E-Zigaretten und Co. Wie tödlich sind Vapes für Jugendliche?

, aktualisiert am 27.06.2025 - 22:00 Uhr
Vapes sind handlich, sorgen für viel Dampf – aber gesund sind sie nicht. Foto: /Mariiya

Tabakerhitzer mit Kirsch- oder Vanillegeschmack sind bald verboten. Doch das gilt nicht für E-Zigaretten mit ähnlichen Aromastoffen, die bei Schülern sehr beliebt sind. Warum dies kein harmloser Trend ist.

Gesundheit für Menschen in Stuttgart: Regine Warth (wa)

Auf dem Schulklo lässt es sich am einfachsten dampfen: Türe abschließen, eine Vape aus der Tasche holen, ein paar Mal dran ziehen. Und dann geht’s wieder ins Klassenzimmer. Zurück bleibt nur der süßliche Duft nach Kokos oder Fruchtbonbon. Ja, das sei normal, bestätigen die Zehntklässler der Geschwister-Scholl-Realschule in Nürtingen. Vor einem Jahr tauchten die handlichen E-Zigaretten auf. „Sie sind ein Trend“, sagt Lea. Die 15-Jährige nutze hin und wieder eine Vape, wenn sie sich mit Freunden treffe. „Sie schmecken ganz gut und man hat nicht so ein kratziges Gefühl im Hals wie bei normalen Zigaretten“, so die Schülerin, die ihren richtigen Namen nicht nennen möchte.

 

Ein Problem an Schulen

Vaping wird das Rauchen mit den Einweg-E-Zigaretten genannt. Sie sind nicht viel größer als ein Textmarker, das Design ist bunt und auf der Verpackung wird oft mit der Abbildung von Früchten oder Süßigkeiten für das jeweilige Aroma geworben – und sie sind nach wie vor ein Problem in den Schulen, bestätigt die Vereinigung von Schulleiterinnen und Schulleitern in Baden-Württemberg (VSL). Zwar sind diese Verdampfer ebenso wie Zigaretten auf dem Schulgelände verboten. Doch da man sie auf Knopfdruck an- und ausschalten und schnell in die Tasche schieben kann, bleiben Konsequenzen oft aus: „Diese E-Zigaretten sind überall – nur, kommen wir als Schule oft nicht hinterher, um diesen Trend Einhalt zu gebieten“, sagt der VSL-Vorsitzende Werner Weber.

Was dem Schulleiter besonders Sorgen bereitet, ist: „Die Schüler, die diese Einweg-Zigaretten inhalieren, werden immer jünger.“ An seiner Schule wurden 13-Jährige mit mehreren Packungen erwischt. „Werden dann die Eltern informiert, heißt es nur: Man könne doch froh sein, dass der Nachwuchs nicht zu richtigen Zigaretten greife, die doch ungesünder seien“, beklagt Weber das mangelnde Problembewusstsein der Familien.

Überhaupt nicht harmlos

Dabei sind die E-Zigaretten nicht so harmlos, wie die Verpackung sie gerne aussehen lässt: In den Geräten werden Flüssigkeiten, Liquids genannt, erhitzt, die entstehenden Aerosole werden inhaliert. Manche Liquids enthalten laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) doppelt so viel Nikotin wie Zigaretten. Zwar sind im Vergleich zu Zigarettenrauch die meisten Schadstoffgehalte reduziert, auch ist noch wenig über die Langzeitfolgen des Dampfens bekannt. Doch in Studien sind nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums bereits Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System sowie Lungenprobleme nachgewiesen worden. Und auch die Aromastoffe in den Liquids bergen gesundheitliche Risiken: Sie können eine entzündungsfördernde Wirkung haben.

Zwar wurde erst unlängst das Tabakproduktgesetz geändert: Demnach dürfen Tabakerhitzer ab Ende Oktober mit künstlichen Zusätzen im Tabak wie Pfirsichgeschmack oder Schokolade nicht mehr verkauft werden. Von dem Verbot ausgenommen sind aber eben E-Zigaretten – wie die bei Schülern beliebten Vapes. Dabei nehmen diese Produkte inzwischen den größten Marktanteil ein: Der Umsatz mit E-Zigaretten summierte sich im Jahr 2022 nach Schätzungen des Verbandes des eZigarettenhandels auf rund 600 Millionen Euro. Ein weiterer Anstieg sei für 2023 zu erwarten.

Falsche Annahme

Sehr zum Missfallen von Suchtexperten, die den politischen Beschluss für zu kurz gegriffen halten: „Insbesondere E-Zigaretten vermitteln den Konsumenten, dass die mit Tabakzigaretten oder Tabakerhitzern verbundenen Risiken nicht mit ihnen in Zusammenhang stünden“, sagt Oliver Fricke, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Stuttgart. Dabei bergen E-Zigaretten egal ob mit oder ohne Nikotin allein aufgrund der süßen Aromen ein großes Suchtpotenzial: „Der Gebrauch von E-Zigaretten erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass später auch Tabakzigaretten zu konsumiert werden“, sagt Fricke. Zu diesem Effekt liegen belastbare wissenschaftliche Daten vor.

Schon jetzt ist der Anteil der jugendlichen Raucher gestiegen. Ende 2022 wurde eine repräsentative Umfrage zum Rauchverhalten vom Schwerpunkt Suchtforschung am Institut für Allgemeinmedizin der Universität Düsseldorf veröffentlicht: Demnach hat sich der Anteil der Raucher unter den 14- bis 17-Jährigen innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt – von 8,7 auf 15,9 Prozent. Bei den 18- bis 24-Jährigen stieg er von 36,1 auf 40,8 Prozent. Auch beim Konsum von E-Zigaretten und ähnlichen Produkten gab es einen starken Anstieg von 0,5 auf 2,5 Prozent bei den 14- bis 17-Jährigen und von 2,4 auf 4,0 Prozent bei den 18- bis 24-Jährigen.

Die Gründe hierfür können Experten wie Fricke nur vermuten: „Aktuelle Daten deuten darauf hin, dass der mit Krisen verbundene Stress eine Ursache für den steigenden Nikotinkonsum in der Gruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen sein könnte.“ So hätte die Corona-Pandemie gerade den Jüngeren stärker als vermutet zugesetzt.

Das bestätigen auch die Zehntklässler der Realschule aus Nürtingen: „Es ist schon stressiger geworden“, sagt Lea. Seit der Schulbetrieb sich nach Ende der Pandemie wieder normalisiert hat, habe der Lerndruck deutlich zugenommen. Sie glaubt daher schon, dass viele ihren Ausgleich beim Rauchen suchen würden. Auch sie zöge an Vapes oder an Tabakzigaretten zur Entspannung.

Flächendeckende Kampagnen

Es sind Aussagen wie diese, die Suchtexperten veranlassen, den Kampf gegen das Rauchen wieder deutlich verschärfter anzugehen: „Vor der Einführung der E-Zigarette war die Prävention mit Blick auf den Konsum von Tabakzigaretten erfolgreich“, sagt Fricke. Nun bräuchte es eine vergleichbare Strategie – bestehend aus Aufklärung und hoher Besteuerung der Produkte und Verboten, um den Konsum wieder zu verringern.

Informationsprogramme – gerade auch für Jugendliche – gibt es durchaus: Etwa der Wettbewerb „Be smart – don’t start“, der unter anderem auch vom Kultusministerium Baden-Württemberg gefördert wird. Doch dieses Programm wird nur von einzelnen Schulen genutzt und hat somit nur eine begrenzte Reichweite. Notwendig wären flächendeckend, also bundesweit regelmäßig durchgeführte Kampagnen, so Fricke. Dies würden auch die Schulleiter im Land begrüßen: „Bislang ist im Kampf gegen die E-Zigarette jede Schule auf sich allein gestellt“ , sagt Weber.

Dieser Artikel wurde erstmals im September 2023 veröffentlicht und am 27. Juni 2025 aktualisiert.

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