Eine abgefackelte Messanlage in der Heilbronner Straße ist zerstört. Doch wenn der Täter selbst ein Raser ist, dann hat er ein Problem.
Stuttgart - Dumm gelaufen, könnte man sagen: Sollte hinter dem Brandanschlag auf einen Blitzer an der Heilbronner Straße ein ertappter Raser stecken, stehen die Chancen gut, dass ihm die Polizei auf die Schliche kommt. Das Gerät habe bei der Zündelei zwar Totalschaden erlitten, sagt der Leiter der Abteilung Verkehrsüberwachung, Joachim Elser, jedoch habe der Chip, auf dem die Fotos gespeichert sind, den Brandanschlag heil überstanden.
Die Geschwindigkeitsmessanlage war in der Nacht zu Mittwoch mutwillig angezündet worden. Der Täter hätte wohl besser das Bußgeld für die Geschwindigkeitsübertretung in Kauf genommen, als nach dem Blitz mit Feuer zurückzuschlagen: Wird er gefasst, muss er für den Schaden haften. Das Gerät müsse komplett ersetzt werden, und das koste etwa 20.000 Euro, so Elser.
Derlei Attacken auf Messanlagen seien äußerst selten, in diesem Jahr ist aber schon das zweite Gerät zerstört worden. Im Januar hatte ein 18-Jähriger mit einem Schweißgerät einen Blitzer an der B10 bei Wangen zerlegt. Die Polizei nahm ihn noch in der Nacht fest, er hatte direkt daneben auf dem Seitenstreifen geparkt.
Verwunderung über den Brand
Joachim Elser findet es seltsam, dass es ausgerechnet den Blitzer an der Heilbronner Straße traf. Denn eigentlich sei es keine Stelle, die wegen extremer Geschwindigkeitsübertretungen auffalle. Den Blitzer habe die Stadt Ende der 90er Jahre installiert, als die Verwaltung in Zusammenarbeit mit der Polizei festgestellt hatte, dass die Kurve kurz nach dem Pragsattel stadteinwärts ein Unfallschwerpunkt war. "Wir mussten da immer wieder Autos aus dem Gleisbett ziehen, weil die Stelle so gefährlich und eng ist." Der Blitzer habe die gewünschte Wirkung: Auf den Gleisen sei keiner mehr gelandet, die Unfälle seien weniger geworden.
Der "Starenkasten" ist offenbar wohlbekannt, denn lediglich 4592 Geschwindigkeitsverstöße habe seine Abteilung an der viel befahrenen Stelle im Jahr 2010 registriert. "Richtige Raser waren kaum dabei, die meisten waren im unteren Verwarnungsbereich, also nur wenige Stundenkilometer zu schnell", sagt Joachim Elser. Nur 26 Fahrverbote habe es wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen an dieser Stelle gegeben. Wegen der geringen Fallzahl wundert sich Elser auch über den Brand - da die Fahrer hier zahm unterwegs sind, gebe es keinen denkbaren Grund für derlei wütende Aktionen.
Es gibt Blitzer zur Entschärfung unfallträchtiger Stellen, die wesentlich häufiger auslösen. In der Rotenwaldstraße auf Höhe der Tankstelle steht einer, der den Verkehr misst, der zum Birkenkopf hinauf rollt. 15.282-mal hat dieser im Jahr 2010 ausgelöst. Die Anlage ist eine von zehn, die 2008 gebaut wurden, um gefährliche Stellen zu entschärfen. Drei stehen an der Neuen Weinsteige, vier an der Neckartalstraße, zwei weitere an der Rotenwaldstraße. Wie alle anderen Anlagen werden sie regelmäßig gewartet - einerseits um Schäden durch Witterungseinflüsse zu mindern, andererseits um Vandalismusspuren wie Schüsse gegen den Kasten oder Sprühfarbe vor der Linse zu entdecken. Das komme im Gegensatz zu der totalen Zerstörung sehr häufig vor.