verzögere, werde man durch die Konkurrenz im Ausland abgehängt, zu Lasten der Arbeitsplätze. „Deshalb muss vieles gleichzeitig passieren“, sagte der WIV-Vorsitzende. Schon im Jahre 2012 habe man im Synergiepark das Minus von rund 5000 Parkplätzen festgestellt. „Zur Lösung wünsche ich mir über der Autobahn ein weiteres Parkaus in der Größenordnung des Bosch-Parkhauses mit einem Shuttle-Verkehr in den Synergiepark.“ Zwischen 2016 und 2018 habe man durch Fokussierung auf Infrastrukturprojekte wie die Seilbahn viel Zeit verloren und andere Lösungen vernachlässigt. Einer Seilbahn gegenüber, welche die Straßen entlasten soll, zeigte sich Sabow skeptisch: „Ich glaube nicht daran. Stuttgart ist kein Skigebiet.“

Wenn man vom Verkehr im Synergiepark spreche, dann müsse man, sagte Sabow, das gesamte Umfeld mit einbeziehen, darunter den Uni-Campus, das Step-Areal und die Airport-City: „150 000 Menschen bewegen sich auf dieser Drehscheibe. Ich glaube nicht, dass bei allen angekommen ist, was dieser wirtschaftliche Erfolg mit sich bringt.“ Es sei unverständlich, warum die Expressbusse, die aus dem Raum Tübingen und Reutlingen kämen, am Flughafen endeten und nicht 1,5 Kilometer weiter zum Synergiepark führen.

Daten zu den Verkehrswegen der Beschäftigten analysieren

Viele der Beschäftigten, sagte Sabow, kämen aus dem ländlichen Raum: „Dort sind die Geschäfte um 18 Uhr geschlossen.“ Deshalb müsse man mit Daimler verhandeln, denn in dessen neuem Bürokomplex gebe es Raum für Geschäfte. Allerdings müsse man erst ermitteln, welche Nachfrage es nach Artikeln des täglichen Bedarfs gebe. Außerdem gelte es, die Aufenthaltsqualität im Quartier zu verbessern: „Darüber muss man mit den Anrainern reden und dafür Visualisierungen zur Hand haben, die zeigen, wie das Umfeld aussehen könnte.“ Im Grunde müsse man den Filderraum einer einheitlichen Planung unterziehen.

Am 16. Oktober wird es in der Firma Trelleborg im Synergiepark einen weiteren wichtigen Schritt geben. Die großen Unternehmen haben ermittelt, welche Wege jeder ihrer Mitarbeiter zum Arbeitsplatz zurücklegt und welche Verkehrsmittel dazu benutzt werden. Diese Daten werden zusammengefasst, um sie den Planern in die Hand zu geben. „Man kann eben nicht pauschal verlangen, die Beschäftigten sollen auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen. Wenn sie, wie viele, aus dem Raum Tübingen und Reutlingen kommen, dann geht das nicht“, sagte Sabow.

Der Synergiepark brauche aus all diesen Gründen auch ein „betriebliches Verkehrsmanagement“, und dieses erreiche man nur, wenn nicht jedes Unternehmen dort für sich, sondern alle gemeinsam an einem Strang zögen.

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