Vandalismus im Waldkindergarten Unbekannte zerstören „zweites Zuhause“ – Sersheimer Kinder verängstigt und wütend

Unter anderem wurden beim Waldkindergarten in Sersheim das Sonnensegel beschädigt und teure Kisten mutwillig kaputt gemacht. Foto: Evangelischer Kindergarten Sersheim

Vandalen haben in Sersheim einen Waldkindergarten zerstört, die Kinder sind verängstigt und wütend. Kitaleitung und Eltern wollen nun deutlich machen, welchen emotionalen Wert dieser Ort hat – und reichen den Tätern die Hand.

Ludwigsburg : Emanuel Hege (ehe)

Vom Waldweg führt ein Trampelpfad in das Dickicht, durch Matsch und Unterholz geht es über eine kleine Holzbrücke zum idyllischen Platz des Waldkindergartens Sersheim. Hier sitzen die Kinder morgens im Kreis, erkunden die Natur oder basteln mit Material, das sie in der Umgebung finden. Die Waldgruppe des evangelischen Kindergartens ist ein Herzensprojekt der 6000-Seelen-Gemeinde Sersheim zwischen Vaihingen an der Enz und Bietigheim-Bissingen und aktuell ein Aufregerthema in der Umgebung. Denn der Waldplatz, das „zweite Zuhause“ der Kinder, wurde von Unbekannten zerstört.

 

Wer die Vandalen sind, und wann sie genau zugeschlagen haben, ist unbekannt. Laut dem Gruppenleiter Mathias Menge seien sie jedoch mutwillig vorgegangen. Unter anderem haben sie Äste und geschnitzte Hocker auf ein großes Sonnensegel geschmissen, bis dieses zum Boden durchhing. Das Segel habe nun Risse und Löcher, berichtet Menge. Zudem zerstörten die Unbekannten mehrere Kisten, in denen Material für den Kita-Alltag verstaut ist. Auch eine Waldschaukel, eine selbst gebastelte Truhe aus Stöcken und das Wald-Tipi haben die Täter auseinandergenommen. Die Reaktionen der Kinder seien unterschiedlich ausgefallen, sagen die verantwortlichen Erzieher.

Die Älteren seien wütend gewesen und hätten sich auf Verbrecherjagd machen wollen, die Jüngeren der Kita-Gruppe seien derweil verängstigt. „Auch in den Tagen danach waren einige Kinder angespannt, wenn wir zum Waldplatz gegangen sind“, sagt Menge.

„Einige Kinder haben Angst, dass die Täter wiederkommen, während wir im Wald sind.“ Die Erzieher hätten diese Ängste begleitet und viel mit den Kindern gesprochen, sagt Menge – das zeige Wirkung, die Angst lasse nach.

Die Gemeinde hat die Zerstörung derweil bei der Polizei zur Anzeige gebracht, der Sachschaden wird auf 800 Euro beziffert. Falls die Täter ermittelt werden, müssten diese nicht nur den Schaden ersetzen, es droht eine Geld- oder sogar Haftstrafe. Vandalismus habe es in Sersheim immer mal wieder gegeben, derzeit würden sich die Vorfälle jedoch häufen und eine ähnliche Handschrift tragen, sagt Jürgen Scholz. Der Bürgermeister hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung, sonst werde es schwer, die Täter zu finden.

Lebensraum der Kinder zerstört

Nicht nur für die Kinder, auch für die Eltern war der Anblick des zerstörten Waldplatzes ein Schock. Viele hätten ihre Wochenenden hier verbracht, um diesen Gruppenraum in der Natur mitaufzubauen, berichtet Elternvertreterin Dorothee Weber. „Uns Eltern geht es nicht nur um den finanziellen Schaden, uns geht es auch um den ideellen Wert des Ortes.“ Der Waldplatz sei ein zweites Zuhause der Kinder, ein Ort, an dem sie sich sicher gefühlt haben. Die Eltern wollen der Öffentlichkeit zeigen, dass nicht einfach nur Gegenstände zerstört wurden, sondern der Lebensraum der Kinder – mit schweren emotionalen Auswirkungen. Aus diesem Grund hätten sich die Eltern entschieden, einen Text im Gemeindeblatt abzudrucken, in dem die Kinder zu Wort kommen, so Weber. Dass die Täter gefasst werden, ist unwahrscheinlich. Auf dem abgeschiedenen Waldplatz konnten die Täter ihrer Zerstörungswut freien Lauf lassen, ohne Sorge vor Zeugen. „Wir wollen den Tätern aber die Hand reichen“, sagt Dorothee Weber. Die seien vermutlich jugendlich, also in einer Lebensphase, in der man eben Dummheiten anstelle – aber auch dafür geradestehen kann. Weber hofft, dass sich die Vandalen melden, um beim Aufbau zu helfen oder sich zumindest zu entschuldigen.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Vandalismus Verbrechen Kinder Sersheim