Vanlife auf der CMT Der Caravan-Revoluzzer aus Remshalden

Swen Dluzak ist Segel- und Campingfan – der 54-Jährige ist studierter Fahrzeugbauer. Er will die Wagen von unnötigem Ballast befreien und setzt auf neue Materialien. Foto: Dluzak

Swen Dluzak hat bei Daimler gelernt und mit der Caravanlegende Erwin Hymer zusammengearbeitet. Jetzt macht er in der Nähe von Stuttgart sein eigenes Ding. Wie tickt er?

Swen Dluzak hätte den geraden Weg gehen können. Der Karosseriebau-Ingenieur hat bei Daimler gelernt, später im Entwicklungsbüro des legendären Caravanbauers Erwin Hymer gearbeitet. Eine Karriere bei einem erfolgreichen Hersteller in einer Boom-Branche, eine sichere Anstellung. „Aber irgendwann waren mir die etablierten Konzerne zu schwerfällig“, erzählt der 54-Jährige an seinem Stand auf der Urlaubs- und Caravanmesse CMT.

 

Dluzak kündigte, machte sich vor sechs Jahren selbstständig und geht seitdem seinen eigenen Weg: „Rocket Camper“ heißt sein Unternehmen, das etwas andere Kastenwagen herstellt als andere Hersteller. Zu zweit hat Dluzak begonnen und seitdem Schritt für Schritt die Produktion und den Personalbestand ausgebaut. Heute arbeiten 25 Mitarbeiter für sein Unternehmen, der Jahresumsatz liegt bei rund 7,5 Millionen Euro.

Der Caravaning-Markt gerät derzeit massiv in Bewegung: Neben den auf Luxus spezialisierten Herstellern drängen viele neue Anbieter auf den Markt. Auf der CMT sind in diesem Jahr 181 Marken mit ihren Reisemobilen, Vans und Kastenwagen vertreten – so viele wie noch nie zuvor. Während manche Hersteller auf Ledersitze, teure Einbauschränke und luxuriöse Duschen an Bord setzen, geht Dluzak einen radikal anderen Weg.

Über viele Jahre hinweg sprach der Camping- und Segelfan mit anderen Campern, trug zusammen, wie sich diese ihr Traummobil vorstellen und entwickelte so seinen ersten eigenen Camper, den „Rocket One M“. „Ich habe mich dabei gefragt, was man auf Reisen wirklich zum Leben braucht. Das Leben wird für viele Menschen immer komplexer, deshalb empfinden sie Einfachheit als wohltuend.“

Manche Familien haben wieder mehr als zwei Kinder

Für Swen Dluzak stand früh fest, was er anders machen wollte: „Weniger ist mehr“, sagt er – weg von den aus seiner Sicht mit überflüssigem Schnickschnack überfrachteten Luxusmobilen anderer Hersteller. „Ich habe bewusst auf Nasszelle und Toilette verzichtet“, sagt er. Vieles hat er weggelassen, um Platz im Innenraum des Fahrzeugs zu schaffen, wo mit einem aufgefalteten Dach bis zu fünf Schlafplätze entstehen. „Auch weil Familien heute oftmals wieder mehr als zwei Kinder haben.“

Bei seinen Kunden denkt Dluzak zudem an Sportler, die mit einer Menge Ausrüstung zum Outdoorvergnügen aufbrechen oder an Hundebesitzer, die raus in die Natur fahren und entsprechend Platz an Bord benötigen. Den gewinnt der „Rocket Camper“ durch ungewöhnliche Gestaltungen im Innenraum: So steigen die Insassen beispielsweise über eine aus der Küchenzeile ausziehbare Trittstufe in ihr Bett.

Swen Dluzak lächelt. Er trägt Cargohose, tippt an seine Baseballkappe. Dluzak ist immer gerne gegen den Strom geschwommen, auch als er noch in Pforzheim im Innovations- und Designcenter von Hymer über neue Ideen nachgedacht hat. „Wenn ich mit einer neuen Konstruktion zu Erwin Hymer kam, fragte er mich: ,Geht es nicht noch einfacher, damit es für unsere Kunden günstiger wird?‘“

Die Vans von Rocket Camper sind Teil einer sich wandelnden Campingkultur, die unter dem Schlagwort „Vanlife“ auch auf der CMT in der Halle 3 stark vertreten ist. Hier tummeln sich jüngere Zielgruppen – viele bauen ihre Busse, Kastenwagen und Vans selbst aus. Nachhaltigkeit und Natur sind ein großes Thema für die Interessenten der Vans, auf Plattformen wie Instagram inszenieren zahllose Fans von Vans unter „#Vanlife“ ihr Reiseerlebnis.

Günstige Kastenwagen ab 40 000 Euro

Wer sich für ein neues Mobil interessiert, zahlt deutlich weniger als bei den Oberklassemodellen – aber richtig günstig ist das etwas andere Urlaubsvergnügen auch nicht: Bei Kastenwagen liegen die Einstiegspreise bei rund 40 000 Euro, preiswerte Campingbusse sind noch einmal 10 000 Euro teurer.

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