Hinterlassenschaften am Galgen in Marbach vergangenes Wochenende. Foto: privat
Vergammelte Lebensmittel, Scherben und Plastikberge auf einem Freizeitgelände in Marbach. Nur ein Beispiel von vielen. Wer Müll wild hinterlässt, pfeift auf ein sozial verträgliches Miteinander, sagt Redakteurin Karin Götz.
Was für eine Riesenschweinerei. Es ist nicht das erste Mal, dass auf dem Galgen in Marbach – einer Freizeitanlage mitten in einem Landschaftsschutzgebiet – Unmengen an Müll liegen bleiben. So, wie an vielen Aussichtspunkten oder Freizeitanlagen kreisauf, kreisab. Doch was sich Mitbürger am vergangenen Samstag rund um den beliebten Platz am Rand der Schillerstadt geleistet haben, ist an Rücksichtslosigkeit kaum zu überbieten. Zu den leider schon fast üblichen Flaschen, Scherben, Plastiktüten und Papptellern haben die Mistfinken haufenweise Essen liegen lassen. Wassermelone gammelt vor sich hin, in einer Aluschale tummeln sich die Fliegen – was drin liegt, ist nicht wirklich zu erkennen. Vermutlich Obstkuchen.
Es war ein Anblick des Grauens, der sich Spaziergängern am Sonntag geboten hat. Zu nutzen war die Anlage für Mitbürger jedenfalls nicht mehr – bis die Mitarbeiter des Bauhofes den Dreck der Freizeit-Messies wieder eingesammelt hatten. Als hätten sie sonst nicht eh schon genug zu tun . . .
Jeder von uns kann ein Vorbild sein
Das Phänomen des wilden Mülls ist alt und tritt – wenig überraschend – verstärkt im Sommer auf. Und dennoch kommt es einem so vor, als würden manche Zeitgenossen immer dreister, ihre Rücksichtslosigkeit immer größer. Überraschen mag das angesichts der Verrohung der Gesellschaft nicht, und doch darf es nicht lähmen. Uns Mütter und Väter nicht, die wir alle aufgefordert sind, unseren Kindern Werte beizubringen und sie ihnen vorzuleben. Uns Mitgliedern der Gesellschaft nicht, hinzuschauen, hinzustehen und den Mund aufzumachen, wenn andere keinen Anstand zeigen und Regeln unseres Zusammenlebens mit Füßen treten. Und auch die Kommunen nicht.
Mit Kameras dürfen öffentliche Plätze nur überwacht werden, wenn es Anhaltspunkte dafür gibt, dass dort Straftaten begangen werden. Und das Hinterlassen von vergammelten Lebensmitteln samt einem Meer aus Scherben und Plastik ist keine Straftat, sondern eine Ordnungswidrigkeit.
Auch neben den Tischen und Bänken nur Müll. Foto: privat
Das Ehrenamt kann ein-, zweimal im Jahr bei Markungsputzeten und ähnlichen Aktionen Müll einsammeln. Doch zum einen kann es nicht für alles herhalten, und zum anderen sind zwei Einsätze im Jahr auch nur ein Tropfen auf dem berühmten heißen Stein.
Bleibt also die Kontrolle durch private Sicherheitsdienste – bezahlt von der Stadt. Auch wenn das die Kassen der Kommunen zusätzlich belastet und die Kosten am Bürger hängen bleiben, scheint es die einzig wirksame Methode zu sein, um dem Vandalismus ansatzweise Herr zu werden. Das Problem: Die Security-Branche boomt seit Jahren, doch das Wachstum hat Folgen. Beobachter und Insider der Branche klagen über zu wenig Qualität, zu wenig Gehalt, zu wenig Personal. Ein Teufelskreis, der Kommunen vor Probleme stellt und am Ende Ferkeln und ihren Schweinereien in die Hände spielt.