Vater des Muslimtests Keine Ruhe im Ruhestand

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Als Beamter hat Rainer Grell den Gesprächsleitfaden für die Einbürgerungsbehörden initiiert, als Pensionär macht er Stimmung gegen den Islam.

Der unermüdliche Warner vor dem Islam: Rainer Grell ist ein Mann mit einem klaren Feindbild. Foto: factum/Granville
Der unermüdliche Warner vor dem Islam: Rainer Grell ist ein Mann mit einem klaren Feindbild. Foto: factum/Granville
Stuttgart - Fünf Koranausgaben hat Rainer Grell in seinen Bücherregalen stehen, weil er sich nicht sagen lassen will, mit dem falschen Text oder einer schlechten Übersetzung zu argumentieren. Rainer Grell ist leitender Ministerialrat in Pension. In seinen letzten Dienstjahren als Abteilungsleiter im Innenministerium hat er den Gesprächsleitfaden für die Einbürgerungsbehörden entwickelt, vielen besser bekannt als der baden-württembergische Muslimtest. Einen Mitarbeiterstab hat Grell nicht mehr, auch keine ministerialen Kompetenzen. Inzwischen arbeitet er auf eigene Verantwortung an einem sonnigen Schreibtisch in Degerloch. Die Themen, die den Ruheständler umtreiben, aber sind genau die gleichen, damals wie heute: der Islam in der Bundesrepublik und der Umgang der Politiker damit.

Heute schreibt der Jurist Briefe an CDU-Fraktionsgeschäftsführer, Bundestagspräsidenten, Landtagsabgeordnete. Er verfasst seitenlange E-Mails an Verbände und klärt Kirchenvertreter aller Hierarchien über seine Ansichten auf. Immer geht es Grell dabei um eines: die Adressaten vor einer islamischen Bedrohung zu warnen, die er selbst stetig wachsen sieht, die die anderen aber nicht wahrhaben wollen. Im persönlichen Gespräch erklärt Grell sein Anliegen gerne mit einem Witz, der gar nicht lustig ist: "Was haben die drohende Pensionslawine im öffentlichen Dienst und der Islamismus gemeinsam? Die Politik war rechtzeitig gewarnt, hat aber nicht rechtzeitig reagiert." Seinen Überlegungen zugrunde legt der 68-Jährige Bevölkerungsprognosen, die besagen, dass Muslime in Deutschland schon in wenigen Jahren die Mehrheit stellen werden.

Bedrohung durch islamische Terroristen in Deutschland


Was der Jurist am Islam in Europa wahrnimmt, sind Ehrenmorde, Frauen in Burkas und radikale Mullahs die Schriftsteller und Karikaturisten mit dem Tod bedrohen. Er weist auf demokratiefeindliche Koransuren hin und auf Glaubensgebote, die muslimischen Frauen eine Heirat mit einem Christen verbieten oder die einen Muslim, der vom Glauben abfällt, mit dem Tode bedrohen. Grell erzählt von muslimischen Jugendlichen, die T-Shirts tragen mit der Aufschrift "2030 - dann übernehmen wir". Und er schreibt über die Bedrohung, die von islamischen Terroristen in Deutschland ausgeht. Der 68-Jährige ist überzeugt, dass es das Ziel führender Muslime in aller Welt sei, demokratische Grundordnungen auszuhebeln und durch die Scharia zu ersetzen. Was der pensionierte Landesbeamte nicht wahrnimmt, ist die große Mehrheit der Muslime in Deutschland, die sich für Verlautbarungen radikaler Mullahs nicht interessiert und deren religiöse Praxis mit der politischen Ideologie des Islamismus so gar nichts zu tun hat.

"Sie haben von den Anschlägen am 11. September in New York und am 11. März in Madrid gehört. Waren die Täter in Ihren Augen Terroristen oder Freiheitskämpfer?" Das ist eine der Fragen, die die Einbürgerungsbeamten 2006 den Ausländern stellen sollten. Und es ist eine der Fragen, die Rainer Grell und sein Stab entwickelt haben, um festzustellen, ob ein einbürgerungswilliger Ausländer auf dem Boden des Grundgesetzes steht. "Ich habe damals gesehen, dass wir am laufenden Band türkische Staatsbürger einbürgern, ohne zu prüfen, ob sie unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat überhaupt respektieren." Kaum war der Leitfaden eingeführt, brauste ein Sturm der Entrüstung über die Landesregierung - und über Rainer Grell. Damals gab der Ministerialrat der BBC Interviews und verteidigte den Test auch sonst auf allen Kanälen. Mit wenig Erfolg: der Fragenkatalog wurde schon nach kurzer Zeit überarbeitet und Grells Bitte, über die 65 hinaus noch zwei Jahre im Innenministerium arbeiten zu dürfen, wurde abgelehnt.

"Mein größter Fan bin ich selbst"


Es wurmt ihn noch immer, wie Politiker und Journalisten damals mit dem Einbürgerungsleitfaden und heute mit dem Islam umgehen. Schon zu Beginn seines Ruhestandes hat Grell deshalb ein Buch geschrieben mit dem Titel "Dichtung und Wahrheit: Die Geschichte des ,Muslim-Tests' in Baden-Württemberg". Das 200 Seiten starke Werk ist im Internet abrufbar, auf der Seite "Politically Incorrect", einem Sammelbecken für islamfeindliche Beiträge. Das Buch ist Grells Abrechnung mit den Politikern, dem Islam und mit einer ignoranten Gesellschaft. Deshalb auch die vorangestellte Widmung: DDD, den doofen Deutschen, einer, wie Grell schreibt, "von Migranten verwendeten Bezeichnung".

Der leitende Ministerialrat a.D. ist ein gebildeter Mann mit besten Umgangsformen, aber einem klaren Feindbild. Seine Thesen hat er einmal ausführlich für die Öffentlichkeit formuliert, aber keinen Verlag gefunden. Jetzt schreibt er für Freunde und seine Familie, denen er seine Werke gebunden schenkt. "Mein größter Fan bin ich selbst", sagt der 68-Jährige mit einer Portion Selbstironie.

Die Erfahrungen, die er mit dem Muslimtest gemacht hat, haben ihn nicht milder gestimmt, im Gegenteil. "Ich habe noch nie den Ehrgeiz gehabt beliebt zu sein." Er würde deshalb alles genauso machen wie zu seiner Zeit als Leiter der Abteilung Staatsangehörigkeitsrecht. "Der Leitfaden", sagt Rainer Grell, "war meine Idee und keine Wahlkampfstrategie der CDU."

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