Valentinstag im Kreis Böblingen Warum dieser Tag nicht nur zum Kuscheln da ist
Was ist eigentlich der Valentinstag und was macht er mit uns? Fünf Plätzchen im Kreis, an denen man nicht nur über diese Dinge philosophieren kann.
Was ist eigentlich der Valentinstag und was macht er mit uns? Fünf Plätzchen im Kreis, an denen man nicht nur über diese Dinge philosophieren kann.
Wer sich dem Valentinstag annähert, der kommt um diese Fragen nicht herum: Warum gerade dieser Tag? Warum rückt die Liebe in den Mittelpunkt eines einzigen schlichten Tages im Februar? Und: Was passiert an den anderen 364 Tagen? Halbliebe? Nichtliebe? Hassliebe? Denn eines ist klar: Dieser Tag, der ein uraltes naturgegebenes menschliche Bedürfnis feiert, ist nicht unbedingt notwendig. Aktionstage gibt es im Februar schließlich genug.
Denken wir nur an den 1. Februar: In den USA steht da der Ändere-dein-Passwort-Tag auf dem Programm und am 16. Februar feiert man dort den Tue-einem-Griesgram-einen-Gefallen-Tag. Die ganze Welt hingegen horcht am 10. Februar auf, wenn der Tag des Feuerlöschers ansteht. Auch in Deutschland muss man nicht darben, wenn es um besondere Tage in diesem Monat geht: Thomas-Mann-Fans halten am 25. Februar inne, wenn der Tag des Schachtelsatzes ansteht. Freunde und Geplagte des Darmwindes streichen sich den 5. Februar an und begehen gemeinsam den Hast-du-gepupst?-Tag. Warum bloß dann auch noch der Valentinstag?
Zur Klärung begeben wir uns zunächst einmal in die Welt der dunklen Verschwörungen. Dort wird schnell klar, dass der fiese Kapitalismus diesen Tag geboren hat. Die Mission? Genauso logisch wie perfide: Zunächst klaut er uns im täglichen Hamsterrad wertvolle Zeit für den Austausch von Wertschätzungen mit dem Partner und dann erfindet er Dinge, die wir kaufen sollen, um diese Verfehlungen wieder gut zu machen.
Zum Beweis zeigt der Verschwörungserzähler auf die vielen Angebote, die sich um den 14. Februar aufdrängen: Schokolade mit dem Foto des Liebsten auf der Verpackung für 29,95 Euro, das Aperol-Glas mit dem Namen der Allerliebsten (13,95), das personalisierte Grillbuch für den Auserwählten (21,95), der Gin mit dem Etikett des Herzbuben oder, zur Versicherung gegenseitiger Gefühle, die Pralinenschachtel mit dem Kussfoto – erhältlich in hundertfachen Varianten und Versionen.
Die Historiker-Zunft tischt hingegen ganz andere Fakten auf: Die erhebt den Heiligen Valentin zum Vater des Valentinstags. Der lebte im dritten Jahrhundert, war Bischof von Interamna, dem heutigen Terni, oder in einer anderen Variante auch in Rom tätig. Wie auch immer: Valentin galt als Wunderheiler und Propagandist des Christentums, um den sich die eine oder andere Legende rankte. 269 starb er den Märtyrertod, weil er sich für die Liebe zwischen christlichen Menschen eingesetzt hatte – unter anderem durch die illegale Vermählung von Soldaten mit ihren Geliebten.
Die Geschichte, mit der Valentin dem Valentinstag zu seinem Namen verholfen haben soll, geht so: Während der Gefangenschaft im römischen Kerker hat Valentin die blinde Tochter eines Aufsehers geheilt. Vor seinem Tod schickte er ihr einen Liebesbrief, unterzeichnet mit: „dein Valentin“. Von der katholischen Kirche gab’s 200 Jahre später die Heiligsprechung und den 14. Februar als Gedenktag. 1969 rückten die Kirchenfürsten von ihrem Idol wieder ab. Zu vage waren wohl die Belege dafür, dass Valentin überhaupt existierte.
Dann gibt es noch die biologisch Gebildeten, die ein Wörtchen mitreden, wenn es um diesen Tag geht. Deren These ist genauso schlicht wie plausibel: Mitte Februar beginnt die Paarungszeit der Vögel und die Natur gerät in den Liebestaumel-Modus. Warum also nicht die Menschheit, die Teil dieser Natur ist, mit einem Tag an dieses Ereignis erinnern? Und Erinnerung bedeutet auch immer Brauchtum. Auch da hat der Valentinstag was zu bieten. Im Mittelalter, erzählt man sich, heirateten die jungen Frauen jenen Mann, den sie am frühen Morgen des Valentinstages als erstes mit einem Blumenstrauß antrafen.
Eine schöne Geschichte, die allerdings nur zum Teil erklärt, warum an diesem Tag bis heute Schnittblumen der Renner und der Kassenschlager sind. Denn die meisten der Männer, die an diesem Tag in den Blumenläden vorstellig werden, tragen Ehering.
Da fragt sich doch, was die Liebe an diesem 14. Februar eigentlich mit uns macht? Nur den Geldbeutel auf, oder lässt sie auch wahre Gefühle zu? Hat die Romantik überhaupt noch eine Chance oder ist sie schon längst tot – aufgefressen von der Unersättlichkeit unserer Warenwelt? Genügend Stoff also zum Nachdenken und Philosophieren an diesem Tag über diesen Tag.
Deshalb haben wir uns auf die Suche gemacht nach Orten im Landkreis, um Romantik und tiefschürfende Gedanken zusammenzubringen: der Venusberg in Aidlingen, die Waldburg in Böblingen, der Herrenwäldlesberg in Sindelfingen, der Schlossberg in Herrenberg, der Waldspielplatz in Rohrau und der Aussichtsplatz oberhalb der Pfefferburg bei Schönaich – allesamt Plätzchen, die frische Luft, Ruhe, Einsamkeit und die nötige Weitsicht bieten, um nicht nur den Gedanken freien Lauf zu lassen.
Und wenn’s dann schon mal so gemütlich ist, bietet das vielleicht auch Anlass, darüber nachzudenken, wer für all die Kinder verantwortlich ist, die im November geboren worden sind. Der Valentinstag als bevölkerungspolitischer Booster? Mittlerweile gibt es zumindest einen Tag, der sich dem Kampf gegen diese Unsitte verschreibt: In den angelsächsischen Regionen wird der Nationaltag des Kondoms – man ahnt es schon – am 14. Februar begangen.