Beruf und Hobby liegen bei Martin Ruppert aus Stuttgart-Vaihingen nah beieinander. Er arbeitet bei der Bahn und ist Mitglied im Modelleisenbahnclub. Und auch im Urlaub lassen ihn Züge und Schienen nicht los.

Filderzeitung: Sandra Hintermayr (shi)

Vaihingen - Freizeit und Arbeit miteinander verbinden, die Erfahrungen vom einen ins andere übertragen, das wünschen sich viele. Einer, der das kann, ist Martin Ruppert. Der 37-Jährige lebt in Stuttgart-Vaihingen, und Bahnen sind sein Hobby und sein Beruf.

Seit mehr als zehn Jahren ist Ruppert Mitglied beim Modelleisenbahnclub Stuttgart (MECS), der seine Clubräume im Zwischengeschoss der S-Bahnhaltestelle Universität in Vaihingen hat und dort im Winter, auch aktuell wieder, seine Anlage für den Publikumsverkehr öffnet. Wegen eines ganz eigenen Projekts – welches natürlich ebenfalls mit Bahnen zu tun hat – habe er sich aktuell zwar etwas aus dem Verein zurückgezogen, „aber ich bin noch da“, sagt er.

Sein Hobby ist viel mehr, als nur Schienen ins Gras zu legen

Generell werde im MECS im Sommer gebaut und im Winter gefahren. „Bei meinem Projekt entscheide ich, wann ich baue und wann ich fahre“, so Ruppert. Er baut sich derzeit in seinem Schrebergarten in Botnang eine Gartenbahn-Anlage auf. Gartenbahnen haben meist die Größe G, sind 22,5 Mal kleiner als die großen Originalschienen und -fahrzeuge. Die Spurweite beträgt 45 Millimeter. Zur Personenbeförderung ist die Modellbahn in Rupperts Garten aber nicht geeignet, dafür ist sie zu klein.

„Es ist viel mehr, als nur Gleise ins Gras zu legen“, schwärmt der Vaihinger von seinem Hobby. Das betreffe nicht nur die Gartenbahn, sondern Modelleisenbahnen im Allgemeinen. Jeder könne sich in dem Bereich ausleben, der einem gefalle, die einen widmeten sich gern Strom und Schaltkreisen, die anderen dem Bau von Landschaften. „Es ist ein vielfältiges Hobby“, sagt der 37-Jährige.

Bekommt er nicht irgendwann genug von Bahnen?

Für Ruppert sind Bahnen aber nicht nur seine Freizeitbeschäftigung, er arbeitet auch bei der Bahn – als nach eigenen Angaben einziges Mitglied des Modelleisenbahnclubs. Bekommt er denn nicht genug von Bahnen? „Nein!“, sagt Ruppert entschieden. Er spricht von Leidenschaft für sein Hobby und seinen Beruf, er sei „Feuer und Flamme für die Bahn“. Als Arbeitgeber habe er die Deutsche Bahn während seines Studiums des Bauingenieurwesens zunächst nicht auf dem Schirm gehabt, erzählt Ruppert. Seine Abschlussarbeit habe er aber unbedingt bei einem Konzern schreiben wollen, bei einer Infobörse sei er dann auf die Deutsche Bahn gestoßen.

Heute ist er bei der DB Netz AG, dem Schieneninfrastrukturunternehmen der Deutschen Bahn AG, tätig als Anlagenverantwortlicher bei Neubauprojekten wie Stuttgart 21. Sein Fokus liege auf „Schiene, Schotter, Schwelle“, sagt der Vaihinger, „alles ohne Stromkabel“. Er sei viel im Gleisbereich unterwegs, „das ist kein klassischer Schreibtischjob“, sagt Ruppert.

Sein Hobby profitiert von seiner beruflichen Erfahrung

Seitens der Arbeit sei er ebenso mit der Bahn unterwegs, auch im europäischen Ausland. Der Verband deutscher Eisenbahn-Ingenieure, bei welchem Ruppert im Vorstand der Bezirksgruppe Stuttgart sitzt, organisiere immer wieder Ausflüge, bei denen das Bahnfahren selbst und das Kennenlernen neuer Strecken im Vordergrund stehe. „Bahnfahren macht Spaß. Man lernt interessante Leute kennen, wenn man dafür offen ist“, sagt Ruppert.

Sein Hobby profitiere von seiner beruflichen Erfahrung: „Von der großen auf die kleine Bahn kann man vieles mitnehmen.“ Zum Beispiel habe er schon Signalanlagen vermessen und maßstabsgetreu im Kleinen anfertigen lassen. „Auch beim Thema Instandhaltung der Anlagen zum Beispiel kann man sich etwas von der großen Bahn abschauen und auf die kleine anwenden“, sagt der Ingenieur und Modelleisenbahner.

Auch im Urlaub lassen ihn Bahnen nicht los

„Die Bahn ist mein Leben, das kann man schon so sagen“, so Ruppert. Für ihn sei es schön, dass sich sein Beruf mit seinem Hobby verbinden lasse. Auch im Urlaub lässt den Vaihinger das Thema Bahn nicht los. „Ich bin nicht der Typ, der gezielt wo hinfährt, nur um auf einen bestimmten Zug zu warten. Ich renne nicht von einer Schiene zur nächsten. Aber wenn ich etwas Besonderes sehe, muss ich mir das schon anschauen“, sagt er und nennt als Beispiel ein Schienenbaufahrzeug, welches er im Urlaub am Lago Maggiore in Italien gesehen habe.

Und was sagt die Familie zu seiner Leidenschaft? Martin Ruppert, der kürzlich Vater geworden ist, lacht. „Wir kommen gut miteinander aus. Es ist ein Geben und Nehmen. Jeder hat doch sein Pläsierchen.“