Vandalismus in Waldenbuch „Schlag ins Gesicht“ – Wahlplakate von SPD und Grünen abgerissen

Ein in Waldenbuch abgerissenes Plakat des SPD-Kandidaten Florian Wahl Foto: privat

In Waldenbuch sind offenbar gezielt Wahlplakate zerstört worden. Grüne und SPD sehen darin einen Angriff auf den demokratischen Wettbewerb und haben die Fälle zur Anzeige gebracht.

Kaum waren sie aufgehängt, waren sie auch schon wieder heruntergerissen. Vandalismus bei Wahlplakaten ist zwar keine Seltenheit. Doch so krass wie jetzt hat es Peter Erler persönlich noch nie erlebt.

 

Das Vorstandsmitglied im Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen in Schönaich/Steinenbronn/Waldenbuch hatte in der vergangenen Woche für die anstehende Landtagswahl am 8. März Plakate seiner Partei in Waldenbuch aufgehängt. Die Wahlwerbung hatte allerdings nur wenige Stunden Bestand. Mutmaßlich in einer Nacht- und Nebelaktion haben Unbekannte die Plakate von Straßenlaternen und Zäunen entweder abgerissen oder sogar entwendet. Die Spur der Zerstörung ziehe sich quer durch den Ort, berichtet Peter Erler, der von einer „konzertierten Aktion“ spricht. Angetastet worden seien ausschließlich Plakate der Grünen und der SPD.

„Schlag ins Gesicht“ der Ehrenamtlichen

Seitens der Grünen seien sieben Plakate betroffen, den Schaden beziffert Erler mit 70 Euro. Der reine Sachschaden an den Plakaten ist das eine. „Den Umfang der Taten sehe ich als Angriff auf die Demokratie“, ärgert sich Peter Erler.

Ähnlich äußert sich auch Ferdinando Puccinelli aus dem SPD-Wahlkampfteam. „Es sind ganz gezielt die Standorte unserer Plakate aufgesucht worden.“ Mehr als 20 von insgesamt 30 Standorten in der Gemeinde hätten die Täter heimgesucht. Die Wahlwerbung sei in der Zeit von Freitag auf Samstag abgerissen worden oder sogar ganz verschwunden. Teils wurden auch entlegenere Stellen aufgesucht, an denen Plakate erhöht platziert worden waren. „Diese waren nur mit Leitern erreichbar“, sagt Ferdinando Puccinelli.

Futsch sind damit aufseiten der SPD nicht nur an die 200 Euro Materialkosten, sondern darüber hinaus vier Stunden ehrenamtliche Arbeit für das Plakatieren. „Das ist mehr als Sachbeschädigung. Es ist die Botschaft: Euer Engagement soll hier nicht sichtbar sein“, sagt Ferdinando Puccinelli und bringt es auf die Formel: „Wenn Plakate verschwinden, wird Demokratie leiser.“

Der SPD-Landtagsabgeordnete und Kandidat im Wahlkreis Böblingen, Florian Wahl, spricht von einem „Schlag ins Gesicht“ der Ehrenamtlichen. Auch vereinzelte Fälle von Vandalismus seien zu verurteilen. Die „flächendeckende“ Zerstörung, wie nun in Waldenbuch, „hat aber eine andere Qualität“, sagt der SPD-Politiker. „Das steht einer fairen, anständigen politischen Kultur im Weg.“

Parteien plakatieren nach

Die grüne Abgeordnete Thekla Walker sieht die Grenze ebenfalls überschritten: „Beschädigte Wahlplakate sind kein Ausdruck von Meinung, sondern ein Angriff auf den fairen demokratischen Wettbewerb. Zur politischen Auseinandersetzung gehört der offene Austausch und kein Vandalismus. Deshalb werden beschädigte Plakate konsequent zur Anzeige gebracht“, sagt die Landesumweltministerin. Sowohl Peter Erler als auch Ferdinando Puccinelli haben bei der Polizei bereits Anzeige erstattet. Sie hoffen auf Hinweise von Zeugen an den Polizeiposten Waldenbuch.

Während die Grünen am Sonntag in Waldenbuch bereits nachplakatiert haben, will das Wahlkampfteam der SPD möglichst rasch Plakatersatz beschaffen und im Ort ebenfalls neu plakatieren.

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